Veränderung | Gewohnheit – der Sisyphus-Falle entgehen

Aus Gewohnheiten austreten, sich reflektieren, Neues probieren sind für die Entwicklung notwendig. Um bewusst zu leben und nicht wie Sisyphus festzuhängen.

 

Zeiten der Routine und Zeiten der Entwicklung

Rhythmuswechsel

Ein Wechsel im Rhythmus zwischen temporeicher Routine und entschleunigter Weiterentwicklung tut gut. Gut, um zu uns selbst zu kommen. Die Zeit des Jahreswechsels wird dazu besonders gerne als Zeit des Rückblicks, der Reflexion und zum Klarwerden über die eigenen Ziele im Leben genutzt.

Im Rückblick auf gute Vorsätze stellen wir aber manchmal eine mangelnde Selbstdisziplin fest. Tatsächlich standen der Umsetzung guter Vorsätze oft alte Gewohnheiten entgegen. Wir empfinden dann einen Mangel oder ein schlechtes Gewissen. Trotzdem bekommen wir es nicht hin, besser auf unsere Routinen zu achten.

Wechseln der Gewohnheiten

Dabei ist gerade das Auswechseln undienlicher Routinen wichtig, wenn es um das Verändern geht. Darum, neue Wege einzuschlagen. Wir brauchen andere Gewohnheiten, um andere Ergebnisse zu erreichen. Wenn wir bestimmte Verhaltens- und Denkmuster als hinderlich identifiziert haben und wissen, welche Gewohnheiten uns besser täten oder zumindest, welche wir loslassen wollen, dann ist ein erster wichtiger Schritt des Weges getan.

Viele Wege führen dabei nach Rom. Ein Ziel lässt sich auf vielen Wegen realisieren. Die Gewohnheit an sich bekommt ihre Bedeutung aus ihrem Ergebnis. Bis dahin, werden der Weg und die Freude am Tun selbst bedeutsam. Gewohnheiten geben Identität, Sie zeigen uns, was uns ausmacht. Problematisch wird es erst dann, wenn sie sich zum Selbstzweck verselbständigen. Wenn wir in den hinderlichen Gewohnheiten – die uns sicherlich in einer anderen Lebensphase einmal hilfreich waren – wie in einer Dauerschleife im Modus der Routine hängen bleiben. Es gilt also wach zu bleiben und in die Tiefe zu kommen. Wir Menschen wissen seit alters her, wie wir in die Tiefe des Lebens kommen: Wenn wir uns der Sterblichkeit bewusst sind. Den Tod vergegenwärtigen. Auf genau diesen Zusammenhang weist der alte Mythos von Sisyphus.

Dem Sisyphus Schicksal entgehen

Sisyphus ist von den Göttern bestraft worden. Weil er mit Arglist mehrfach den Tod außer Kraft gesetzt hat, um dem Sterben zu entgehen. Die Strafe der Götter ist extrem konsequent: tagein, tagaus ist er fortan zu einer immer gleichen, schweren Tätigkeit verdammt. Nämlich  dazu, einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Jedes Mal entgleitet ihm  der Fels kurz vor dem Gipfel und er muss von vorne starten. Eine Dauerschleife. Ohne Sicht auf ein Ende, ohne Sinn, ohne Ziel. Eine Aufgabe, die trotz aller Mühen nicht weiterbringt. Eine Sisyphusarbeit eben.

Alte Gewohnheiten sind sehr stark. Sie sparen uns Kraft und Energie, weil Sie keine bewusste Entscheidung fordern. Dinge laufen immer gleich. Insofern ist es einleuchtend, dass wir uns gerne Treiben lassen und unseren Gewohnheiten verfallen. Oft ohne uns dessen bewusst zu sein. Je mehr wir im Modus der Routine laufen, je mehr Raum Gewohnheiten einnehmen, umso mehr drohen wir, selbstverschuldet dem Sisyphus-Beispiel zu folgen. Unser Leben verflacht und verkommt zu einer Abfolge immer gleicher Stunden und Tage. Wir funktionieren. Aber wir leben nicht mehr bewusst. Wenn der Stress zunimmt, landen wir in einem Hamsterrad, das schneller und schneller dreht.

Um dem zu entgehen, braucht es den Rhythmuswechsel im Leben. Zeiten in denen wir die Gegenwart erleben und Zeiten der Reflexion und Distanznahme. Im Zusammenspiel ergeben sich immer neue Impulse, die uns zur weiteren Entwicklung anregen.

 

Die vier Kompetenzstufen des Lernens

Um unliebsame Gewohnheiten zu überwinden, sind nach dem Modell der Kompetenzstufen-Entwicklung eines Schülers von Abraham Maslow, dem Entwicklungspsychologen Noel Burch, die vier Stufen des Lernen zu durchlaufen:

  • Unbewusste Inkompetenz. Wir sind zufrieden und wissen nicht, was wir nicht wissen. Wir halten uns selbst für kompetent. Wenn wir unsere Defizite nicht erkennen, sehen wir keine Notwendigkeit und entwickeln keine Motivation, uns weiterzuentwickeln und lernen zu wollen.
  • Bewusste Inkompetenz. Wir erkennen nun einen Mangel und merken zugleich, dass uns die Fähigkeiten fehlen, die Lücke zu schließen. Die Phase wird von uns als unangenehm erfahren. Es entstehen Gedanken von Versagen. Gefühle von Frust, von Enttäuschung, Resignation, Ärger und Unzufriedenheit. Wir entscheiden uns deshalb, Kompetenzen zu erwerben und das Neue zu trainieren.
  • Bewusste Kompetenz. Wir haben durch Übung, Training und Wiederholung nun Kompetenz erlangt. Wenn wir bewusst darauf achten, gelingt die Umsetzung neuer „Gewohnheiten“. Wir brauchen zwar noch Konzentration und Anstrengung. Aber wenn wir wollen, klappt es.
  • Unbewusste Kompetenz. Das Neue ist unzählige Male wiederholt und trainiert worden, um die alte Gewohnheit zu überdecken. So ist es zu einer neuen Gewohnheit geworden. Wir denken kaum noch darüber nach. Es braucht nur wenig bis gar keine Aufmerksamkeit mehr. Es geschieht wie von allein, ganz unwillkürlich.


Muster im Denken und Verhalten und Grundhaltungen

Gerade wenn wir Dinge verändern wollen: Je eindeutiger wir die Verbindung des Weges (die Strategie, die Art und Weise des wie) mit dem Ziel empfinden, umso motivierter können wir uns darauf ausrichten. Das zumindest raten die Motivationspsychologen. Wenn wir z. B. etwas für unseren durchtrainierten Körper tun wollen, verabreden wir uns regelmäßig fest mit unserer Laufgruppe. Aber Achtung: Verhaltensmuster werden nicht einfach ausgetauscht. Sie bleiben im Routineprogramm vorhanden und können nur durch neue Muster überlagert werden. Wenn wir die alten Muster loswerden wollen, sind neue Muster des Verhaltens konsequent zu trainieren, um sie so stabil zu verankern. Es braucht viel Übung und eine viele Wiederholungen, bis sich neue Gewohnheiten im Unterbewusstsein verankern und alte Routinen überlagern.

Damit sind wir auf Ebene der Verhaltens. Wie aber können Denkmuster oder Grundhaltung verändern werden? Das geht in die Tiefe der Persönlichkeit, an die Werte oder Glaubenssätze. Wie lassen sich neue Denkweisen augenblicklich abrufen? Wie merke ich, dass ich auf dem Weg bin? Hier beginnt Mentaltraining.

Eine Möglichkeit ist es, einen schönen Spruch so im Zimmer aufzuhängen oder einen symbolischen Gegenstand so zu platzieren, dass er immer wieder vor den eigenen Augen ist. Ein anderes effektives Instrument ist der positive Tagesrückblick. Am besten verknüpft mit dem guten alten Tagebuchschreiben. So sorgen wir für die Umsetzung unserer Vorsätze.

Und irgendwann ist die Trainingszeit dann vorüber und die neuen Gewohnheit, neues Denken und Fühlen, sind in Fleisch und Blut übergegangen…. Der Mensch erlebt sich als selbstbestimmt, statt gegen sich und den inneren Schweinehund zu arbeiten...

 

Mehr zu den zwei Arbeitsmodi des Gehirns, den Routine- und den Lernmodus, finden Sie bei der Impulsgeschichte "Gewohnheit | Veränderung: Afrikanische Dörfer und Hühner."

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.