Overview Effect: Zum Mond und zurück

Astronauten kennen ihn, den Overview Effekt. Auch ohne zum Mond zu fliegen, kann man - nicht zuletzt in Zeiten der Corona-Krise - den Effekt nutzen, um Ruhe, Fokus und Distanz zu gewinnen.

 

Am 24. Dezember 1968, schossen William Alison Anders, Jim Lovell und Frank Borman, Astronauten der Mond Mission Apollo 8, das erste Foto der Erde. Sie sind - wie auch alle Astronauten nach ihnen - überwältigt von der Schönheit der Erde aus rund 380.000 km Entfernung: Ein kleiner zerbrechlicher, diamantblauer Planet, eingebettet in das pechschwarze All. Sie lasen den Menschen als Weihnachtsbotschaft die Schöpfungsgeschichte aus dem Buch Genesis vor und wünschten dem Globus Frieden. „Wir waren gekommen, um den Mond zu erforschen, und dann entdeckten wir die Erde“, sagt sie nach ihrer Rückkehr. Dieser Blick auf die Erde veränderte auch ihren Blick auf die Welt.

12 Astronauten betraten zwischen Juli 1969 und Dezember 1972 mit dem Apollo-Programm der Nasa in insgesamt sechs Apollo Missionen den Mond.[1] Als kosmische Helden gingen die Moonwalker in die Geschichte ein. Alle hatten gemeinsam, dass sie nach ihrer Rückkehr zur Erde an einem Kreuzweg standen und mehrere Jahre brauchten, um wieder im Leben anzukommen. Sie machten transzendentale Erfahrungen im Weltraum und beschäftigten sich tief mit dem Sinn des Lebens. Alle standen sie vor der Frage: Was kann jetzt noch kommen?

Frank White studierte die Psychologie von Astronauten und stellte fest, dass sie nach ihrer Rückkehr zur Erde menschliche Beziehungen anders sahen: Für sie waren die Probleme der Einzelnen sekundär gegenüber dem Begreifen der Erde als Ganzes. Frank White bezeichnete diese andere Sicht als Effekt des Überblicks oder Overview Effekt (wie auch der Titel seines Buches aus dem Jahr 1987 lautet). Der Blick auf die Erde löste – und löst auch heute noch – bei der Besatzung eines Weltraum Shuttle ein Gefühl der Verbundenheit, sowie Übermut und Demut zugleich aus. Überblick gibt Beruhigung, Sicherheit und Sinn.

Beobachten und anwenden kann man das überall. Selbst wenn wir nie ins All fliegen, so lässt sich der Overview Effekt doch auf für uns heute für eine Übung nutzen. Eine Übung, um gerade in den Tagen der Krise den Fokus auf das Wesentliche zu schärfen und um zur Ruhe zu kommen. Entfernen Sie sich aus Ihrem Alltag und der Gesellschaft und nutzen Sie die Distanz, um die Schönheit des Ganzen wieder zu finden und sich aufs Neue von der Magie des Lebens fesseln zu lassen.

Und so funktioniert die Phantasie-Reise zum Mond: Schaffen Sie für sich etwas Ruhe, vielleicht an einem ruhigen Ort. Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, ein Doppelgänger von Ihnen fliegt mit einer Rakete zum Mond. Ihr Doppelgänger blickt vom Mond auf die Erde hinunter und schaut Ihnen zu. Was sieht Ihr zweites Ich von dort oben? Welche Gedanken gehen Ihnen dabei durch den Kopf, wenn Sie aus dieser Entfernung auf Ihre Probleme schauen? Was würde Ihr Ich Ihnen von dort oben zurufen? Sie werden mit diesem Blick auf das Leben feststellen, dass sich aus dieser offenen Perspektive der Effekt des Überblicks wie von selbst einstellt und damit der Fokus für das, was wirklich wesentlich für Sie ist. Dieser Blick hilft uns, den Sand, die Kieselsteine und die großen Steine auf unserem Weg zu erkennen und sie richtig zu ordnen.[2]

Für alle, die jetzt einen plastischen Einblick in den Effekt bekommen möchten, empfehlen wir das Youtube Video „The Overview Effect“ mit Interviews mit Frank White und fünf Astronauten von einer Dauer von knapp unter 20 Minuten.

Zur Dokumentation


[1] Neil Armstrong/ Edwin "Buzz" Aldrin, Charles "Pete" Conrad/ Alan Bean, Alan Shepard/ Edgar Mitchell, Jim Irwin/ David Scott, John Young/ Charles Duke, Harrison "Jack" Schmitt/ Eugene Cernan. 

[2] Vgl. auch Daniel Shapiro (2018): Verhandeln. Die neue Erfolgsmethode aus Harvard. Campus Verlag, Frankfurt, 2018. S. 70.

 

 



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Erde
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