Ein Lob auf die Pause und den Rhythmuswechsel.

Entspannung und Anspannung,Tempo- und Rhythmuswechsel, sorgen für eine ausgewogene Balance und erhalten uns so dauerhaft unsere Leistungsfähigkeit.

 

Wussten Sie, dass Wolfgang Amadeus Mozart mit 26 unterschiedlichen Tempi arbeitete? Alle angesiedelt zwischen den Polen „langsam“ und „schnell“. Man entdeckt so bei seinen Kompositionen jede Menge Tempowechsel,  u.a. von/ zu:

  • andantino (ein wenig gehend)
  • andantino sostenuto (ein wenig zurückhaltend gehend)
  • andantino grazioso (lieblich gehend)
  • andante (gehend, nicht zu langsam)
  • andante maestoso (majestätisch gehend)
  • andante agitato (erregt gehend)
  • allegretto vivo (etwas schnell und lebhaft)
  • allegro comodo (bequem, aber schnell)
  • allegro (lustig, heiter)
  • presto con fuoco (sehr schnell und feurig)

Derart feinsinnige Abstufungen machen sowohl das Innehalten als auch die Schnelligkeit interessant und genau diese Abstufungen und der Wechsel zwischen zögerlichem und hohem Tempo machen die Dynamik seiner Musik aus. Unser eigenes Herz, könnte sich wohl sehr gut mit der Musik von W. A. Mozart identifizieren. Auch es variiert den Takt, um uns zu steuern.

Das Herz, unser ureigener Taktgeber, hat ähnlich viele Tempi zu bieten, doch verliert er dabei nie den Wechsel zwischen Innehalten und Weiterschlagen aus dem Auge. Im Laufe eines 81,5-jährigen Lebens schlägt das Herz – mit durchschnittlich 70 Schlägen pro Minute, also etwas mehr als 100.000 Schlägen pro Tag im entspannten Modus – mehr als 3 Milliarden Mal. Dabei macht es unbeirrbar zu 1/3 Pause – immer zwischen den Schlägen. Auf den Tag gerechnet ist es damit 16 Stunden aktiv und ruht 8 Stunden. Einem Rhythmus, dem der ganze Organismus folgt. Heute wissen wir, dass auch unsere geistige Energie einem Aktivitäts- und Ruhe-Rhythmus folgt – dieser wiederholt sich bei den Menschen in einem Abstand von etwa 90 bis 120 Minuten. Nicht von ungefähr werden aktive Pausen nach 90 Minuten konzentrierter Arbeit empfohlen.

„Wenn Du Dein ganzes Leben und Erleben aber pausenlos ins Tätigsein verlegst und keinen Raum für mehr Besinnung vorsiehst, soll ich Dich da loben? Wie kannst du voll und echt Mensch sein, wenn Du dich selbst verloren hast? Damit Deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann, musst du also nicht nur für die anderen, sondern auch für dich selbst ein aufmerksames Herz haben..“

Bernhard von Clairvaux an Papst Eugen


Schauen wir auf den Arbeitsalltag, so ist der natürliche Rhythmus durch ein hohe Anspannung gestört. Die Zeit zum Innehalten und zum Verarbeiten neuer Informationen fehlt meist. Der Einzelne ist gefordert, es selbst in der Hand zu nehmen und achtsames Innehalten in seinen Arbeitsalltag einzubauen. Dazu reichen schon wenige bewusste Minuten. Ein paar Minuten bewusst auf den eigenen Atem lauschen, in der Stille zu verharren oder den Körper ausgiebig zu dehnen – wie es den eigenen Bedürfnissen entspricht. Innerlich und äußerlich einen Schritt zurücktreten aus dem Geschehen, sich auf sich selbst konzentrieren. Vielleicht einen Augenblick die Hand aufs Herz legen und dem eigenen Taktgeber folgen und lauschen, was die Natur uns von Haus aus an Entspannung mitgegeben hat.

Für Fortgeschrittene empfehlen wir neue Anspannungs- und Entspannungstempi auszuprobieren und die verschiedenen Tempi von Mozart bewusst zu nutzen: so können Sie z.B. „etwas schnell und lebhaft“ zum nächsten Termin laufen anstatt zu hetzen oder sich für „bequem aber schnell“ entscheiden. Für mehr Entspannungsmomente empfehlen wir Phasen des „ein wenig zurückhaltend Gehens“ oder „lieblich Gehens“. Probieren Sie es einfach mal im Alltag aus...

Zu den Pausen und Rhythmuswechseln gehören auch die größeren Zyklen: Die Wochenenden oder freien Tage, unsere Urlaube, die Zeit des Jahreswechsels usw. Bis Anfang Dezember 2015 wurde der Edeka Spot #Heimkommen bei Youtube bereits mehr als 30 Millionen (!) Mal abgerufen. Er führt die Nation durch ein Wechselbad der Gefühle, macht betroffen, regt zum Innehalten und zur Reflexion an. Wie lieben wir unsere Tradition, mit Großeltern, Eltern, Kindern und Enkelkindern am Baum gemeinsam zu feiern. Dies möchten wir nie missen. Der Spot erinnert unvermittelt, an all die anderen, die ausgeschlossen sind. Die in keiner Familie mehr geborgen sind, mit der sie feiern. Der Spot hat uns angeregt, in Kliniken, in denen wir gerade sind, Pausen zu machen und einfach mal nachzufragen: Gibt es denn einsame Menschen, die über die Feiertage in die Klinik kommen, vielleicht gerade um nicht alleine zu sein? Sollten Sie das alle Jahre wieder erleben, wird Sie nicht erstaunen, was wir erfahren haben: Offenbar sind das tatsächlich nicht wenige Menschen zwischen den Jahren in der Klinik, die ganz einfache Dinge wie Gespräche, Lachen, Wärme durch Worte suchen. Wenn wir uns darauf einlassen, bietet uns die Zeit des Advents und des Jahresübergangs einen besonderen Raum zum Innehalten. Raum um über unser Leben hinaus zu denken, auf andere zu schauen, füreinander da zu sein .

Das Bild des Mitarbeiters, der nie müde wird, der ohne Pause durcharbeitet und der dabei keine Fehler macht, ist eine Illusion. Dass Pausen Konzentrationsdefizite und Ermüdungsfolgen vermeiden, ist bekannt. Eine Studie in der Kinderchirurgie der medizinischen Hochschule Hannover (MHH) weist nun konkret die positiven Auswirkungen regelmäßiger 5 Minuten Pausen nach jeweils 25 Minuten laporoskopischer Operationen nach:[2] Die Chirurgen, die Pausen machten, schütteten deutlich weniger Stresshormone aus (z.B. 22 Prozent weniger Kortison). Die Operateure fühlten sich nach eigenen Aussagen nach einer OP weniger müde, wenn sie während des Eingriffs kurze Pausen gemacht hatten. Auf eine gleichbleibende Leistungsfähigkeit weist die ausgeglichene Herzfrequenz hin, die bei den pausierenden Chirurgen gemessen wurde. Neben dem Stresserleben hatte die Einführung auch eine Reduzierung der Fehlerrate zur Folge. Die Fehleranfälligkeit war dreimal geringer als bei Kollegen, die keine Pause machten. Spannend ist zudem, dass die Einführung der Pausen nicht zu einer Verlängerung der Operationszeiten führte. In der MHH wird seitdem das Schema der Kurzzeitpausen weitergeführt.

Viele gute Argumente für den Mehrwert von Pausen... Und wo ein Wille ist, werden sich Wege finden, Pausen als Zeichen von Stärke zu lesen und sich zu erlauben, diese in den Arbeitsablauf zu integrieren.   

 


[1] Vgl. Geißler, Karlheinz A. (2010):  Lob der Pause - Warum unproduktive Zeiten ein Gewinn sind, Oekom Verlag, München, S. 39-40. 

[2] Vgl. Ulrich E., Wülser M.: Gesundheitsmanagement in Unternehmen, Arbeitspsychologische Perspektiven, 6. Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, S. 110 f.

 

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.