Belling, Reinhard (1. Auflage 2012)

Management psychiatrischer Kliniken. Leistungsorientierte Vergütung und strategische Klinikführung. Kohlhammer.

Wenn kein Geringerer als der Geschäftsführer von Hessens größtem kommunalen Gesundheits- und Sozialkonzern, der Vitos GmbH, über das aktuelle Umfeld psychiatrischer Kliniken einen Management-Leitfaden schreibt, dann verspricht dies spannende Einblicke. Um es vorwegzunehmen: Das Buch hält, was es verspricht. Es ist nicht nur das erste Werk, das speziell das Management psychiatrischer Kliniken in der aktuellen Aufbruchphase auf dem Weg zum neuen Entgeltsystem beschreibt. Es bietet v.a. einen bunten Blumenstrauß reflektierter und richtungsweisender Informationen in zahlreichen Themen wie Organisation, Strategie, Controlling, Risikomanagement über die Patientenperspektive, Vernetzungs- und Wachstumsstrategien, Markenbildung, Krisenkommunikation, Qualitätspolitik bis hin zur Prozessorganisation, zu Personal und zu Führung. Die Themen sind kurz und präzise auf den Punkt gebracht, so dass nicht erst ein 1.065-Seiten-Werk wie das Standardwerk von Wöhe in der 24. Auflage entstanden ist, sondern das Wichtigste prägnant und fließend auf 154 Seiten wiederzufinden ist. So liest sich das Buch auch in keiner Weise lexikografisch. Zusammenfassungen am Ende der einzelnen Themenfelder ermöglichen einen sofortigen kurzen Überblick. Persönliche Haltungen und Reflexionen des Autors geben dem Buch die richtige Würze.

Sicherlich sind einige Anschauungen kontrovers zu diskutieren. Aber genau das macht das Buch ja auch so spannend. Wenn Belling etwa behauptet, es gäbe in Deutschland mit Ausnahme der Charité keine Klinikmarken, dann trifft das wohl nur zu, wenn man vom internationalen Gesundheitsmarkt ausgeht. Wenn der Markt klein genug definiert ist, etwa auf das Marktgebiet Hessens, dann kann u.E. auch ein lokaler Klinikträger wie Vitos durchaus bereits wenige Jahre nach der Markeneinführung bereits eine feste Marke sein… Ein Schelm, wer hier ein Spiel mit Understatement vermutet. Anders als bei Produkten wie Porsche, Coca Cola etc. prägen im Dienstleistungssektor Menschen mit ihrer Fähigkeit, Kunden zu berühren und bei ihnen Wirkung zu hinterlassen, das Markenimage. Dazu zählen alle Leistungsträger am Patienten, besonders auch der Chefarzt. Belling ist der Meinung, eine Marke dürfte nicht auf einer Einzelperson („der Chefarzt als Marke“) aufbauen, da sonst die Nachhaltigkeit der Klinik nicht sichergestellt ist. Wir sagen: doch. Denn im Dienstleistungssektor entsteht wahre Kundenbegeisterung auf der Mensch-zu-Mensch-Ebene. Natürlich ist es ein Risiko auf einzelne Menschen zu setzen, die auf dem Weg abspringen könnten. Aber es ist eben nicht nur ein Risiko, sondern auch eine außergewöhnliche Chance.

In dem Buch darf eine Auseinandersetzung mit der historischen, der gegenwärtigen und der künftigen Marktentwicklung und den leistungsorientierten Entgelten in Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) nicht fehlen. Und sie fehlt auch nicht. Vielmehr ist sie sorgsam recherchiert und führt die wachsende Bedeutung der psychiatrischen Versorgung plastisch vor Augen. Das Motto mit dem das Buch im ersten Satz startet „Mehr Pep(p) in der Psychiatrie!“ kennzeichnet nicht zuletzt den roten Denkfaden durch das Werk. Eine durch den Gesetzgeber induzierte Veränderungswelle ist in Gang gesetzt, an der sich die weitere Organisationsentwicklung der Psychiatrien ausrichtet. Inden sie sich systematisch auf das Erzielen von Ergebnissen konzentriert. In Zeiten der Veränderung kommt der Führung eine besondere Aufgabe zu.

Vernetzung und eine patientenzentrierte Prozessorganisation sind spannende Aufgaben der Psychiatrie in den nächsten Jahren. Das Buch macht Lust, die anstehenden Chancen am Schopf zu packen – ohne die Risiken zu ignorieren. Sicherlich wird der Wandel eine Konzentration der Kräfte erfordern. Deshalb unsere Empfehlung: nehmen Sie das Buch in die Hand, wenn Sie die Herausforderung in die Hand nehmen wollen.

 

 

Reinhard Belling: Management psychiatrischer Kliniken. Kohlhammer. 1. Auflage 2012.

 

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Unsere Buchtipps.

Um zu Nachdenken und Weiterentwicklung zu inspirieren.

Sich immer wieder fort- und weiterzubilden ist v. a. für Kopfarbeiter wichtig. Zum einen wird in der vernetzten Welt Wissen in z.T. höchster Qualität virtuell geteilt. Offen im Web. Es kann so in kürzester Zeit in neuen Kontexten neu verknüpft werden. Dazu leisten auch wir bewusst einen Beitrag. Zum anderen wird die Kommunikation von Mensch zu Mensch zentraler. Das gibt dem Menschen die Würde. Und nur so lässt sich Wissen in die Umsetzung bringen. Dies unterstützen wir aktiv in Coachings und Trainings.

Führungskräfte sind für die Weiterentwicklung von Teams verantwortlich. Gerade Führungskräfte leben daher von Distanznahme und Reflexion. Um immer neue Anregungen und Impulse zu gewinnen, ist ein ganz schöner Weg: Von Zeit zu Zeit ein Buch in die Hand nehmen. Wir schätzen Bücher hoch. Für einen oft sehr geringen Stückpreis erhalten Leser die über oft lange Jahre entfalteten Gedanken von Autoren zu einem Thema. Das kann ein wertvolles Geschenk sein. Das ist sehr wert zu schätzen. Und wir sind sicher, dass gerade auch unsere Seminarteilnehmer profitieren, wenn Sie ein Buch zur weiteren Vertiefung eines Gedankens zur Hand nehmen. So haben wir es uns zur Regel gemacht, regelmäßig auf unseren Seiten interessante Bücher vorzustellen und zu rezensieren. Lassen Sie sich auch von den Buchtipps inspirieren.

Lesen kann zum Gewinn für die persönliche Entwicklung werden. Manchmal genügt schon ein schnelles Drüberlesen, um sich neue Anregungen zu holen. Für Verstehen braucht es meist aber eine tiefere Auseinandersetzung mit den Texten. Das entspricht ganz praktisch dem Kern wissenschaftlichen Arbeitens. Von wem sind die Texte in welchem Kontext erstellt? Welche Lehren will der Autor/ die Autorin vermitteln? Welche Orientierung in der komplexen Welt will er/sie geben? Also welches Denkmodell steckt dahinter? Dabei gibt es auch viele Irrlehren. Irrlehren verstricken sich in Widerspruch zu sich selbst. Und so bieten auch solche Bücher im Zweifel zumindest ein gutes Trainingsfeld für einen wachen Geist.

Was ist als das Ziel des Autors zu erkennen? Welche Bewertung von "gut" und von "schlecht" ist damit verknüpft? Gutes denken, Gutes tun, Gutes bewirken? Was ist der Maßstab?  Das ergründet sich nicht einfach so. Je freier der Kopf beim Lesen ist, umso leichter fällt es, sich auf neues Denken einzulassen. Und umso leichter können daraus weitere Gedanken gedeihen. Davon hängt Verstehen ab. Vorgefasste Meinungen, ererbte und erworbene Ideen sind nicht einfach abzulegen. Dazu bedarf es Bereitschaft. Die ich ggf. nicht jedem Autor mehr entgegenbringen mag. Doch wenn sich der Leser bewusst auf Neues einlässt, wird sich sein Blickfeld weiten. Dazu braucht es Ruhe und ungestörte Zeit beim Lesen.

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