Scharmer, Claus Otto (3. Auflage 2013)

Theorie U. Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik. Carl-Auer-Verlag, Heidelberg.

"Theorie U. Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik." ist eine interessante Führungstheorie. Sie liefert umfangreiche Grundlagen für die Herausforderungen von Leitung, Führung und Management im 21. Jahrhundert. Entwickelt wurde sie über mehr als zehn Jahre von Otto Scharmer, dem Forscher am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). In seinem Buch zur Theorie U hat er die über viele Jahre gewachsenen Erkenntnisse zusammengefasst.

Im Kern besagt die Theorie U: Wer die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen will, muss von der Zukunft lernen. Nach Scharmer neigen wir Menschen in Umbruchphasen dazu, uns an alten Traditionen festhalten zu wollen. Wir lernen vergangenheitsorientiert. Das menschliche Denken setzt auf Gewohnheitsmuster. Was einmal Erfolg hatte, bietet für die Zukunft Orientierung. Doch bei sich immer stärker ändernden Bedingungen und steigender Komplexität funktioniert Herkömmliches selten. Wer mehr vom gleichen macht, wird immer wieder das gleiche Ergebnis erhalten. Scharmer beschreitet daher einen anderen Weg. Seiner Theorie nach ist es möglich und nötig, aus der Zukunft und ihren Möglichkeiten zu lernen. Aus der sich gerade entwickelnden Zukunft. Was denkbar ist, ist irgendwann  erreichbar. Für dieses Lernen hat er einen eigenen Begriff entwickelt: „Presencing“. Presencing setzt sich zusammen aus „Presence“ (Anwesenheit) und „Sencing“ (Spüren). Die Grundlagen dafür beschreibt er ausführlich im 1. Teil seines Buches „Begegnung mit dem blinden Fleck“.

Im 2. Teil „Eintreten in das U-Feld“ beschreibt er die einzelnen Phasen des U-Prozesses. Der U-Prozess ist keine Art von Innovation oder Methode. Er ist ein Lernprozess, der sich in Schritten manifestiert. Diese Schritte können an einem U verdeutlicht werden. Sie umfassen das, was Individuen und Gruppen hilft, Muster der Vergangenheit loszulassen, eine im Entstehen begriffene Zukunftsmöglichkeit wahrzunehmen und aus dieser Wahrnehmung heraus zu handeln. In 7 Unterkapiteln beschreibt Scharmer die einzelnen Phasen durch das U-Feld:

  1. „Downloaden - Runterladen/ Abspulen“ (sich in alten Mustern bewegen, unhinterfragt Bewährtes weiterführen),
  2. „Hinsehen - Seeing“ (vom Downloaden zum Hinsehen und Infragestellen des Bekannten),
  3. „Hinspüren - Sensing“ (das Erspüren eines möglichen Neuen)  am Entde der Abwärtsbewegung
  4. „Presencing - Gegenwärtigung“  am Wendepunkt des U’s (Neues Wissen entsteht, losgelöst von alten Gewohnheitsmustern).
  5. „Verdichten - Kristallisieren“ am Anfang der Aufwärtsbewegung des U’s 
  6. „Erproben - Prototyping“ (ohne große Konzepte im Vorfeld, schnelles Erproben und hier gilt laut Schamer der Grundsatz: frühes Scheitern führt zu schnellerem Lernen)
  7. „Performing - in die Welt bringen“ am Ende des U’s

Im dritten Kapitel „Presencing – eine soziale Technik für die Führung von Innovationen“ geht Scharmer auf die Umsetzung von Presencing ein und verdeutlicht dies an Praxisbeispielen aus seiner Beratererfahrung. So müssen Unternehmen z.B. Möglichkeitsräume schaffen, um neues Wissen zu generieren. Es ist die Verbindung zwischen explizitem  und impliziten Wissen, das im offenen gemeinsamen Dialog neue Zukunftsräume schaffen kann. Dazu braucht es eine andere Art des Austausches. So verdeutlicht er am Beispiel Kommunikation die unterschiedlichen Schritte in das U hinein:

  1. Downloading/ Abspulen: Im formellen Austausch wird gesagt, was erwartet wird und nicht, was man denkt. Alte Gedankenmuster werden bestätigt, es ändert sich nichts.
  2. Debatte: Fakten, Meinungen und Argumente werden ausgetauscht. Oft fehlt die Offenheit auf den anderen zuzugehen, um wirklich etwas zu ändern.
  3. Dialog: Bedeutet, die Welt aus der Perspektive des anderen wahrzunehmen und empathisch offen zu sein, für den anderen. Gekoppelt mit der eigenen Wahrnehmung entstehen neue Möglichkeiten.
  4. Presencing: Neue Zusammenhänge werden erkannt und neue  Optionen zeichnen sich ab. Im Unternehmen bedeutet dies auch, über Organisationsgrenzen hinweg die Umwelt einzubeziehen. Einen übergeordneten Dialog zu führen.

Die methodische Aufbereitung einer Theorie für tiefe soziale Veränderungen ist ein Geschenk zur Bewältigung der Herausforderungen in der Postmoderne. Allerdings liefert Scharmer keine leichte Kost. Sein Buch „Theorie U: Von der Zukunft her führen“verdichtet seinen über viele Jahre andauernden Forschungsprozess auf über 500 Seiten.Allerdings ist die Lektüre des Grundlagenwerkes recht komplex und abstrakt, so dass es für die meisten Führungkräfte wohl nicht unmittelbar in die Praxis umsetzbar ist.

Es gibt doch in jedem  Fall spannende Impulse für alle Führungskräfte, die offen sind für neue Wege jenseits bekannter Fakten. Vielfältige Unterlagen zum freien Download und weitere Informationen zur Theorie U finden Sie übrigens unter www.presencing.com.

 

Scharmer, C.O: Theorie U. Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik. Carl-Auer-Verlag, Heidelberg, 3. Auflage 2013.

 

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