Singer, Tania | Bloz, Matthias (1. Auflage 2013)

Mitgefühl in Alltag und Forschung. Trainingsprogramme, Stand der Wissenschaft und Erfahrungen der Praxis. EBook Max Planck Society, München.

Der Bewusstseinswandel hin zu empathischer Führung von sich selbst, anderen und Organisationen als Ganzes, ist uns bekanntlich ein Herzensanliegen. Diesmal können wir Ihnen zu dem Thema ein interessantes Online-Buch vorstellen. Es ist das Ergebnis des Workshops „How to train Compassion“, der im Juli 2011 im Studio des Künstlers Olafur Eliasson in Berlin stattfand. Organisiert wurde der Workshop von der Abteilung Soziale Neurowissenschaft des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften unter der Leitung von Prof. Dr. Tania Singer. Forscher, Psychotherapeuten, buddhistische Mönche und Künstler kamen zusammen, um Mitgefühlstraining in all seiner Relevanz für die heutige Zeit und in verschiedensten Bereichen zu diskutieren. Am Ende des Workshops entwickelte sich der Wunsch der Beteiligten, das im Workshop zusammengetragene Wissen für die Öffentlichkeit frei verfügbar zu machen. Über diesen Link können Sie daher das entstandene eBook kostenfrei erhalten.

Das Buch beschreibt verschiedene Mitgefühlspraktiken aus unterschiedlichsten Perspektiven. Neben Erfahrungen in Schulen, in der Psychotherapie oder im Coaching gibt es auch ein Kapitel zu Erfahrungen in der Sterbebegleitung („Beeing with Dying“ vgl. S. 112). Auch enthält es einen Abschnitt zu Mitgefühl im Klinischen Umfeld („Mitgefühl im Klinischen Umfeld verstehen und kultivieren“ vgl. S. 219). Es werden zugrunde liegende theoretische Ansätze u.a. aus dem Buddhismus, der Psychologie oder aus evolutionärer Sicht vorgestellt. Die neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse werden präsentiert und Trainingsprogramme von Mitgefühl dargestellt. Das eBook beinhaltet nicht nur diverse von den Teilnehmern geschriebene Kapitel, sondern auch zahlreiche Videos der Autoren, Soundcollagen von Nathalie Singer und künstlerische Fotos von Olafur Eliasson und bietet somit ein lebendiges Lese- und Hörerlebnis.

Eine Grundthese des 1. Kapitels zu den Erfahrungen mit Mitgefühlstrainings ist, dass Mitgefühl – in unserem Verständnis synonym für Empathie - fast für jeden mehr oder weniger trainierbar ist. Dabei geht es weniger um die Schulung von etwas Neuem, als mehr um eine Möglichkeit, bereits in uns Vorhandenes wieder zu entdecken. Um sich dann mit sich und anderen zu verbinden. Zudem werden Werkzeuge für praktiziertes Mitgefühl vorgestellt.

Das 2. Kapitel befasst sich mit Konzepten von Mitgefühl. Ein Unterkapitel handelt z.B. von der Buddhistischen Perspektive auf Mitgefühl als der Weg zur Freiheit von Leid (alles ist mit allem verbunden). Besonders interessant ist auch das Kapitel über Mitgefühl im Klinischen Alltag und die Auseinandersetzung mit der in der westlichen Welt geprägten Kultur, Heilung ohne Zuwendung anzubieten. Dieses Unterkapitel stellt drei Perspektiven bezüglich Mitgefühl vor, die Ärzte laut der Autorin in der Ausbildung in mitfühlender Sterbebegleitung vermittelt werden können. Dabei werden zunächst verschiedene Arten des Mitgefühls beleuchtet, die für Ärzte und andere Berufsgruppen im klinischen Umfeld relevant sind.

Der 3. Teil des Buches widmet sich der wissenschaftlichen Perspektive auf Mitgefühl. Hierbei geht es u.a. um die Kunst des Selbstmitgefühls, das sich im inneren Dialog ausdrückt und wesentlich auf Achtsamkeit basiert sowie die Wahrnehmung der eigenen Grenzen und Bedürfnisse. Es wird aufgezeigt, wie positive Emotionen die seelische Gesundheit stärken und Mitgefühl als emotional/ motivierende Kraft in Balance bleibt.

Das 4. Kapitel schließt die Betrachtung mit konkreten Trainingsprogrammen für Mitgefühl und einem Appell: statt zu helfen und zu reparieren, gilt es, zu dienen und das Leben als Ganzes zu betrachten!

 

Tania Singer, Matthias Bloz (Hrsg.): Mitgefühl in Alltag und Forschung, eBook Max Planck Society, München. 1. Ausgabe 2013.

 

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Unsere Buchtipps.

Um zu Nachdenken und Weiterentwicklung zu inspirieren.

Sich immer wieder fort- und weiterzubilden ist v. a. für Kopfarbeiter wichtig. Zum einen wird in der vernetzten Welt Wissen in z.T. höchster Qualität virtuell geteilt. Offen im Web. Es kann so in kürzester Zeit in neuen Kontexten neu verknüpft werden. Dazu leisten auch wir bewusst einen Beitrag. Zum anderen wird die Kommunikation von Mensch zu Mensch zentraler. Das gibt dem Menschen die Würde. Und nur so lässt sich Wissen in die Umsetzung bringen. Dies unterstützen wir aktiv in Coachings und Trainings.

Führungskräfte sind für die Weiterentwicklung von Teams verantwortlich. Gerade Führungskräfte leben daher von Distanznahme und Reflexion. Um immer neue Anregungen und Impulse zu gewinnen, ist ein ganz schöner Weg: Von Zeit zu Zeit ein Buch in die Hand nehmen. Wir schätzen Bücher hoch. Für einen oft sehr geringen Stückpreis erhalten Leser die über oft lange Jahre entfalteten Gedanken von Autoren zu einem Thema. Das kann ein wertvolles Geschenk sein. Das ist sehr wert zu schätzen. Und wir sind sicher, dass gerade auch unsere Seminarteilnehmer profitieren, wenn Sie ein Buch zur weiteren Vertiefung eines Gedankens zur Hand nehmen. So haben wir es uns zur Regel gemacht, regelmäßig auf unseren Seiten interessante Bücher vorzustellen und zu rezensieren. Lassen Sie sich auch von den Buchtipps inspirieren.

Lesen kann zum Gewinn für die persönliche Entwicklung werden. Manchmal genügt schon ein schnelles Drüberlesen, um sich neue Anregungen zu holen. Für Verstehen braucht es meist aber eine tiefere Auseinandersetzung mit den Texten. Das entspricht ganz praktisch dem Kern wissenschaftlichen Arbeitens. Von wem sind die Texte in welchem Kontext erstellt? Welche Lehren will der Autor/ die Autorin vermitteln? Welche Orientierung in der komplexen Welt will er/sie geben? Also welches Denkmodell steckt dahinter? Dabei gibt es auch viele Irrlehren. Irrlehren verstricken sich in Widerspruch zu sich selbst. Und so bieten auch solche Bücher im Zweifel zumindest ein gutes Trainingsfeld für einen wachen Geist.

Was ist als das Ziel des Autors zu erkennen? Welche Bewertung von "gut" und von "schlecht" ist damit verknüpft? Gutes denken, Gutes tun, Gutes bewirken? Was ist der Maßstab?  Das ergründet sich nicht einfach so. Je freier der Kopf beim Lesen ist, umso leichter fällt es, sich auf neues Denken einzulassen. Und umso leichter können daraus weitere Gedanken gedeihen. Davon hängt Verstehen ab. Vorgefasste Meinungen, ererbte und erworbene Ideen sind nicht einfach abzulegen. Dazu bedarf es Bereitschaft. Die ich ggf. nicht jedem Autor mehr entgegenbringen mag. Doch wenn sich der Leser bewusst auf Neues einlässt, wird sich sein Blickfeld weiten. Dazu braucht es Ruhe und ungestörte Zeit beim Lesen.

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