Innere Haltung und Charisma - Basis tiefer Kommunikation.

Werden Menschen Führungskraft, sollen sie kommunikative Kompetenzen beherrschen, die in ihrem bisherigen Berufsleben meist nicht in dieser Art notwendig waren.

 

Innere Haltung - Basis stimmiger Kommunikation.

Im Krankenhaus trifft das heute noch mehr zu als in anderen Dienstleistungsbranchen. Von Ärzten und Pflegekräften in Führungsposition wird quasi über Nacht erwartet, ein Team von Mitarbeitern zu führen und den richtigen Ton zu treffen. Nun sollen sie kommunikative Kompetenzen beherrschen, die in ihrem bisherigen Berufsleben zumeist nicht in dieser Art notwendig waren.* 

Vielen Unternehmen ist die Bedeutung gelingender Kommunikation längst bewusst. Sie arbeiten an geschickter Rhetorik, überzeugender Argumentation, passender Formulierung und dem Einsatz der Stimme. Dabei geht Kommunikation weit über die gesprochenen und verstandenen Worte hinaus. Menschen kommunizieren mit Körpersprache, Stimmlage, Tonalität, Mimik und Gestik. Vor allem senden sie unbewusst ständig Signale, die ihre innere Haltung transportieren. Diese Signale sind ausschlaggebend dafür, wie sie und damit auch der Inhalt des Gesagten beim Gegenüber ankommen. Alle äußeren Faktoren, wie die Körperhaltung, hängen von dem ab, was den Menschen im Inneren ausmacht und bewegt. Wirkung ist von daher erst dann wirklich zu verbessern, wenn die Kommunikation „stimmt" und der inneren Überzeugung entspricht. Äußere und innere Haltung beeinflussen sich immer gegenseitig. So  kann sich nur über eine zur inneren Haltung stimmige Kommunikation sowohl bei der Führungskraft selbst als auch bei ihren Mitarbeiter eine klare und auf Dauer stabile Orientierung entwickeln. Um sich seiner inneren Haltung bewusst zu sein, braucht es reflektierte Führungskräfte.

Die innere Haltung hat viele Facetten. Hilfreich ist es, gedanklich die drei Ebenen zu unterscheiden:

  • Die innere Haltung gegenüber sich selbst.
  • Die innere Haltung gegenüber dem Mitarbeiter als Gesprächspartner.
  • Die innere Haltung gegenüber der eigenen Rolle, d. h. die Passung zwischen Führungsrolle und den eigenen Überzeugungen. 

 

Innere Bilder und Charisma - Basis visionärer Kommunikation.

Wirksam zu kommunizieren ist eine notwendige Kernkompetenz von Führungskräften in der Mitarbeiterführung. Eine andere ist die kreative Kraft, Vision und Strategie zu entwickeln. 

Viele Menschen lassen es in ihrem Leben nicht zu, große Träume zu haben und in großen Bildern zu denken. Doch das genau sind ja die gestalterischen Potenziale, die es bei der Führungsarbeit,  v. a. an der Abteilungsspitze braucht. Die Frage, die sich hier stellt ist: Ist visionäre Führung erlernbar? Lässt sich das Führen mit großen Bildern trainieren? Zweierlei ist dafür entscheidend: Vision und Strategie.

Der Begriff der Vision ist im Deutschen völlig entzaubert. Im amerikanischen ist er mit einem fast religiösen Sinn versehen. Die erste Fähigkeit, die für das Führen mit Visionen trainiert werden kann, ist die Präkognition, Rückwärts-Denken: Am Anfang, das Ende im Sinn zu haben. Dabei geht es um einen kreativen Denkprozess. Ein Sich-Einlassen auf etwas Noch-Unsichtbares, noch nicht Bestehendes. Visionäres Denken erfordert das Erzeugen von Bildern. Dieses geschieht in der rechten Hirnhälfte. Gehirnforscher haben herausgefunden, dass dort Bilder und Emotionen erzeugt werden und analoges, kreatives und ganzheitliches Denken möglich ist. Um präkognitives Denken anzuregen, können Übungen helfen, die es ermöglichen, sich aus eingefahrenen Denkmustern zu befreien. Die Wahrnehmung von vorgefertigten Strategien, die uns häufig für Neues blind machen, zu lösen. Visionäres Denken hat damit zu tun, Einfälle zuzulassen, Ideen nicht sofort zu bewerten oder gar zu verurteilen. Und dadurch neue Strukturen im eigenen Denken und Fühlen entstehen zu lassen. Erst in uns und dann auch in unserer Realität des Lebens.

Ein erster Schritt, Präkognition einzuüben, ist es, sich auf die Wahrnehmung des Ist-Zustands zu konzentrieren. Sprich: Vertiefen Sie sich einmal ganz in Ihre aktuelle Situation. Geben Sie sich Zeit und gehen Sie ganz hinein in dieses Bild. Zuerst ohne nach Lösungen zu fragen. Erst, wenn Sie die jetzige Situation in ihren Einzelheiten wahrgenommen haben, lassen Sie die Bilder zu, die zeigen, wie die Lage sein wird, wenn die Probleme gelöst und die Konflikte bearbeitet sind. Sie werden merken: das präkognitive Denken, das lösungsorientiert in die Zukunft schaut, entsteht wie von selbst. Die rechte Hirnhemisphäre wird Ihnen Antworten liefern, wenn Sie sie nur lassen. Und wenn Sie präsent sind und mit großes Bilder führen, steigt Ihre Ausstrahlung, Ihr Charisma. Sie sprechen andere emotional an. 

Um den Weg zur Vision umzusetzen, brauchen Sie ergänzend dazu als zweiten Schritt die Fähigkeit zur Rückwärts-Integration. Diese Technik ist ein bewährter Trick im Aufgabenmanagement. Um Ihr Ziel zu erreichen, stehen Ihnen zwei "Helfer" zur Seite:

  • Emotionen (Das Ziel ist hinreichend attraktiv, um Zugkraft in Ihnen auszulösen und Sie anzutreiben.) 
  • Nähe (Sie haben das Ziel greifbar vor Augen. Die Frage des Wozu ist beantwortet.)

Je stärker die beiden Helfer aktiviert sind, umso einfacher wird es für Sie, Ihren Weg zu verfolgen, auch wenn die erste Begeisterung verflogen ist. Dafür stellen Sie sich vor, Ihr Ziel sei bereits erreicht. Das setzt voraus, dass Sie das Ziel klar gezeichnet haben. Malen Sie sich die Situation genau aus, so, wie sie aussieht, wenn Ihre Vision wahr geworden ist. Schauen Sie bis ins kleinste Detail. Und dann gehen Sie ganz langsam, Schritt für Schritt, den Weg zurück, der Sie dahin gebracht hat. Sie sind jetzt in der Lage zu priorisieren und zu entscheiden, was Ihnen auf dem Weg dahin dienlich ist. Was mussten Sie tun, um es zu verwirklichen? Welche Entscheidungen haben Sie getroffen? Welche Menschen haben Sie mit ins Boot geholt? Worauf mussten Sie achten? Und auch: Was haben Sie dabei gefühlt?

In diesem Prozess entsteht Ordnung. Sie werden eine innere Rangordnung der Prioritäten und einen chronologischen Ablauf erstellen können. Präkognition und Rückwärts-Integration helfen beim Fokus auf das Wesentliche, um große Ziele zu erreichen. Und das ist das eigentliche Wesen der visionären Führung – bei aller operativen Hektik Motivationskraft aus übergeordneten sinnstiftenden Bildern zu ziehen.

 


* Vgl. Spitzer R. B. (2004): Gegen den Strom schwimmen: Die Herausforderungen des Gesundheitswesens. In: Drucker, Peter F,. Paschek P. (Hrsg). Kardinaltugenden effektiver Führung. S. 133–146. In der Literatur ist das Phänomen, dass die Beförderung von Mitarbeitern in die nächste Leitungsebene häufig mehr mit ihrer Fachlichkeit in der aktuellen Position als mit den Anforderungen der neuen Position zu tun hat, als „Peter-Prinzip“ bekannt. Benannt nach dem Urheber der Überlegung Laurence J. Peter. Vgl. Laurence J. Peter; Raymond Hull (1972) Das Peter-Prinzip oder die Hierarchie der Unfähigen, Kapitel 1.

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