# 5. Wahrheit, Klarheit, Transparenz

Lernen vom Zeltplatz: Reden Sie mit den Menschen. Nehmen Sie sie mit ihren Bedürfnissen ernst. Dann werden sie am Ende zu Ihren Wünschen beitragen wollen. Gerne und aus Überzeugung.

 

Zelten gehen. Für einen Bekannten ist es sein schönste Hobby. Er erzählte folgende Geschichte: Als Jugendlicher ging er mit einer Freizeitgruppe zum Campen. Der Leiter stellte zu Beginn eine Regel auf. Nämlich, dass die Jungs auf gar keinen Fall in den Wald pinkeln durften. Sondern immer die Toiletten benutzen sollten. Diese allerdings lagen 500 Meter von den Zelten entfernt. Nicht gerade nah, wenn's mal dringend wurde. Und außerdem … das merkt doch niemand..! ;-)

Der Bekannte und seine Freunde ignorierten die Regel also. Viel zu umständlich schien sie ihnen. Bis … ja, bis der Leiter dann einmal mit ihnen zu dem Brunnen ging, aus der die Gruppe ihr Trinkwasser holte. Und erklärte, dass alle Feuchtigkeit aus dem Wald ins Grundwasser sickerte. Und dann zum Trinken verwendet wurde. Sie können sich sicher vorstellen: von diesem Tag an gingen die Jungs brav zu den Toiletten. Warum? Ja… Weil sie die Regel verstanden hatten! Weil ihnen klar wurde, dass die Vorschrift zu ihrem eigenen Besten war.

Manchmal geht es auch im Krankenhaus genau darum. Anderen verständlich zu machen, warum gewisse Dinge notwendig sind. Denken Sie an die Entlasszeiten. Um Abläufe zu optimieren, ist eine Check-Out-Time wie im Hotel wichtig. Sie schafft z.B. die Planungsbasis für das Bettenmanagement. Sie erleichtert allen Berufsgruppen auf Station das Arbeiten. Dem Patienten und seinen Angehörigen ist die Entlass-Uhrzeit allerdings noch fremd. Bis 9 Uhr das Zimmer räumen? Das leuchtet vielen nicht ein. Seien es die Angehörigen, denen das Abholen am Nachmittag besser in den Tag passt. Oder das Mittagessen, das der Patient gerne noch zu sich nehmen möchte. In einem solchen Fall ist es wichtig, für alle Transparenz zu schaffen. Angefangen beim Chefarzt. Über die Pflege. Bis hin zum Patienten, der mit seinen Angehörigen spricht. Lassen Sie es gar nicht erst zu einem Konflikt kommen. Sondern machen Sie auf jeder Ebene deutlich: alle profitieren vom Paradigmenwechsel. Am meisten der Patient selbst. Denn dadurch verringern sich die Wartezeiten bei der Entlassung und bei der Aufnahme. Und der Patient kann enger in den Behandlungsprozess eingebunden werden. Meistens ist das ja genau sein Wunsch. Er möchte verstehen. Wenn er das tut, ist er sicher bereit, seinen Teil für den reibungslosen Ablauf beizutragen.

Schaffen Sie Klarheit! Leben Sie Transparenz! Möglicherweise ist das der Anfang einer neuen Qualität im Verhältnis zwischen Arzt, Pflege und Patient… Die Jungs beim Zelten sind am Ende gerne den Weg zu den Toiletten gegangen. Weil mit ihnen geredet wurde. Reden Sie mit Ihren Patienten! Nehmen Sie sie ernst als Menschen mit Bedürfnissen, als Gegenüber, als Partner. Dann werden sie am Ende morgens um 9 ihre Zimmer räumen. Und das gerne und aus Überzeugung.

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