Von der Rhetorik Donald Trump zu Gewaltfreie Kommunikation.

Gewaltfreie Kommunikation vs. Kampfrhetorik: Eine Sprache nutzen, die einen Unterschied in der Welt macht. Die verbindet und nicht polarisiert und spaltet.

 

Gerade heute brauchen wir eine Sprache, die einen positiven Unterschied in der Welt macht

Es ist kriegerische Rhetorik, Verrohung in der weltpolitischen Kommunikation, wörtliches Aufrüsten und Polarisieren und sprachlicher Machtmissbrauch, den wir derzeit gerade in den USA und andernorts verfolgen. Wohin führt uns die Kriegsrhetorik von Machtpolitikern wie Donald Trump & Co.? Sollten wir uns nicht mit zunehmender Reflexion und Bewusstheit vielmehr den Feinheiten der Sprache widmen und achtsam für den Einsatz von Sprache sein? Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine wunderbare Haltung und die mit ihr verbundene Kommunikationsmethode schafft unmittelbar Verbindung zwischen Menschen. Doch noch bevor ein Wort gesprochen ist, beginnt Kommunikation in der Inneren Haltung. Der Weg zur Haltung der Gewaltfreien Kommunikation beginnt mit der Überprüfung unserer Bilder und Metaphern. Welche Gedanken und Geschichten spiegeln unsere inneren Bilder, welches Wertesystem bringen sie zum Ausdruck?

In Krankenhäusern fällt zuweilen der Vergleich von der Station oder dem OP als Schlachtfeld. Plötzlich befinden wir uns an vorderster Front anstatt im Dialog mit dem Patienten und Kollegen. Das hat Wirkung auf das Team, auf die Arbeit und den Umgang miteinander. Im Dialog mit dem Patienten kann der Mitarbeiter empathisch mitschwingen, sich einlassen, offen sein für die Bedürfnisse des anderen. An der Front muss er sich schützen, sich in Acht nehmen, bereit sein zum Kampf. Mit dem Gebrauch von Metaphern und Vergleichen machen wir uns und anderen die Welt erklärbarer. Nur vergessen wir leicht, die Wirklichkeit zu beachten, die wir damit für andere erzeugen. In der Beratung, v. a. in der Veränderungsbegleitung, achten wir deshalb auf die Metaphern, hinterfragen ihre Bedeutsamkeit für das Team und ihren Wirklichkeitsgehalt. Gelingt es mit Metaphern, den anderen positiv zu bewegen?

 

Sprache zur Verflüssigung unserer Gedanken

Denn Sprache kann gleichermaßen sowohl Verletzung als auch Heilung, sowohl Bewegung als auch Stillstand, sowohl Aufbruch als auch Niedergang erzeugen. Kaum etwas verfestigt unser Denken so wie Sprache. Die Art, wie wir sprechen, zeugt von unserer inneren Realität. Achtsame Zuhörer können viel über unsere Denkwelt aus der Art der Worte, die wir wählen, herauslesen – auch jenseits der Inhalte. Vieles davon ist uns selbst nicht bewusst und durch Gewohnheit und Umfeld geprägt. Gerade Führungskräfte sollten sich der Trigger, die sie durch Sprache auslösen, bewusst werden. So beginnt die Gestaltung von Veränderung.

Die Sprache immer effektiver einzusetzen, ist etwas, was trainierbar ist. Grundvoraussetzung dafür ist stets das achtsame und aktive Zuhören – sich selbst und anderen. Eine Methode, die wir oft auch im Coaching anwenden, ist z.B. die gewaltfreie Verflüssigung von Aussagen und Problembeschreibungen*. Wir nutzen Sprache hier, um Probleme aus ihrer Erstarrung zu holen und damit ihre scheinbare Übermacht aufzulösen. Eine Methode, die gut in den Werkzeugkoffer für Führungskräfte passt.

Hier eine kleine Kostprobe:

Andere SeiteIch komme nicht weiter.
FührungskraftIm Augenblick scheint es noch so zu sein, dass es wenig in dem gewünschten Tempo vorangeht?

 

Wir verwenden Formulierungen, die es dem Gegenüber ermöglichen, die Stärke, die zeitliche Dauer und die Intensität eines Problems neu wahrzunehmen. Dazu nutzen wir hauptsächlich „verflüssigende“ Begriffe wie:

  • Noch nicht | Noch | Nicht ganz | Ein wenig 
  • In diesem Kontext | Zurzeit | Im Augenblick  
  • Bisher | Im Moment | In dieser Phase

Die Worte machen deutlich, dass das Problem keine absolute Macht hat und nur in einem gewissen Rahmen auftritt. Auch wenn das Problem dadurch noch nicht gelöst ist, wird es eingegrenzt. Es entsteht Entlastung über einen anderen Gebrauch von Sprache. Denn allein das Wort „noch“ signalisiert, dass die Zeiten des Problems endlich sind.

 

Die Wahl der Worte: Unlustworte vermeiden, um mehr Verbindung und Verbindlichkeit herzustellen

Es gibt viele Formulierungen, die wir verfeinern können, um weniger Unlust bei uns selbst und anderen zu erzeugen. Hier einige Anregungen zum Nachdenken und Ausprobieren von Veränderungsimpulsen:**

UnlustigAlternativeHintergrund
1. Das hast Du nicht schlecht gemacht.Das hat mir gut getan.Mit der Verneinen steht das "Schlechte" trotzdem im Raum - "gut" wirkt stärker.
2. Danke für die Nachfrage. Ich bin im Stress, wie immer!Danke für die Nachfrage. Ich habe gerade viel zu erledigen. Mit der Seins-Zuschreibung von Stress, wird eine (negative) Bewertung verfestigt. 
3. Ich freue mich für Sie.Ich freue mich mit Ihnen. Selbst Freude fühlen. Mitfreuen bedeutet doppelte Freude. 
4. Frau Franz ist ein schwieriger Fall. Frau Franz braucht meine erhöhte Aufmerksamkeit. Beides wirkt wie eine Bewertung. Der "schwierige Fall" ist kaum zu lösen. Die "erhöhte Aufmerksamkeit" zeigt menschliche Zuwendung und macht die Dinge einfacher. 
5. Aber... Und...Jedes "aber" ist ein Einwand, schafft Widerstände und Hindernisse. 
6. Man müsste endlich mal die Türklinke reparieren. Die Türklinke ist kaputt. Bringst Du sie bitte zur Reparatur. Vage, konjunktive Aussagen schieben eine Lösung in die Ferne. 
7. Eigentlich lese ich gerne.Ich lese gerne. Füllwörter schwächen die Aussage, wirken unentschlossen und unklar. 
8. Bei mir ist derzeit einiges im Umbruch. Heute werde ich in der Sitzung dieses Thema anschneidenBei mir ist vieles in Bewegung gekommen. Heute werde ich in der Sitzung dieses Thema ansprechen. Bei Bruch geht etwas kaputt. Schneiden zerstört.
Nur selten bedarf die Situation einer destruktiven Metapher. 
9. In dieser Angelegenheit werde ich mich durchsetzenDiese Angelegenheit werde ich regeln. Sich durchsetzen zu müssen, verharrt auf einem "Sitz"-Punkt. 
10. Ich nehme diese Aufgabe in AngriffIch beginne diese Aufgabe. Angriff ist ein kriegerisches Wort. Es ruft die Verteidigung auf den Plan. 

 

Gerade Machtpolitikern - bestes Beispiel stellt gerade Donald Trump dar - scheint oftmals bestenfalls die selbstkritische Reflexion abhanden zu kommen, die Wirkung ihrer Worte zu hinterfragen. Schlimmer noch, wenn sie Kampfrhetorik nutzen, um bewusst zu spalten. Fangen Sie bei sich selbst an und machen Sie es anders: Achten Sie immer wieder bewusst auf Ihre Sprache - Lieblingsfüllwörter, Verneinungen, Metaphern, wiederkehrende Sprachmuster, Bilder, etc. Undienliche Sprachangewohnheiten abzulegen, ist eine hohe Herausforderung. Nach einiger Zeit werden Sie jedoch feststellen, welche konstruktiven Veränderungen in der Kommunikation eintreten. Führung wird leichtflüssiger, Konflikte geringer, Ergebnisse werden nachhaltiger. Sie werde sicherlich über das Ergebnis erstaunt sein.

  


*siehe auch: Schmidt-Tanger, M.: Change Talk, Junfernmannsche Verlagsbuchhandlung, Paderborn 2005. 
**siehe auch: von Scheurl-Defersdorf, M.: Die Kraft der Sprache. 80 Karten für den alltäglichen Sprachgebrauch, Lingva-Eterna Verlag GmbH, 2015.

Zu weiteren Beiträgen
Aktuelles zu Management, Beratung, Coaching und Training in Krankenhäusern
Impulse der Ruhl Consulting AG zu aktuellen Themen rund um Management, Beratung, Coaching und Training in Krankenhäusern

 

 

Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.