Wenn Kommunikation den Frieden stärkt.

Restaurative Dialoques - Kommunikation kann eine heilende Kraft entfalten und Verbindung von Mensch zu Mensch schaffen. Sie kann guter Samen für wahrhaftigen Frieden sein.

 

Kommunikation hat viele Gesichter: Vom Spalten und Versöhnen

Sie kann polarisieren, spalten und verletzen – anhand der Rhetorik von Donald Trump lässt sich das aktuell leider sehr gut beobachten. Kommunikation kann aber auch heilende Kraft entfalten und Verbindung von Mensch zu Mensch schaffen. Sie kann guter Samen für wahrhaftigen Frieden sein. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür dokumentiert der Film „Raamro Aakha Ma - In den Augen des Guten“ (hier können Sie den ganzen 55-Minuten-Film mit deutschen Untertiteln anschauen: https://www.ziviler-friedensdienst.org/de/publikation/raamro-aakha-ma-eyes-good – oder sich über einen Auszug wie z.B. Minute 25-32, einen tiefen Eindruck verschaffen)

Der Dokumentarfilm erzählt, von der Aufarbeitung der Leidensgeschichte Nepals nach dem zehnjährigen bewaffneten Konflikt und vom Schmerz der Betroffenen. Er begleitet ehemalige maoistische Kämpfer, Konfliktopfer und Regierungsvertreter, die sich mit einem siebentägigen restaurativen Dialog nach den Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) auf den Weg zu Versöhnung begaben.

Nepal, der von Indien und China umschlossene Binnenstaat, wurde bis 1990 als absolute, dann als konstitutionelle Monarchie regiert. Im Jahr 1996 begann die Maoistische Kommunistische Partei Nepals einen Bürgerkrieg gegen die Regierung, angetrieben von dem Wunsch auf ein besseres Leben für die Bevölkerung. Der gewaltsame Konflikt, der zehn Jahre andauern sollte, kostete 13.000 Menschen das Leben. Mehr als 100.000 Menschen wurden Opfer von Gewalt durch Sicherheitskräfte der Regierung oder durch die maoistische People’s Liberation Army (PLA). Ein Friedensabkommen sollte 2006 nachhaltigen Frieden schaffen. Doch die die Aufarbeitung der Vergangenheit bleibt schwierig. Um die von beiden Seiten während des bewaffneten Konflikts verübten Verletzungen der Menschenrechte anzugehen, beschloss die Politik, eine Wahrheits- und Versöhnungs- sowie Untersuchungskommission nach Vorbild des von Nelson Mandela 1996 in Südafrika eingesetzten Konzepts einzurichten. Restaurative Circles wurden davor in 2014 durchgeführt, um diesen Prozess in Nepal zu unterstützen und GFK und den Wiederherstellungsdialog als Instrument für Heilung, Versöhnung und Gerechtigkeit zunächst zu schulen.[*]

Uns hat die Dokumentation zum restaurativen Dialog und der von ihm ausgelösten Veränderungen sehr berührt. Sie zeigt das mächtige Potenzial, das dem Prozess innewohnt, wenn Menschen sich mit Ihren Verletzungen und Bedürfnissen verstanden fühlen. Wenn sie beginnen, sich gegenseitig mit ihrer ganzen Empathie zuzuhören. Durch den transportierten Respekt kann wieder neues Vertrauen entstehen, das alleine eine menschliche Verbindung zwischen Opfern und Tätern und damit Versöhnung und Vergebung ermöglicht.

Selbst mit einer Person, deren Verhalten wir zutiefst ablehnen, können wir ebenso tiefes Mitgefühl entwickeln, sobald wir die Bedürfnisse sehen, die sie sich mit der Handlung erfüllen wollte. Auf dieser Basis entwickelt sich Verständnis füreinander, das Begegnung möglich macht. Der Film zeigt, wie dieser Prozess von statten geht und welche Veränderung, die Teilnehmer dadurch erleben. Und er lädt nicht zuletzt dazu ein, selbst achtsam und empathisch im eigenen Alltag den Bedürfnissen der Anderen zu lauschen und auf die positive Wirkung zu vertrauen.

Dem Schlusswort des Filmes können wir uns nur anschließen: Es ist schön, zu sehen, welche Möglichkeiten die transformative Kraft eines echten Dialogs zwischen Menschen bereit hält, um die Welt ein kleines Stück weit mehr zu einem Ort zu machen, an dem hoffentlich alle gerne leben möchten.

 

 

 

* Die Wahrheits- und Versöhnungskommission wurde von Nelson Mandela nach Überwindung der Apartheid in Südafrika eingesetzt, um gewaltfrei die politisch motivierten Verbrechen während der Zeit der Apartheid zwischen Opfern und Tätern gemeinsam aufzuarbeiten. In Südafrika gelten sie als erfolgreich in anderen nachahmenden Ländern weniger. Insgesamt wird der landesspezifische Ansatz von Ruanda um mit den gesellschaftlichen Traumata nach dem Genozid von 1994 umzugehen, als wirksamster angesehen (Gacaca-Justiz mit fast 1.000 Todesurteilen anstelle der von Mandela zugesagten Straffreiheit der Täter).

 

 

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.