Kulturveränderung in 7 Jahres Zyklen

Die Biografiearbeit kennt die Reflexion in 7 Jahres-Rhythmen. Sprünge in der menschlichen Entwicklung finden tendenziell in 7-jährlichen Zyklen statt. Auch Veränderungen der Kultur dauern entsprechend lang.

 

Entwicklungsperspektiven für die Unternehmenskultur: Die 7Jahres-Perioden der Entwicklung der Persönlichkeit

Wir kennen nicht nur den Wochen-Rhythmus als Sieben-Tage-Rhythmus, sondern auch den Ausspruch aus dem Volksmund „das verflixte siebte Jahr“. Der lange Rhythmus von 7 Jahren veranschaulicht, dass Leben fortdauernde Entwicklung, Veränderung und Reifung bedeutet und uns in so manch eine Krise führt. Quasi alle sieben Jahre kommen wir auf eine neue Stufe, oder, wie es im Volksmund heißt: Alle sieben Jahre wechseln wir unsere Haut. Es finden äußere und innere Umwandlungen statt. 

In der persönlichen Biografiearbeit wird die Reifedynamik im Lebenslauf des Menschen dabei gerne prototypisch in drei spannende Abschnitte gegliedert:[1]

Die ersten 21 Jahre der physisch leiblichen Entwicklung (0-21)

Die erste Lebensphase ist von der leiblichen Entwicklung und starken körperlichen Veränderungen geprägt.

  • Bis zur Mitte des ersten Jahrsiebts bilden sich Sinnes- und zentrales Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) aus. Das Kind sagt zum ersten Mal ‘Ich’ zu sich selbst. Das Ich-Bewusstsein in Abgrenzung zur Welt erwacht. Danach geht das Kind durch die Trotzphase, in der es sich stärker behauptet. Etwa um das 7. Lebensjahr der Schulreife findet der Zahnwechsel statt und ein Zeitbewusstsein beginnt.
  • Im zweiten Lebensjahrsiebt reift das rhythmische Atmungs- und Zirkulationssystem (Herz und Lunge) heran. So werden die Gefühle immer wacher. Kinder sind stärker in sich gekehrt und träumerisch, aber auch aggressiv und mit ihren Gefühlen überfordert. Die Pubertät beginnt. Wir können dies als Entfaltung des Ich-Gefühls bezeichnen. Etwa um das 14. Lebensjahr ist der Mensch geschlechtsreif. Diese Lebensabschnitte sind durch starke körperliche Veränderungen des Menschen geprägt.
  • Im dritten Jahrsiebt bis zur Mündigkeit reifen Knochen, Muskeln und Sehnen, unsere Reproduktionsorgane und das Stoffwechselsystem (alle Drüsen der Verdauungsorgane) erreicht seine volle Tätigkeit. Die Organe werden für die gesunde Entfaltung des weiteren Denkens und Fühlens. Die Jugend ist eine Zeit der Selbsterprobung, der Überprüfung und Umwertung der vermittelten Werte. 

Die zweiten 21 Jahre der seelisch geistigen Entwicklung (21-42)

Die stoffliche Erneuerung des physischen Leibes setzt sich weiterhin in einem 7 Jahres-Rhythmus fort. Doch Aufbauprozess verlangsamen sich und Abbauprozesse werden immer markanter. Die Veränderung verlagert sich mehr auf die seelisch geistige Ebene. Der Mensch steht oft auf dem Höhepunkt seiner Produktivität.

  • Ab dem 21. Lebensjahr beginnt die Phase der seelischen Entwicklung, in der sich die Aufgabe der Selbstverwirklichung und der Gestaltung eines selbstverantwortlichen Lebens stellt. Es ist eine expansive und am sozialen Leben ausgerichtete Phase, in der Menschen ihre berufliche Karriere gestalten, eine Familie gründen, sich niederlassen.
  • Nun ist auf seelischer Ebene das eigenständige ICH ausgebildet. Der Mensch verarbeitet zunehmend selbsttätig, was er bisher aufgenommen hat. Gerade dadurch aber kann der Mensch nun seine Individualität so richtig entfalten. Die Bewusstseinsebene reift weiter aus. 
  • Im zwischenmenschlichen Umgang lernt der Mensch zunehmend mit Gefühlen zu leben und sie zu kontrollieren. Er erreicht seine psychische Reife.

Geistige Vertiefung der dritten Lebensphase (42-63+)

Körperliche Aufbau- und Abbauprozesse geraten zunehmend aus dem Gleichgewicht, die biologischen Kräfte beginnen nachzulassen. Die Muskeln werden schwächer; bei der Frau hört die Menstruation auf. Der so veränderte Körper wuchert selbstständig. Der Tod ist nicht mehr auszublenden.

  • Mit dem typischen Beginn der Midlife Crisis um das 42. Lebensjahr beginnt dann mit einer Phase psychischer Unsicherheit die Stärkung der geistigen Entwicklung. 
  • Um das 49. Lebensjahr muss ein neuer, verlangsamter Lebensrhythmus gefunden werden, der dem physischen Abbau entspricht. Die Sinnesorgane lassen in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit nach und so findet eine stärkere innere Einkehr statt. 
  • In der dritten Lebensphase werden nun die Früchte des Lebens sichtbar. Der Mensch überwindet oft seine Egozentrik und fragt sich, was er mit dem bis dato erreichten  für die Welt anfangen kann. Er wendet sich vertieft der Sinnfrage und den großen Fragen des Lebens zu . So entfaltet sich ein größeres Bewusstsein und eine neue Kreativität. So realisiert sich ein Mensch  zunehmend als Persönlichkeit in der Welt. 

 


[1] Gudrun Burkhard (1993): Das Leben in die Hand nehmen. Arbeit an der eigenen Biographie, Stuttgart.

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