# 7. Raus aus der Entscheidungsklemme

Lernen vom Wocheneinkauf: Wie können bewusste klare Entscheidungsregeln im Alltag helfen? Nach dem Motto: Je weniger Optionen, desto weniger Stress...

 

Wieder Samstag. Wieder ist der Kühlschrank leer und für die Woche zu füllen. Finden Sie wöchentliche Großeinkäufe auch stressig? Eine Stunde lang im Supermarkt den Einkaufswagen füllen? Da können mir andere noch so oft sagen, das sei nicht schlimm. Mich stresst allein schon der Gedanke. So ein Einkauf bedeutet ja nicht, entspannt zu bummeln. Wenn ich samstags unterwegs bin, ist keine Zeit für Muße. Im Gegenteil. Es sind Duzende von Entscheidungen zu fällen: die Milch von Landliebe, Bärenmarke oder doch die von Schwälbchen im Angebot? Der Joghurt mit der Ecke, den supersahnigen oder den mit Biosiegel? Entscheidungen über Entscheidungen. Die Werbespots aus dem Fernsehen laufen parallel im Kopf. Mehrere Wahlmöglichkeiten – und sogar richtig gute – erschöpfen. Da helfen nur Routine-Handgriffe in die Regale. Am Ende bringe ich den Einkauf als Pflichtprogramm zu Ende. Und habe mir bewiesen: „einfache“ Wocheneinkäufe können unglaublich anstrengend sein.

Was bedeutet das für uns Führungskräfte, wenn wir erfolgreich Veränderungen herbeiführen wollen? Vielleicht wollen Sie z.B. eine verbindliche Vereinbarung zur Visite durchsetzen. Ihre Mitarbeiter aber sind davon tagtäglich gestresst. Weil z.B. neben der Visite das Telefon klingelt und Patienten ad hoc zu Untersuchungen abgerufen werden. Weil der Transportdienst zwei Stunden verspätet eintrifft und just in die Visite reinplatzt. Gleichzeitig kann die Visite nicht pünktlich starten, weil der Stationsarzt noch nicht mit der Durchsicht der Entlassbriefe fertig ist. Jede Störung fordert von dem betroffenen Mitarbeiter erneut eine Entscheidung: wie will er sich dazu positionieren? Auf der einen Seite steht die neue Vereinbarung. Auf der anderen Seite muss auch die Alltagsstörung souverän bewältigt werden. Je nachdem, mit welchem Chef er spricht, überwiegt die eine oder andere Erwartung.

Der Mitarbeiter erlebt den gleichen Stress wie ich beim samstäglichen Großeinkauf: Eine Entscheidung nach der anderen. Dauernd muss er Entscheidungen treffen. Und am Ende kostet die Veränderung enorm viel Kraft. Irgendwann wird Ihr Mitarbeiter den Wandel wahrscheinlich in Frage stellen. Denn der Status quo gibt eben ein Gefühl der Beständigkeit, spart Energie. Fühlt sich vertraut an. Und wenn ich zurückkehre zur Gewohnheit, klar, dann muss ich mir keine Gedanken um die Alternativen machen. Dann muss ich keine Wahl treffen. Dann bin ich weniger angestrengt. Die Aufgabe als Führungskraft ist es jetzt, klare Verhaltenswegweiser zu geben. Deutlich zu machen: Wo müssen wir wozu hin? Und welche einzelnen Schritte gehen wir, um das zu erreichen? Um es uns im Alltag leicht zu machen, sich in die neue Richtung zu bewegen. Dazu braucht es kristallklare Richtlinien, eindeutige Prioritäten, festgelegte Schritte. Mit solchen Regeln fallen die nötigen Entscheidungen leichter. Sind für den Mitarbeiter erstaunlich wenig ermüdend.

Ich werde es spielerischer anzugehen. Es mir im Supermarkt leichter machen. Wie wird es mir gehen, wenn ich mir klare Einkaufsregeln setze? Z.B.: Bei mehreren Alternativen kaufe ich das Produkt mit dem wenigsten Verpackungsmüll, mit dem wenigsten Zucker, das am stärksten preisreduzierte etc. Je weniger Optionen, desto weniger Stress. Am Ende des Tages ist es doch nur ein Einkauf...

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