Weick, Karl E. | Sutcliffe, Kathleen M. (1. Aufl. 2010)

Das Unerwartete managen. Wie Unternehmen aus Extremsituationen lernen können. Schäffer-Poeschel Verlag.

Das Buch von Karl Weick und Kathleen Sutcliffe beruht auf einer Analyse von selbst gesammelten Daten. Diese hatten sie erhoben, um die Frage zu beleuchten, wie Menschen und Organisationen in Umgebungen mit exorbitant hohem Potenzial für Fehler und Katastrophen für Spitzenleistungen sorgen. Das sind etwa atombetriebene Flugzeugträger, Flugsicherungssysteme, Flugoperationen, Verhandlungsteams bei Geiselnahmen, Atomkraftwerke oder Feuerwehreinheiten, aber auch medizinische Notfallteams. All diesen Organisationen ist gemeinsam, dass sie unbedingt zuverlässig funktionieren müssen, denn jeder Mangel an Zuverlässigkeit kann fatale Folgen haben.

Die beiden Autoren beschreiben ihr Buch selbst wie folgt: Das Buch handelt von Experten für flexible Spitzenleistungen und davon, wie es ihnen gelingt, betriebliche Abläufe trotz wiederholter Unterbrechungen im Griff zu behalten.* Für die Autoren liegt die Quintessenz des Erfolges dieser Unternehmen darin, dass sie Formen besonderer Achtsamkeit entwickeln und damit das Geschehen im Auge behalten.

Im 1. Kapitel zeigen die Autoren, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit eine Organisation mit hoher Zuverlässigkeit arbeiten kann. Das 2. Kapitel trägt den Titel „Erwartungen und Achtsamkeit“ und setzt sich damit auseinander, wie Erwartungen mit Rollen, Routinen und Strategien zusammenhängen und welche „blinden Flecken“ sie in unserer Wahrnehmung erzeugen. Um den „blinden Flecken“ zu begegnen, braucht es ein geschärftes Bewusstsein.Erfolgreich sind demnach Organisationen, die eine von Achtsamkeit geprägte Organisation aufbauen, in der man stetig

  1. kleinere Fehler und Störungen aufspürt,
  2. groben Vereinfachungen widersteht,
  3. sensibel für betriebliche Abläufe bleibt,
  4. flexibel zu reagieren vermag,
  5. und die Orte des jeweils größten Sachverstandes nutzt.

Diese fünf Prinzipien unterteilen die Autoren dann in zwei Gruppen. Zum einen in  die Prinzipien der Antizipation (Aufmerksamkeit für Fehler, grobe Vereinfachungen und betriebliche Abläufe). Zum anderen in die Prinzipien der Eindämmung (Streben nach Flexibilität, fachliches Wissen und Können).

Im weiteren Verlauf werfen die Autoren einen genaueren Blick auf diese fünf Prinzipien. Während die Prinzipien der Antizipation darauf ausgerichtet sind, unerwartete Ereignisse und Störungen zu verhindern, sind die Prinzipien der Eindämmung darauf ausgerichtet, im Ernstfall die Auswirkungen von unerwarteten Ereignissen und Störungen zu mindern.

In den letzten drei Kapiteln zeigen die Autoren, wie das theoretische Wissen der ersten Kapitel in die Praxis übertragen und das eigene Unternehmen nach den dargestellten Grundsätzen gestaltet werden kann. Dazu starten sie mit einem Selbsttest, bestehend aus 9 Teilen, um die eigene Organisation einzuschätzen. Dann zeigen die Autoren auf, wie die Prinzipien der Achtsamkeit in der Kultur verankert und ein achtsames Management etabliert werden kann.

Mit den anschaulichen Fallbeispielen, gerade auch aus der Spitzenmedizin, mit den dargestellten Werkzeugen, mit dem Selbsttest und mit dem Aktionsprogramm für eine Kultur der Achtsamkeit ist „Das Unerwartete managen“ ein spannendes Buch gerade für Führungskräfte in Kliniken. Es gibt echte Denkanstöße, neu auf bestehende Strukturen zu blicken.

 

Weick, Karl E. | Sutcliffe, Kathleen M. : Das Unerwartete Managen. Wie Unternehmen aus Extremsituationen lernen können. Schäffer-Poeschel Verlag, 2010.

 

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Unsere Buchtipps.

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Führungskräfte sind für die Weiterentwicklung von Teams verantwortlich. Gerade Führungskräfte leben daher von Distanznahme und Reflexion. Um immer neue Anregungen und Impulse zu gewinnen, ist ein ganz schöner Weg: Von Zeit zu Zeit ein Buch in die Hand nehmen. Wir schätzen Bücher hoch. Für einen oft sehr geringen Stückpreis erhalten Leser die über oft lange Jahre entfalteten Gedanken von Autoren zu einem Thema. Das kann ein wertvolles Geschenk sein. Das ist sehr wert zu schätzen. Und wir sind sicher, dass gerade auch unsere Seminarteilnehmer profitieren, wenn Sie ein Buch zur weiteren Vertiefung eines Gedankens zur Hand nehmen. So haben wir es uns zur Regel gemacht, regelmäßig auf unseren Seiten interessante Bücher vorzustellen und zu rezensieren. Lassen Sie sich auch von den Buchtipps inspirieren.

Lesen kann zum Gewinn für die persönliche Entwicklung werden. Manchmal genügt schon ein schnelles Drüberlesen, um sich neue Anregungen zu holen. Für Verstehen braucht es meist aber eine tiefere Auseinandersetzung mit den Texten. Das entspricht ganz praktisch dem Kern wissenschaftlichen Arbeitens. Von wem sind die Texte in welchem Kontext erstellt? Welche Lehren will der Autor/ die Autorin vermitteln? Welche Orientierung in der komplexen Welt will er/sie geben? Also welches Denkmodell steckt dahinter? Dabei gibt es auch viele Irrlehren. Irrlehren verstricken sich in Widerspruch zu sich selbst. Und so bieten auch solche Bücher im Zweifel zumindest ein gutes Trainingsfeld für einen wachen Geist.

Was ist als das Ziel des Autors zu erkennen? Welche Bewertung von "gut" und von "schlecht" ist damit verknüpft? Gutes denken, Gutes tun, Gutes bewirken? Was ist der Maßstab?  Das ergründet sich nicht einfach so. Je freier der Kopf beim Lesen ist, umso leichter fällt es, sich auf neues Denken einzulassen. Und umso leichter können daraus weitere Gedanken gedeihen. Davon hängt Verstehen ab. Vorgefasste Meinungen, ererbte und erworbene Ideen sind nicht einfach abzulegen. Dazu bedarf es Bereitschaft. Die ich ggf. nicht jedem Autor mehr entgegenbringen mag. Doch wenn sich der Leser bewusst auf Neues einlässt, wird sich sein Blickfeld weiten. Dazu braucht es Ruhe und ungestörte Zeit beim Lesen.

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