Krankenhausbetten im DRG-System - Fakten.

1991-2015 sinken die Krankenhausbetten je Einwohner in Deutschland. Im DRG-Fallpauschalensystem kommen seit 2009 immer mehr Betten auf immer weniger Kliniken.

 

Krankenhausbetten im DRG-System - Fakten.

Das statistische Bundesamt hat unlängst die Krankenhausdaten 2015 veröffentlicht (Pressemitteilung Nr. 283/2016 vom 16.08.2016). Auf den ersten Blick bieten die Ergebnisse keine große Überraschungen: Die jährlichen Leistungstrends im deutschen Krankenhausmarkt schreiben sich seit 1991 kontinuierlich fort. Bei genauerer Analyse halten die Zahlen vom Statistisches Bundesamt 2015 aber doch interessante Implikationen bezüglich der Konzentrationstendenzen im Markt bereit:

  • Mit 19,2 Millionen Patienten wurden 2015 mehr Patienten als je zuvor stationär im Krankenhaus behandelt.
  • Ein zentraler ökonomischer Anreizmechanismus des DRG-Systems mit seinen Fallpauschalen ist die Verkürzung der Verweildauer. Der Aufenthalt im Krankenhaus dauerte 2015 über alle Fachdisziplinen (inklusive der psychiatrischen) noch 7,4 Tage (1991: 14 Tage). In Fachabteilungen wie der Augenheilkunde, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kinderchirurgie, Nuklearmedizin werden Verweildauerdurchschnitte von bis zu 4 Tagen nicht mehr überschritten.
  • Ambulantisierung der medizinischen Versorgung und kontinuierlich sinkende Verweildauer in der stationären Versorgung kompensieren die steigende Fallzahlentwicklung über. So sind seit 1991 parallel zur Verweildauerverkürzung auch stetig sinkende Belegungstage zu verzeichnen.
  • Die Zahl aufgestellter Krankenhausplanbetten wurde seit 1991 stetig auf zuletzt 498.000 Betten im DRG-Fallpauschalensystem reduziert. Dies entspricht 60,6 Betten pro 10.000 Einwohner. 1991 war die Ausgangslage noch bei 82,9 Betten pro 10.000 Einwohner.
  • Die durchschnittliche Bettenauslastung sank trotz Bettenabbaus auf 77,6%. Hierbei darf jedoch nicht vergessen werden, dass bei zunehmend kurzer Verweildauer zwangsläufig eine zunehmende Verdichtung der Belegung auf die Wochenarbeitstage erfolgt.
  • Die Betten in öffentlichen Krankenhäusern waren zu 79,4% ausgelastet, in freigemeinnützigen Häusern zu 76,1% und in privaten Häusern zu 75,4%. (bezogen auf 365 Kalendertage). Annähernd jedes zweite Krankenhausbett (48, %) stand dabei in einem Krankenhaus eines öffentlichen Trägers, jedes dritte Bett (33,7%) in einem freigemeinnützigen Haus. Der Anteil der Krankenhausbetten in Einrichtungen privater Träger betrug 18,3%.
  • Die Versorgung erfolgte 2015 mit rund 882.300 Vollkräften (davon 153.900 Ärzte, 320.200 Pflegende).

 

Der Abbau der Krankenhausbettendichte von 1991 bis 2015 von 82,9 auf 60,1 Betten pro 10.000 Einwohner ist massiv. Die Konzentration der stationären Versorgung in Deutschland ging mit einer Reduktion der Krankenhäuser von 2.411 im Jahr 1991 auf aktuell 1.953 Krankenhäuser einher. Preusker, U.K. et. al. (Darstellung und Typologie der Marktaustritte von Krankenhäusern Deutschland 2003 – 201, U. K. Preusker, M. Müschenich, S. Preusker, 2014, Gutachten im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes) haben bereits darauf hingewiesen, dass der der Rückgang der Krankenhauszahlen weit überwiegend auf die Schließung von Abteilungen und Standort- oder Kapazitätsverlagerungen im Zuge von Zusammenlegungen zurückgeht. Vollständige Marktaustritte wurden bis 2013 nur von kleinen und kleinsten Krankenhäusern vollzogen.

Im internationalen Vergleich wird die stationäre Krankenhausversorgung in Deutschland als hoch bezeichnet: Laut Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Deutschland gemessen an der Zahl der Krankenhausbetten je 10 000 Einwohnern zu den 10 von 183 internationalen Ländern mit der höchsten Krankenhausbettendichte:

 

Tab. 1: WHO Krankenhausbettendichte je Land
Betten je 10.000 Einwohner0-2425-4950-7475-99100-124124-149Anzahl gesamt
Länder in Afrika436251
Länder in Amerika249235
Länder in Asien2212521244
Länder in Europa18184141
Länder in Ozeanien55212
Länder gesamt945029622183

 

Dabei hantiert die WHO offenbar noch mit einer Bettendichte von 82,9 für Deutschland. Eine Bereinigung um die Verfügbarkeit eines hochwertigen Medizinangebots, unterschiedliche demographische Strukturen etc. ist in dem Vergleich ebenfalls nicht vorgenommen. Für die Ableitung von Handlungsindikationen fehlt in dieser Diskussion die ethisch zu führende Definition, was eine gewünschte medizinische Versorgung in Deutschland ist und was als Überversorgung bezeichnet wird. Es ist Vorsicht geboten, unkritisch dem Glaubenssatz zu folgen, in Deutschland gäbe es weiterhin zu viele Krankenhausbetten. Zukünftig ist gerade vor dem Hintergrund des demographisch steigenden Anteils der über 60-Jährigen sowie des Fortschritts in Medizin und Technik von einer wieder steigenden Zahl an Belegungstagen auszugehen. Die Konzentration der Bettendichte im deutschen Finanzierungssystem bildet sich in einem interessanten Zeittrend der Betten je Krankenhaus ab:

 

Tab. 2: Betten je Krankenhaus
Jahr199119962001200620112015
Betten je Krankenhaus276257247243245255

 

Hier zeigt sich seit 2009 auf 2010 eine Trendumkehr mit Konzentrationstendenzen in größere Kliniken. Dem aktuellen Finanzierungssystem immanent war bislang der Anreiz, Kostensteigerungen und systematische Deckungslücken wie in der ambulanten Notfallversorgung über Wachstumsstrategien mit zunehmender Leistungsverdichtung abbilden zu müssen. Insofern kann die Zahl der produktiv ausgelastete Krankenhausbetten unter sonst gleichen Bedingungen auch in Zeiten des DRG-Fallpauschalen-Systems durchaus als Wettbewerbsvorteil und Überlebensstrategie gesehen werden.

Zu weiteren Beiträgen
Aktuelles zu Management, Beratung, Coaching und Training in Krankenhäusern
Impulse der Ruhl Consulting AG zu aktuellen Themen rund um Management, Beratung, Coaching und Training in Krankenhäusern

 

 

Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.