Scharmer, Claus Otto

Theorie U. Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik.

Heute stellen wir Ihnen "Theorie U. Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik." vor. Eine interessante Führungs-Theorie, die umfangreiche Grundlagen für die Herausforderungen von Leitung, Führung und Management im 21. Jahrhundert liefert. Entwickelt wurde sie über mehr als zehn Jahre von Otto Scharmer, Forscher am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Zusammengefasst hat er sie in seinem Buch „Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik“.

Im Kern besagt Theorie U: „Wer die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen will, muss von der Zukunft lernen“. Nach Scharmer neigen wir Menschen in Umbruchphasen dazu, uns an alten Traditionen festhalten zu wollen. Wir lernen vergangenheitsorientiert. Das menschliche Denken setzt auf Gewohnheitsmuster. Was einmal Erfolg hatte, bietet für die Zukunft Orientierung. Doch bei sich immer stärker ändernden Rahmenbedingungen und steigender Komplexität funktioniert Herkömmliches selten. Wer mehr vom gleichen macht, wird immer wieder das gleiche Ergebnis erhalten. Scharmer beschreitet daher einen anderen Weg. Seiner Theorie nach ist es möglich und nötig, aus der Zukunft und ihrer Möglichkeit zu lernen - aus der sich gerade entwickelnden Zukunft. Was denkbar ist, ist irgendwann auch erreichbar. Für dieses Lernen hat er einen eigenen Begriff entwickelt: „Presencing“. Presencing setzt sich zusammen aus „Presence“ (Anwesenheit) und „Sencing“ (Spüren). Die Grundlagen dafür beschreibt er ausführlich im ersten Teil seines Buches „Begegnung mit dem blinden Fleck“.

Im zweiten Teil „Eintreten in das U-Feld“ beschreibt er die einzelnen Phasen des U-Prozesses. Der U-Prozess ist dabei keine Art von Innovation oder Methode. Er ist ein Lernprozess, der sich in verschiedenen Schritten manifestiert. Diese Schritte können an einem U verdeutlicht werden. Sie umfassen das, was Individuen und Gruppen hilft, Muster der Vergangenheit loszulassen, eine im Entstehen begriffene Zukunftsmöglichkeit wahrzunehmen und aus dieser Wahrnehmung heraus zu handeln. In 7 Unterkapiteln beschreibt er die einzelnen Phasen. Sozusagen auf der linken Seite des U’s stehen

  • das „Downloaden - Runterladen“ (sich in den alten Mustern bewegen, unhinterfragt Bewährtes weiterführen),
  • das „Hinsehen - Seeing“ (vom Downloaden zum Hinsehen und Infragestellen des Bekannten),
  • das „Hinspüren - Sensing“ (das Erspüren eines möglichen Neuen) und dann am Wendepunkt des U’s
  • das „Presencing – Gegenwärtigung“ (Neues Wissen entsteht, losgelöst von alten Gewohnheitsmustern).

In der Aufwärtsbewegung des U’s folgt dann

  • das „Verdichten - Kristallisieren“,
  • das „Erproben - Prototyping“ (ohne große Konzepte im Vorfeld, schnelles Erproben und hier gilt laut Schamer der Grundsatz: frühes Scheitern führt zu schnellerem Lernen) und
  • am Ende des U’s das „in die Welt bringen – Performing“.

Im dritten Kapitel „Presencing – eine soziale Technik für die Führung von Innovationen“ geht Scharmer auf die Umsetzung von Presencing ein und verdeutlicht dies an Praxisbeispielen aus seiner Beratererfahrung. So müssen Unternehmen z.B. Möglichkeitsräume schaffen, um dieses neue Wissen zu generieren. Es ist die Verbindung zwischen explizitem Wissen und impliziten Wissen, das im aufgeschlossenen gemeinsamen Dialog neue Zukunftsräume schaffen kann. Dazu braucht es eine andere Art des Austausches. So verdeutlicht er am Beispiel Kommunikation die unterschiedlichen Schritte in das U hinein:

  1. „Downloading/Abspulen“: Im formellen Austausch wird gesagt, was erwartet wird und nicht, was man denkt. Alte Gedankenmuster werden bestätigt, es ändert sich nichts.
  2. Debatte: Fakten, Meinungen und Argumente werden ausgetauscht. Oft fehlt die Offenheit auf den anderen zuzugehen, ihn zu hören, um wirklich etwas zu ändern.
  3. Dialog: Bedeutet, die Welt aus den Augen des anderen zu sehen und emphatisch offen zu sein, für das, was der andere sagt. Gekoppelt mit der eigenen Wahrnehmung entstehen neue Möglichkeitsräume.
  4. Presencing: Gesamtzusammenhänge werden anders erkannt und zukünftige Möglichkeiten zeichnen sich ab. Im Unternehmen bedeutet dies auch, über Organisationsgrenzen hinweg die Unternehmensumwelt einzubeziehen und einen übergeordneten Dialog zu führen.

Die methodische Aufbereitung einer Theorie für tiefgreifende soziale Veränderungsprozesse ist ein Gechenk zur Bewältigung der Herausforderungen in der Postmoderne. Allerdings liefert Scharmer keine leichte Kost. Sein Buch „Theorie U: Von der Zukunft her führen“verdichtet seinen über viele Jahre andauernden Forschungsprozess auf über 500 Seiten. Für die wenigsten dürfte die Komplexität und Abstraktion, in der Scharmer denkt, unmittelbar für die Praxis umsetzbar sein. Es gibt spannende Impulse für alle Führungskräfte, die offen sind für neue Wege jenseits bekannter Fakten. Vielfältige Unterlagen zum freien Download und weitere Informationen zur Theorie U finden Sie übrigens unter www.presencing.com.

Wir halten die Allerdings ist die Lektüre des Grundlagenwerkes recht komplex, so dass es für die meisten Führungkräfte wohl nicht umittelbar in die Praxis umsetzbar ist. 

 

Scharmer, C.O: Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik. 3. Auflage, Carl-Auer-Verlag, Heidelberg, 2013.

 

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.