Führung und Werkzeuge: Das Beispiel der Feuerwehr.

Führung | Werkzeuge - Der Einsatz von Werkzeugen gibt uns Sicherheit im Alltag. Und doch er kann uns auch zu falschen Schritten verleiten.

 

Werkzeuge in der Führung

Widmen wir uns dem sprichwörtlichen Griff in die Werkzeugkiste.  Oder besser gesagt: einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Werkzeuge. Seien es Werkzeuge zur Gestaltung von Veränderungen, Werkzeuge wie Mitarbeitergespräche oder wie Kennzahlen oder ähnliches.

Im der Führung scheint der Einsatz eines gut bestückten Werkzeugkastens ein Rezept für den Erfolg zu sein. Wie oft wird doch bemängelt, dass Mitarbeitern beim Schritt in die Führung eine gründliche Einarbeitung in das grundlegende Handwerkszeug gefehlt habe.Exzellenz zu entwickeln bedeutet einfach, sich Schritt für Schritt einen Werkzeugkoffer zuzulegen, ihn zu füllen und zu pflegen, zu erweitern -  und dann auch situativ wieder auszusortieren.

Schon Paul Watzlawick hat mit einer Metapher darauf gewiesen:
„Wer nur einen Hammer kennt, für den ist jedes Problem ein Nagel..." 

Denn neben dem Kennen und Beherrschen verschiedener Instrumente in der Routine, gibt es einen weiteren Faktor für den Erfolg in der Anwendung: die Flexibilität im Einsatz und die situative Entscheidung in der Wahl des einen Werkzeugs. Was heißt, ein anderes Werkzeug auch mal wieder zur Seite zu legen.

Werkzeuge bieten eine strukturierten Bearbeitung und Lösung eines Problems. V.a. in Situationen hoher Unsicherheit und Komplexität, wie wir sie in der Führung haben, bieten sie uns Sicherheit und Vereinfachung. So vermittelt z.B. in Veränderungen die Change-Architektur oder Projektplanung Sicherheit und das Gefühl von Steuerbarkeit. Doch scheitern Veränderungen nicht selten auch wegen des Einsatzes von situativ ineffektiven Werkzeugen, an die sich die Menschen aus Angst vor der Orientierungslosigkeit und Ungewissheit klammern.

Teams, die im falschen Moment an ihren Werkzeugen festhalten

Welche Folgen dies haben kann, hat Karl Weick* an einem heftigen Beispiel dargestellt: 1949 und 1994 kamen zwei Feuerwehr- Mannschaften in je ähnlichen Situationen ums Leben. Sie wurden bei bei der Bekämpfung eines Waldbrandes von explodierenden Feuerstellen überrascht. In beiden Fällen wurde der Rückzug durch ihre schweren Werkzeuge wie Schaufeln, Spritzen und Rucksäcke etc. verlangsamt. Trotz klarer Anweisungen, die Werkzeuge zurück zu lassen, ließen die Feuerwehrmänner sie nicht fallen. So kamen beide Trupps ums Leben...

Ein ähnliches Beispiel wird aus dem militärischen Bereich berichtet: Marinesoldaten verweigern immer wieder den Befehl, beim Sinken des Schiffes vor dem Sprung ins Schlauchboot ihre mit Stahl beschwerten Stiefel auszuziehen. Diesem Befehl nicht Folge zu leisten, führt aber oft zum Ertrinken oder Durchlöchern des Bootes.

Karl Weick hat sich mit den Befehlsverweigerungen der Feuerwehrleute - was analog für die Marinesoldaten ebenso gilt - näher beschäftig und folgende Überlegungen angestellt:

  • Einen Grund sieht er in der Halt gebenden Wirkung der Werkzeuge.
  • Damit ist die Überwindung verbunden, sich von dem vermeidlichen Schutz zu verabschieden.
  • Dahinter steht auch die Macht der Routine: Etwas, was einem 100 mal das Leben gerettet hat, kann doch beim 101. Mal nicht zum Tode führen.
  • Zudem fehlten durch das stetige Fokussieren auf die traditionellen Werkzeuge praktische Erfahrungen im Umgang mit Alternativen (z.B. das Anzünden eines Flutfeuers).
  • Des Weiteren wirkten die Werkzeuge für die Feuerwehrleute identitätsstiftend. Das Wegwerfen würde für sie einem Versagen gleich gekommen..

Als Fazit hat Karl Weick einen starken Appell verfasst: „Drop your tools or you will die!“

Er meint dies metaphorisch und appelliert so für den Verzicht jeglichen dogmatischen Einsatzes bewährter Instrumente. Dies stellt nicht den Sinn des Werkzeuges als solches in Frage, sondern ist ein Aufruf, die bewusste Entscheidung der Wahl des Werkzeuges zu schärfen. Um situativ flexibel zu bleiben.

Für uns ist dies ein wichtiger Bestandteil unserer Haltung als Dienstleister. Nur zu oft messen sich Experten mehr an der Reichhaltigkeit und Schönheit ihres Werkzeugkastens als an der passgenauen situativ Richtgen Wahl des Instruments im Kontext der Betroffenen und ihrer Fragestellung.

Pflegen Sie Ihre professionellen Werkzeuge und hinterfragen Sie zugleich immer wieder ihren Zweck. Damit die Mittel nicht zum Zweck an sich werden, sondern Mittel zum Zweck bleiben. Und zwar genauso lange, wie sie dafür dienlich erscheinen... 

  


 

[*] Vgl. auch H. Roehl, B. Winkler, M. J.-Eppler, C. Fröhlich (Hrsg.): Werkzeuge des Wandels – die 30 bekanntesten Tools des Change Managements, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2012 S. 6 ff.

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.