Wunderfrage & Co. - Steve de Shazer Fragetechniken.

Wunderfrage, Ausnahmefrage-, Verschlimmerungsfrage & Co. Die Werkzeugkiste lösungsorientierter Fragetechniken nach Steve de Shazer kann Blockaden lösen.

 

Wunderfrage & Co. - Steve de Shazer Fragetechniken.

Mit der lösungsorientierten Kurzzeittherapie hat der amerikanische Psychotherapeut Steve de Shazer  (1940-2004) zusammen mit seiner Frau Kim Berg einen mächtigen Werkzeugkoffer von Fragen entwickelt. Die lösungsorientierten Fragen sind mit etwas Übung auch gut im Führungsalltag einsetzbar. In der Personalentwicklung, der Konfliktlösung, strategischen Problemlösungen u.v.m.

Eine stark auf Probleme hin orientierte Kommunikation - ohne einen Fokus auf Lösungen - bremst jede Veränderung aus. In scheinbar endlosen Schleifen werden Probleme und ihre Symptome von allen Seiten beleuchtet und diskutiert. Solange bis die Beteiligten in eine Art Problemhypnose fallen. Diese ist fast körperlich zu spüren. Man wird von der Last der Probleme in den Stuhl gedrückt. Angesichts der Problemfülle entsteht ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Spätestens an dem Punkt ist es Zeit für ein bißchen vom Zauber der lösungsorientierten Fragen...

In seinem Ansatz folgt Steve de Shazer der Annahme, dass es hilfreicher ist, sich auf Wünsche, Ziele, Ressourcen und Ausnahmen zu konzentrieren. Anstatt auf das Problem und seine Entstehung. So hat er viele Menschen „geheilt“, ohne jemals über ihr Problem gesprochen zu haben. Er umschreibt dies mit einer Metapher: Wenn ich in einem Hochhaus bin und es brennt, hilft es relativ wenig, wenn ich frage: "Wie ist der Brand entstanden?" Und relativ viel, wenn ich frage: "Wo ist der Notausgang?“.  

 

Die Wunderfrage

In der Umsetzung nutzte Steve de Shazer dazu seine Wunderfrage:
"Jetzt habe ich noch eine etwas ungewöhnliche Frage: Stellen Sie sich vor, unsere Sitzung wäre zu Ende und Sie fahren nach Hause. Sie verrichten noch die Dinge, die Sie heute verrichten wollen. Irgendwann werden Sie zu Abend essen und ins Bett gehen. Sie gehen in Ihr Schlafzimmer, legen sich in Ihr Bett und schlafen ein. Während Sie schlafen, geschieht ein Wunder. Am nächsten Morgen wachen Sie auf und Sie wissen nicht, dass das Wunder geschehen ist. Das Wunder besteht darin, dass es das Problem, wegen dem Sie hier sind, nicht mehr gibt. Woran würde Sie es als erstes merken, dass das Problem verschwunden ist?"

Wie lässt sich die Wunderfrage praktisch nutzen? Zu Beginn eines Projektes z. B.: „Stellen Sie sich vor, wir hätten das Projekt gemeinsam durchgeführt. Wir hätten jetzt schon einige Wochen zusammen gearbeitet, wären am Ende des Projektes angekommen und Sie würden sagen, es war richtig gut. Woran würden Sie merken, dass es gut war, das Projekt durchzuführen? Was wäre dann anders?".

Bei den Antworten auf diese Frage, gilt es, genau hin zu hören und zu präzisieren, damit kräftige Bilder entstehen.

  • So ist z.B. eine Pauschalierung wie „Dann wäre ich glücklicher" weiter zu hinterfragen. Woran würden Sie das merken? Was würden Sie dann konkret anders machen?
  • Ebenso sind  negative Formulierung wie z.B. „Dann hätten wir nicht mehr so viel Stress" zu hinterfragen. Was hätten Sie stattdessen? Woran würden Sie das merken (Raum, Zeit, Beziehung)?
  • Den Fokus  bei den handelnden Person halten: „Dann würde die Abteilung xy besser mitarbeiten.“ Auf welches Verhalten/ Veränderung von uns würde das zurück gehen?

Die Ausnahmefrage

In Ergänzung zur Wunderfrage nutzte Steve de Shazer die Ausnahmefrage, um Ressourcen zu mobilisieren: „Wann in letzter Zeit war es schon mal ein bisschen so wie nach dem Wunder?“ Und in der Folge: „Was waren damals die Bedingungen, dass es anders sein konnte? Nach dem  „Lösungszustand“ wird dann auch in der letzten Zeit gesucht: "Wann war es in letzter Zeit schon so oder fast so und was war Ihr Beitrag dazu, dass es so sein konnte?" Wir gehen also von der Zukunft in die Vergangenheit. Suchen dort die dafür nötigen Bedingungen bzw. das, was die handelnden Personen dazu beigetragen haben. Damit mobilisieren wir die schon vorhandenen Ressourcen und identifizieren zugleich Schlüsselfaktoren für die Veränderung. In der Gegenwart nehmen wir dann wahr, dass die nötigen Ressourcen bereits vorhanden sind.

Die Verschlimmerungsfrage

Die Frage nach Verschlimmerung ist eine paradoxe Intervention. Sie zielt darauf ab, den eigenen Einfluss auf ein Problem zu erkennen und den Befragten von einer passiven Opfer- in eine aktive Täterrolle zu bringen. "Was könnten Sie beitragen, damit es noch schlimmer wird?" Wenn ich meinen negativen Einfluss wahrnehme ist auch der Schritt zu einem positiven Einfluss und zur Problemlösung nur noch halb so weit.

Die Skalierungsfrage

Ein weiteres Instrument, um die Problemhypnose zu durchbrechen sind Skalierungen. Sie haben den Vorteil, dass sie Zwischenräume erzeugen. So relativiert die Frage, „Auf einer Skala von 0 bis 10, wobei 0 ‘ganz schrecklich und nicht auszuhalten bedeutet und 10 für ‘super gut und nicht besser zu machen‘ steht: Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?“. Über diese Bewertung zeigt sich, dass die Situation oft gar nicht so schlimm wie eine 0 ist. Die Bewertung anhand der Skala relativiert oft das Gesagte. Legt der Mitarbeiter sich z. B. auf eine 5 fest,  kann eine Folgefrage lauten, „Was müssen wir tun, um zu einer 5,5 zu gelangen?“. Damit lädt man ihn zum Nachdenken ein und eröffnet den Raum für  kleine Schritte der Verbesserung.  

Die hypothetische Frage

Hypothetische Fragen helfen, Raum für Optionen zu schaffen und den Mitarbeitern ein Gefühl von Gestaltbarkeit zu vermitteln. Dabei ist es wichtig, dass diese Fragen Prozesse in Gang bringen sollen und es weniger darum geht, die geschaffenen Optionen auch tatsächlich zu verwirklichen. Hypothetische Fragen sind im Konjunktiv formuliert. Am besten beginnen Sie mit „Angenommen Sie/ wir würden...“. Es wird etwas hypothetisch angeboten und dann hinterfragt, was sich dadurch ändern würde. Also, „angenommen Sie würden xyz machen – würde das für Sie etwas ändern und wenn ja, was genau würde sich ändern?“. Auf diese Weise lassen sich verschiedene Szenarien durchspielen und man kann die Resonanz darauf prüfen. Gerade in Situationen, in denen Menschen das Gefühl haben, sie können doch nichts ändern oder bewegen, schaffen hypothetische Fragen einen optionalen Raum  und eine Atmosphäre von Einfluss und Selbstwirksamkeit – eine der Voraussetzungen für Zufriedenheit.

 

Je besser die Fragen eingeübt sind, umso wirksamer können Sie situativ eingesetzt werden. Prüfen Sie für sich selbst, wie oft Sie und Ihr Team im Alltag der Problemhypnose erliegen und experimentieren Sie mutig mit dem Zauber der lösungsorientierten Fragen. Das systemische Handwerkszeug ist bestens für einen coachenden Führungsstil geeignet. Viel Spaß beim Üben und Wahrnehmen der Veränderungen!

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.