Selbstmanagement und der Umgang mit Emotionen.

Wesentlich für Selbstmanagement ist die Selbstwahrnehmung. Die Fähigkeit, eigene Emotionen und Bedürfnisse wahrzunehmen und Gefühlsreaktionen zu steuern.

 

Selbstmanagement - Umgang mit Emotionen als Führungskraft

Gefühle wahrnehmen vs. Gefühle ausleben: das Reiz-Reaktions-Schema

Eine wesentliche Voraussetzung für Selbstmanagement ist auch im beruflichen Kontext die eigene Selbstwahrnehmung. Es ist die Fähigkeit, eigene Emotionen wahrzunehmen, diese zu verstehen und sich seiner eigenen Werte, Bedürfnisse und Gefühle bewusst zu sein. Der reife, reflektierte Mensch besitzt ein gesundes Selbstwertgefühl. Und er weiß dabei: Er "ist" weder sein Denken noch sein Fühlen. Gedanken und Gefühle sind die gewohnten Perspektiven auf Realität, die verändert werden können.

Gefühle machen uns zu Menschen mit der Fähigkeit zu Empathie. Wenn wir uns über unsere Gefühle nicht klar sind, können wir sie auch nicht als gute Energiequellen für unser Handeln nutzen. Stattdessen lassen wir uns von unseren Gefühlen lenken und blockieren. Ein kleineres Problem ist in der Regel das Zulassen und der Umgang mit „positiven" Gefühlen, wie Begeisterung, Leidenschaft und das Genießen von Erfolgen. Oft halten sich Führungskräfte aber auch hier an den Ausspruch „Gefühle haben im Job nichts zu suchen“ und geben ihrer Begeisterung oder Freude keinen Ausdruck. Damit wird viel Potenzial zur Motivation der Mitarbeiter verschenkt. Wenn z.B. erreichte Erfolge nicht ausreichend gefeiert und gewürdigt werden.

Der verantwortliche Umgang mit Gefühlen ist eine wichtige Anforderung an Führungen. Das erfordert die Fähigkeit, die eigenen v.a. „negativen“ Gefühle zu managen Die eigene Stimmung zu steuern. Negative Gefühle sind, was sie sind, und nichts, was abzulehnen ist. Denn sie machen uns auf unbefriedigte Bedürfnisse aufmerksam. Zum größeren Problem wird es erst, wenn wir durch Gefühle wie Wut, Angst, Frustration, Ärger und Panik kontrolliert werden. Daher gilt es nach dem Reiz-Reaktions-Schema zwischen dem emotionalen Reiz und der Reaktion eine Zeitspanne einzuschieben. Die gibt uns Zeit und Raum, um in Distanz zu gehen, uns selbst zu reflektieren und uns so auf die Schliche zu kommen. So können wir über unsere Emotionen eine ganze Menge über uns, unsere Bedürfnisse und Werte selbst lernen. Unsere Gefühle können uns zu unserem tiefsten Wesen navigieren. Was nicht heißt, dass wir uns dann auch direkt so wesensgerecht verhalten müssen, wie uns innerlich zumute ist. Hier ist der weise Rat, vor dem Loslaufen erst einmal „Kopf und Bauch zu verknüpfen und mit dem Herzen zu verbinden“, um nach reiflicher Reflexion nicht unbedingt wesensgemäß, aber situationsgerecht in unserer Rolle zu reagieren. 

Gefühle - positive wie negative - stellen, wenn wir sie bewusst wahrnehmen und steuern, eine mächtige intuitive Quelle der Energie dar. Gefühle stellen sich unbewusst in Blitzgeschwindigkeit ein – schon lange bevor wir anfangen zu denken. 

  • Angst macht z.B. deutlich „hier stimmt etwas nicht“ und mahnt zur genaueren Betrachtung der Situation.
  • Wut und Ärger zeigen „hier muss etwas geschehen“ und lösen Impulse für Veränderungen aus.

Wichtig ist der steuernde Umgang mit diesen Gefühlen. Früher wurde z. B. in der Psychotherapie der Ansatz verfolgt, Wut und Ärger katharsisch zum Ausdruck zu bringen. Wird dabei das Problem, über das man sich geärgert hat, vergessen, bleibt der Impuls zur Veränderung aus. Mal „ordentlich auf den Tisch zu hauen“ mag im ersten Moment erleichtern. Doch schon Willy Brandt hat die Wirkung solcher Ausbrüche ganz treffend beschrieben: „Es hat niemanden beeindruckt, nicht einmal den Tisch“. Zudem blockieren diese Gefühle, unkontrolliert ausagiert, das Gehirn dabei, sich auf das Lösen der Aufgabe zu konzentrieren. Wenn sich negative Gefühlsreaktionen unkontrolliert gegen andere richten, können sie erheblichen Schaden anrichten: Schmerzen bereiten, Vertrauen und Respekt verspielen. Die Führungskraft zahlt auf lange Sicht einen hohen Preis dafür.

Selbstmanagement bewahrt uns davor, unseren Emotionen ungesteuert ausgeliefert zu sein. Dazu gehört, den Impuls der Emotion wahrzunehmen, im beruflichen Kontext professionell zu kontrollieren und angemessen zu reagieren. Selbstmanagement verhindert, dass wir uns von störenden oder aufgestauten Emotionen vom Weg abbringen lassen. Es bedarf einer hohen Konzentration und positiver Energie, um in schwierigen Zeiten auf dem Weg zu bleiben und das Ziel anzusteuern. Führungskräfte, die über die notwendige Selbststeuerung verfügen, strahlen Optimismus und Zuversicht aus, die zu einer positiven Resonanz im Prozess der Veränderung führen. Zugleich können sie Missstände und Ärgernisse konstruktiv thematisieren und Veränderungsimpulse stärken.

 

Die Kunst des Beziehungsmanagements in der Führung

Da ausagierte Emotionen ansteckend sind und sich von einem oder mehreren informellen Anführern auf eine Gruppe übertragen lassen, ist es für eine Führungskraft besonders wichtig, ihre Emotionen im Griff zu haben. Nur dann kann sie auch die Emotionen von Mitarbeitern managen. Eine Führungskraft, die unter hohem emotionalen Druck verlässlich eine positive Haltung bewahrt, schafft eine Atmosphäre von Vertrauen, Sicherheit und Fairness. Dies überträgt sich auf andere. Kein Mitarbeiter möchte auf Dauer als Miesepeter oder Choleriker auffallen, wenn der Vorgesetzte ausgeglichen handelt und die Ruhe bewahrt. Es bedarf jedoch eines guten Maßes an Reflexionsvermögen, um mit den eigenen Gefühlen so konstruktiv umzugehen. Es bedarf eines souveränen Umgangs mit

  • Nähe (in der Emotion sein und wahrnehmen) und
  • Distanz (aus der Emotion gehen und reflektieren).

Wenn der Wechsel im Selbstmanagement auch unter Stress funktioniert, dann lässt sich das Know-How der Nähe-Distanz-Regulierung ganz gut in der Mitarbeiterführung nutzen. Indem die Führungskraft in ihrer Beziehungsarbeit zu dem Mitarbeiter das rechte Maß balanciert an

  • Nähe (Mitfühlen) und
  • Distanz (Fremdreflexion).

Wenn wir uns über unsere Gefühle bewusst werden, können wir sie als Energiequellen für unser Handeln nutzen und enorme Kräfte freisetzen und situationsgerecht reagieren. Das ist die große Stärke empathischer Führungskräfte.

Und spätestens seit der Jahrtausendwende hat sich die Erkenntnis verbreitet, dass die Meister des Bedürfnis- und Beziehungsmanagements langfristig überragend gute Ergebnisse mit ihren Potenzialen in der Führung von Mitarbeitern erzielen (vgl. etwa Goleman/ Boyazis/ McKee, 2002). Sie sind in der Lage, eigene und fremde Emotionen wahrzunehmen und konstruktiv zu bearbeiten. Diese Führungskräfte fördern Teamgeist, inspirieren, schaffen ein kreatives Klima, können ihre Mitarbeiter für eine Sache begeistern und e-MOTION-alisieren.

 

 

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.