Stimmig in Verhalten und Kommunikation - Innere Haltung.

Um stimmig zu sein, geht es nicht nur um das Erheben der Stimme. Auch Verhalten und nonverbale Kommunikation spiegeln innere Stimmigkeit.

 

Stimmiges Verhalten - wesens- und situationsgerecht

Kleine Kinder verhalten sich komplett wesensgemäß. Gehen Sie mit einem Kleinkind im Supermarkt einkaufen und verweigern Sie ihm die ersehnten Gummibären, dann erleben Sie es ganz direkt. Situationsgerecht kann man den Wutausbruch mit "Ich will aber!", mit auf den Bodenwerfen, Fäuste trommeln, Geschrei und Tränen nun wahrlich nicht bezeichnen. Und welche Eltern bringen dann den Mut auf, sich - ganz wesensgerecht - daneben zu schmeißen und laut zu schreien, „Ich mag das auch nicht mehr“? Solange bis das Kind aufsteht, um dem seltsamen Verhalten des bis dato vernünftigen Erwachsenen ein Ende zu bereiten.  

Starke emotionale Regungen von Führungen sind ebenso wichtige Hinweise, dass etwas nicht stimmt. Z.B. etwas den eigenen Werten zuwider läuft. Aber Wahrnehmen sollte von impulsivem Reagieren getrennt werden. Einer Führung ist nicht zu raten, unbedingt authentisch zu reagieren.Gerade nicht unter Stress und auf emotionale Trigger hin. Nach einer Nacht sieht die Sache bewusst und nüchtern betrachtet oft schon ganz anders aus und reflektiertes Verhalten ist deutlich fruchtbarer. Oder wie es der Schöpfer des Peter-Prinzips, Laurence J. Peter, ausdrückte: "Sprich, wenn du wütend bist, und du wirst die beste Rede halten, die du jemals bereuen wirst."

So lernen nicht nur Führungen in ihrer Entwicklung, sich situativ anzupassen und verlernen dabei nicht selten den wesensgemäßen Zugang zu sich. V.a. in neuen Rollen, in denen es noch der Orientierung bedarf, wird zuerst der situationsgerechte Zugang gesucht. Gerade in den ersten Tagen als Führung gibt es bei vielen, die ihre Sache gut machen wollen, eine hektische Suche nach Rezepten und Anleitungen. Es folgen auf dem Pfad des Einzelgängers mehr oder weniger vergebliche Versuche, Orientierung für sich zu finden und Wissen aufzubauen. Die Situation wird nicht leichter durch die große Fülle an Anforderungen und Ratgebern: Mit visionärer Strahlkraft nach vorne schreiten, mit großen Ziele führen, bestimmt auftreten, die Mitarbeiter zum Blühen bringen, sie motivieren. Aber auch mal hart durchgreifen, wo nötig. Auf der einen Seite kollegial, der Kümmerer und der Coach, auf der anderen Seite klar der disziplinarisch Vorgesetzte sein. Situativ führen – was auch immer für Strategien sich dahinter verbergen – und bei all dem auf jeden Fall authentisch bleiben. Nicht zu vergessen: wirtschaftliche Erfolge, innovative Konzepte und Aufstellungen. Am Ende schwirrt der Kopf und es bleibt unklar, was denn nun richtig zu tun ist. Was eine gute Führung nun ausmacht. Für Mediziner mag das ganz getreu Ausspruch von Faust anmuten:

Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie!  Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. 
Da steh ich nun, ich armer Tor! 
Und bin so klug als wie zuvor; 
Heiße Magister, heiße Doktor gar, 
Und ziehe schon an die zehn Jahr,
Herauf, herab und quer und krumm 
Meine Schüler an der Nase herum.
Und sehe, dass wir nichts wissen können! 
Das will mir schier das Herz verbrennen.


(aus: Johann Wolfgang von Goethe - Faust 1)

 

In der Tat stellen Führungen und viele Seminare die falsche Frage nach dem „richtigen“ Verhalten. Entscheidend ist doch vielmehr die Frage nach einem „stimmigen“ Verhalten. Das ist wesensgemäß und situationsgerecht.1  Das eigentliche Lernfeld besteht darin, das situationsgerechte Verhalten dem Kern des eigenen Wesens anzupassen, um im Einklang mit sich selbst zu wirken.  

Das ist sicherlich zu Beginn der Karriere als Führung wichtig. Doch auch später immer wieder und ggf. bei Eintritten in neue Entwicklungsphasen. Gerade am Anfang des Weges kann die Begleitung durch Trainings, Coachings und Feedbacks von Mitarbeitern und Kollegen der neuen Führung viele langwierige Umwege ersparen. Um direkter in die eigene Wirksamkeit zu kommen. Wichtig ist es dann etwa, herauszufinden, wo die Grenzen der eigenen Komfortzonen liegen. Dann lässt sich prüfen, in welchen Situationen die eigene Steuerung noch nicht ausreicht. Wo es also Ergänzung braucht. In dem Mosaik aus eigenen Stärken, Entwicklungsfeldern und Delegierbaren braucht es Selbstreflexion und Mut zur Entwicklung. Und eine dem eigene Wesen gerechte Rückbindung an sich selbst. Oder um mit Faust fortzufahren:

Dass ich nicht mehr mit saurem Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;
Dass ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammen hält,
Schau alle Wirkenskraft und Samen,
Und tu nicht mehr in Worten kramen.

 

Stimmige Kommunikation - äußere und innere Haltung

Die Bedeutung guter Kommunikation als zentrales Instrument der Führung ist vielen längst bewusst. Sie arbeiten an geschickter Rhetorik, überzeugender Argumentation, passender Formulierung. Doch der Inhalt und die reine Technik verbaler Artikulation allein greifen zu kurz. Es betrachtet nur die äußere Hülle von Kommunikation. Kommunikation geht weit über Worte hinaus. Über 90%2 unserer Kommunikation funktioniert nicht über die sachliche Botschaft, sondern über die nonverbale Kommunikation - Körpersprache, Stimmlage, Tonalität, Mimik und Gestik.

Das ist kein Plädoyer, nicht achtsam für die Wirkung der Worte zu sein. Und das ist auch keines dafür, nicht am nonverbalen Ausdruck zu arbeiten. Zuerst jedoch sollten verbale und nonverbale Botschaft kongruent mit der inneren Haltung, den Gefühlen, Bedürfnissen, dem Denken sein. Für uns stimmig sein. Dann können wir auch an der Kommunikation effektiv arbeiten. Es sei denn wir wollen trainieren, Masken aufzusetzen und Fassaden zu pflegen und zu uns als Menschen in Distanz gehen. Sicher haben viele das schon erlebt, doch wo führt das auf lange Sicht hin hin?

Ständig senden wir unbewusst Signale, die unsere innere Haltung transportieren. Gerade diese Signale geben den Ausschlag dafür, wie wir und damit auch unser Inhalt beim Anderen ankommen. Alle äußeren Faktoren, wie die Körperhaltung, Mimik und Gestik, hängen von dem ab, was uns als Menschen im Inneren ausmacht und bewegt. Kommunikation lässt sich daher erst dann wirklich verbessern, wenn in der Kommunikation das „stimmt“, was der inneren Überzeugung entspricht. Zwar können wir unsere nonverbale Wirkung bewusst verändern und steuern. Jedoch wird immer ein Teil unserer Wirkung von unbewussten Signalen abhängig bleiben (und die Dissonanzen werden guten Beobachtern und feinfühligen Menschen nicht entgehen). Auf Dauer wird eine Führung nur über eine zur inneren Haltung stimmige Kommunikation eine klare und auf Dauer stabile Orientierung für Andere entwickeln. Dafür ist es entscheidend, ein gutes Selbstwertgefühl zu haben (was das Wesen der Persönlichkeit ausmacht), sich selbst mit seinen Gefühlen und Bedürfnissen wahrzunehmen und mit sich selbst in seiner Rolle im Reinen zu sein. So steigt automatisch auch die Fähigkeit zur Empathie gegenüber anderen. Agieren wir in der Führung lediglich situationsgerecht, wird es uns schwer fallen, Resonanz zu erzeugen und empathisch führen zu können. Mit einem wesensgemäßen Verhalten und kongruenter Kommunikation sind wir resonanter und erreichen mehr. Sobald es uns dann gelingt, Verbindung herzustellen, dann wird es wirkungsvoll, stimmig am verbalen und nonverbalen Ausdruck als Führung zu arbeiten.

Denn: Die innere Haltung beeinflusst bewusst und unbewusst die äußere. Und durch die äußere Haltung beeinflussen wir auch - bewusst und unbewusst - die innere. Wenn Sie etwa für ein paar Sekunden die Mundwinkel hochziehen und beobachten, wie sich Ihre Stimmung erhellt, merken Sie das sofort. Und so schließt sich dann auch der Kreis: Wenn uns starke emotionale Regungen überkommen, verschaffen wir uns durch Fokus auf die äußere Haltung Handlungsoptionen, um nicht impulsiven Expressionen Ausdruck zu verleihen. Etwa können wir vor die Tür treten, tief durchatmen, Körperteile in kaltes Wasser tauchen, Herz- bzw. Pulsschlag fühlen etc. So spüren wir den Körper und kommen ins Bewusstsein im Hier und Jetzt zurück.

Lesen Sie dazu auch den Beitrag Innere Haltung als Erfolgsfaktor in der Kommunikation. 

 


[1] Vgl. Schulz von Thun, Friedemann (1998): Miteinander reden, 3. Das Innere Team und situationsgerechte Kommunikation, Reinbek bei Hamburg.

[2] So z.B. Albert Mehrabian, der mit seinen Experimenten zur Bedeutung der nonverbalen Elemente in der menschlichen Kommunikation berühmt wurde. Sind Inhalt, stimmlicher oder mimischer Ausdruck miteinander inkongruent, so zieht der Zuhöhrer seine Information nurzu 7 % (!) aus dem sprachlichen Inhalt, zu 38 % aus dem stimmlichen Ausdruck und zu 55 % aus der Körpersprache. Daraus wurde die 7-38-55-Regel abgeleitet.

[3] Ein spannendes, etwas anderes Buch zur nonverbalen Kommunikation stammt von einem Zauberkünstler: Thorsten Havener: Ohne Worte - was andere über Dich denken.

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