Stimmig in Verhalten und Kommunikation - Innere Haltung.

Um stimmig zu sein, geht es nicht nur um das Erheben der Stimme. Auch Verhalten und nonverbale Kommunikation spiegeln innere Stimmigkeit.

 

Stimmig in Verhalten und Kommunikation - Innere Haltung.

Stimmiges Verhalten - wesensgerecht und situationsgerecht

Kinder verhalten sich komplett wesensgemäß. Gehen Sie mit einem Kleinkind im Supermarkt einkaufen und verweigern ihm am Süßigkeitenregal die heißersehnten Gummibärchen. Situationsgerecht kann man den darauf folgenden Wutausbruch mit auf den Bodenwerfen, Fäuste trommeln und tränenreichem „ich will aber“ nun wahrlich nicht bezeichnen.Und welches Elternteil bringt dann den Mut auf, sich - ganz wesensgerecht - daneben zu schmeißen und laut zu schreien, „jetzt mag ich aber auch nicht mehr“, solange bis vielleicht sogar das Kind aufsteht, um dem seltsam-befremdlichen Verhalten des bis dato vernünftigen Erziehungsberechtigen ein Ende zu bereiten.  

In der Entwicklung lernen wir uns situativ anzupassen und verlernen dabei nicht selten den wesensgemäßen Zugang zu uns selbst. Insbesondere in neuen Rollen, in denen wir uns erst orientieren müssen, suchen wir zuerst den situationsgerechten Zugang. Auch heute noch stellen Führungskräfte und viele Führungskräfteseminare die vermeintlich falsche Frage nach dem „richtigen“ Verhalten. Entscheidend ist jedoch die Frage nach einem „stimmigen“ Verhalten. Stimmiges Führungsverhalten umfasst zwei Dimensionen: es ist wesensgemäß und situationsgerecht.

Das Lernfeld besteht darin, das situationsgerechte Verhalten dem eigenen Wesenskern anzupassen, um im Einklang mit sich selbst wirken zu können. Agieren wir in der Führung lediglich situationsgerecht, wird es uns schwer fallen, Resonanz zu erzeugen (siehe auch hier). Etwas, das wir mit einem wesensgemäßen Verhalten immer erreichen werden. Auch wenn wir die Situation immer als Filter nutzen sollten. So sind emotionale Regungen von Führungskräften wichtige Hinweise, dass z.B. etwas dem eigenen Wertesystem zuwider läuft. Aber auf die emotionale Regung sollte ich in Stresssituationen nicht impulsiv reagieren. Nach einer Nacht sieht die Sache nüchtern am nächsten Tage betrachtet oft schon ganz anders auch und reflektiertes Führungsverhalten deutlich wirkungsvoller.

Habe nun, ach!
Philosophie, Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie! 
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. 
Da steh ich nun, ich armer Tor! 
Und bin so klug als wie zuvor; 
Heiße Magister, heiße Doktor gar, 
Und ziehe schon an die zehen Jahr 
Herauf, herab und quer und krumm 
Meine Schüler an der Nase herum - 
Und sehe, dass wir nichts wissen können! 
Das will mir schier das Herz verbrennen.


(aus Faust 1)

An diesen Ausspruch von Faust muss ich oft denken, wenn ich einen Schritt in den Dschungel aus Führungsliteratur, Erfolgsrezepten und Anleitungen unternehme. Ich denke zurück an meine ersten Tage als Führungskraft und die vergeblichen Versuche, Orientierung für mich zu finden und gutes Wissen aufzubauen. Ich sollte mit visionärer Strahlkraft nach vorne schreiten und mit großen Ziele führen, bestimmt auftreten, meine Mitarbeiter zum Blühen bringen, sie motivieren aber auch mal hart durchgreifen, wo nötig. Auf der einen Seite kollegial und der Kümmerer auf der anderen Seite klar Vorgesetzte. Ich sollte situativ führen – was auch immer das heißen mag. Bei all dem sollte mein Auftreten auf jeden Fall authentisch bleiben. Natürlich sollte ich nicht nur Führungskraft sondern auch Coach für meine Mitarbeiter sein. Nicht zu vergessen die betriebswirtschaftliche Erfolge, die ich realisieren musste oder die Tatsache, dass ich meine Abteilung innovativ in die Zukunft gerichtet aufzustellen hatte. Am Ende schwirrte mir der Kopf und ich wusste gar nicht mehr, was eine gute Führungskraft nun ausmacht.

Zwischenzeitlich weiß ich, dass ich zu Beginn meiner Karriere die vermeintlich falsche Frage nach dem „richtigen“ Verhalten gestellt habe. Eine viel bessere Frage wäre die nach einem für mich „stimmigen“ Führungsverhalten gewesen. Denn die eigentliche Aufgabe liegt darin, herauszufinden, welches Führungsverhalten dem eigenen Wesenskern am ehesten entspricht. Das ist sicherlich zu Beginn eines solchen Karriereschritts am wichtigsten, doch auch im Laufe der Zeit als Führungskraft ist eine Bestandsaufnahme und ggf. Anpassung in Bezug auf neue Lebensphasen entscheidend.

Wichtig ist es, in der Selbststeuerung herauszufinden, wo die eigenen Komfortzonen liegen. Bin ich also eher jemand, der auf kollegialer Ebene führt? Liegen mir die operativen Themen näher als die großen Visionen? Darauf aufbauend kann ich prüfen, in welchen Situationen meine ureigene Steuerung nicht ausreicht, es also Ergänzung braucht. In diesen Feldern kann ich abwägen, ob ich mich selbst auf den Entwicklungsweg begebe oder im Team Stellvertreter für die Rollen suche, die ich nicht besetzen kann. Um dieses Mosaik aus eigenen Stärken, Entwicklungsfeldern und delegierbaren Aufgaben klar zeichnen zu können, braucht es Selbstreflektion und auch den Mut, Lücken einzugestehen und entsprechend für Ergänzung zu sorgen. Ein guter Weg hierzu ist es, sich immer mal wieder einen professionellen Außenspiegel vorhalten zu lassen. Dazu kann man ein persönlichkeitsbezogenes Karrierecoaching nutzen oder sich Feedback von den eigenen Mitarbeitern und Kollegen einholen. Oder um mit Faust zu enden:

Dass ich erkenne, 
was die Welt Im Innersten zusammenhält, 
Schau alle Wirkenskraft und Samen, 
Und tu nicht mehr in Worten kramen.

 

Stimmige Kommunikation - ein Spiegel der inneren Haltung

Die Bedeutung gelungener Kommunikation als zentrales Führungsinstrument ist vielen längst bewusst. Sie arbeiten an geschickter Rhetorik, überzeugender Argumentation, passender Formulierung. Doch der Inhalt und die reine Technik verbaler Artikulation alleine greifen zu kurz. Es betrachtet nur die Oberfläche von Kommunikation. Kommunikation geht weit über Worte hinaus. Über 90%1 unserer Kommunikation funktioniert nicht über die sachliche Botschaft, sondern über nonverbale Kommunikation - die; Körpersprache, Stimmlage, Tonalität, Mimik und Gestik.

Das ist kein Plädoyer, nicht achtsam für die Wirkung der Wortwahl zu sein. Und das ist auch kein Plädoyer dafür, nicht an den nonverbalen Ausdruckmitteln zu arbeiten. Zuallererst jedoch sollten verbale und nonverbale Botschaft kongruent mit unserer inneren Einstellung, unseren Gefühlen, Bedürfnissen, Denkmustern sein und sich für uns stimmig anfühlen, bevor wir an der Kommunikation effektiv arbeiten können. Es sei denn wir wollen trainieren Masken aufzusetzen und Fassaden zu pflegen und zu uns als Menschen in Distanz gehen. Solche Führungskräfte haben viele schon erlebt, doch wo führt das langfristig hin?

Ständig senden wir unbewusst Signale, die unsere innere Haltung transportieren. Gerade diese Signale sind ausschlaggebend dafür, wie wir und damit auch unser Inhalt beim Gegenüber ankommen. Alle äußeren Faktoren, wie die Körperhaltung, Mimik und Gestik, hängen von dem ab, was uns als Menschen im Inneren ausmacht und bewegt. Kommunikation lässt sich daher erst dann wirklich verbessern, wenn in der Kommunikation das „stimmt“, was der inneren Überzeugung entspricht. Zwar können wir durch Achtsamkeit, Training und mit Hilfe unseres "Körpergedächtnisses" unsere nonverbale Wirkung bewusst verändern und steuern. Jedoch wird immer ein Teil unserer Wirkung von unbewussten Signalen abhängig bleiben (und entsprechende Dissonanzen werden guten Beobachtern und feinfühligen Menschen nicht entgehen). Die innere Haltung beeinflusst bewusst und unbewusst die äußere Haltung. Durch die äußere Haltung beeinflussen wir jedoch auch bewusst und unbewusst unsere innere Wahrnehmung (Machen Sie doch einen Selbsttest: Ziehen Sie ein paar Sekunden die Mundwinkel hoch und beobachten Sie die Auswirkung auf Ihre Stimmung ).

Auf Dauer wird aus unserer Sicht eine Führungskraft nur über eine zur inneren Haltung stimmigen Kommunikation eine klare und auf Dauer stabile Orientierung für Andere entwickeln. Für eine solche stimmige Basis ist es entscheidend, ein gesundes Selbstwertgefühl zu haben (was den Wesenskern der Persönlichkeit ausmacht) und sich selbst mit seinen Gefühlen und Bedürfnissen wahrzunehmen, empathiefähig gegenüber anderen und mit sich selbst in seiner Rolle im Reinen zu sein. Dann wird es auch wirkungsvoll sein, an der Verbesserung der verbalen und nonverbalen Ausdrucksmittel als Führungskraft kontinuierlich zu arbeiten.

Mehr zur inneren Haltung als Erfolgsfaktor in der Kommunikation lesen Sie hier. Wenn Sie sich für Ihre persönliche  kommunikative Wirkung interessieren, dann  stehen wir Ihnen sehr gerne für einen individuellen Coachings und Trainings zur Verfügung. 

 


[1] So z.B. Albert Mehrabian, der mit seinen Experimenten zur Bedeutung der nonverbalen Elemente in der menschlichen Kommunikation berühmt wurde. Sind  Inhalt, stimmlicher oder mimischer Ausdruck miteinander inkongruent, so zieht der Zuhöhrer seine Information nur zu 7 % (!) aus dem sprachlichen Inhalt, zu 38 % aus dem stimmlichen Ausdruck und zu 55 % aus der Körpersprache. Daraus wurde die 7-38-55-Regel abgeleitet.
[2] Ein super spannendes, etwas anderes Buch zur nonverbalen Kommunikation stammt von einem Zauberkünstler: Thorsten Havener: Ohne Worte - was andere über Dich denken.

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