Ende, Michael (Neuauflage 2005)

Momo. Und was wir von ihr lernen können. Weltbestseller, Klassiker, Kultbuch. Thienemann.

Kennen Sie Momo? Die Heldin des gleichnamigen Romans von Michael Ende, der 1973 erstmals erschienen ist, 1974 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde und mittlerweile millionenfach verkauft wurde? Falls sie Momo noch nicht kennen, dann sollten Sie sie unbedingt kennen lernen. Sie besitzt nämlich eine Fähigkeit, auf die sich Führungskräfte in der heutigen Zeit zurück besinnen sollten. Aber lesen Sie selbst:

... Und so kam es, dass Momo sehr viel Besuch hatte. Man sah fast immer jemand bei ihr sitzen, der angelegentlich mit ihr redete. Und wer sie brauchte und nicht kommen konnte, schickte nach ihr, um sie zu holen. Und wer noch nicht gemerkt hatte, dass er sie brauchte, zu dem sagten die anderen: "Geh doch zu Momo!"

Aber warum? War Momo vielleicht so unglaublich klug, dass sie jedem Menschen einen guten Rat geben konnte? Fand sie immer die richtigen Worte, wenn jemand Trost brauchte? Konnte sie weise und gerechte Urteile fällen? Nein, das alles konnte Momo genauso wenig wie jedes andere Kind. Konnte Momo dann vielleicht etwas, das die Leute in gute Laune versetzte? Konnte sie zum Beispiel besonders schön singen? Oder konnte sie irgendein Instrument spielen? Oder konnte sie – weil sie doch in einer Art Zirkus wohnte – am Ende gar tanzen oder akrobatische Kunststücke vorführen? Nein, das war es auch nicht. Konnte sie vielleicht zaubern? Wusste sie irgendeinen geheimnisvollen Spruch, mit dem man alle Sorgen und Nöte vertreiben konnte? Konnte sie aus der Hand lesen oder sonst wie die Zukunft voraussagen? Nichts von alledem.

Was die kleine Momo konnte wie kein andere, das war: Zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, Zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.

Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie im ihm stecken. Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte. Dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war.

So konnte Momo zuhören!

Mehr über das aktive Zuhören und entsprechende Gesprächsmodelle erfahren Sie in unseren Seminaren rund um Kommunikation und Management. Es ist kein Zufall, dass die Fähigkeit des aktiven Zuhörens gerade in einem modernen Zeitmanagement-Märchen einen zentralen Part einnimmt...

 

 

Michael Ende: Momo. Thienemann, 2005.

 

Einen Blick ins Buch werfen oder direkt bestellen (Amazon)

 

 

 

 

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Unsere Buchtipps.

Um zu Nachdenken und Weiterentwicklung zu inspirieren.

Sich immer wieder fort- und weiterzubilden ist v. a. für Kopfarbeiter wichtig. Zum einen wird in der vernetzten Welt Wissen in z.T. höchster Qualität virtuell geteilt. Offen im Web. Es kann so in kürzester Zeit in neuen Kontexten neu verknüpft werden. Dazu leisten auch wir bewusst einen Beitrag. Zum anderen wird die Kommunikation von Mensch zu Mensch zentraler. Das gibt dem Menschen die Würde. Und nur so lässt sich Wissen in die Umsetzung bringen. Dies unterstützen wir aktiv in Coachings und Trainings.

Führungskräfte sind für die Weiterentwicklung von Teams verantwortlich. Gerade Führungskräfte leben daher von Distanznahme und Reflexion. Um immer neue Anregungen und Impulse zu gewinnen, ist ein ganz schöner Weg: Von Zeit zu Zeit ein Buch in die Hand nehmen. Wir schätzen Bücher hoch. Für einen oft sehr geringen Stückpreis erhalten Leser die über oft lange Jahre entfalteten Gedanken von Autoren zu einem Thema. Das kann ein wertvolles Geschenk sein. Das ist sehr wert zu schätzen. Und wir sind sicher, dass gerade auch unsere Seminarteilnehmer profitieren, wenn Sie ein Buch zur weiteren Vertiefung eines Gedankens zur Hand nehmen. So haben wir es uns zur Regel gemacht, regelmäßig auf unseren Seiten interessante Bücher vorzustellen und zu rezensieren. Lassen Sie sich auch von den Buchtipps inspirieren.

Lesen kann zum Gewinn für die persönliche Entwicklung werden. Manchmal genügt schon ein schnelles Drüberlesen, um sich neue Anregungen zu holen. Für Verstehen braucht es meist aber eine tiefere Auseinandersetzung mit den Texten. Das entspricht ganz praktisch dem Kern wissenschaftlichen Arbeitens. Von wem sind die Texte in welchem Kontext erstellt? Welche Lehren will der Autor/ die Autorin vermitteln? Welche Orientierung in der komplexen Welt will er/sie geben? Also welches Denkmodell steckt dahinter? Dabei gibt es auch viele Irrlehren. Irrlehren verstricken sich in Widerspruch zu sich selbst. Und so bieten auch solche Bücher im Zweifel zumindest ein gutes Trainingsfeld für einen wachen Geist.

Was ist als das Ziel des Autors zu erkennen? Welche Bewertung von "gut" und von "schlecht" ist damit verknüpft? Gutes denken, Gutes tun, Gutes bewirken? Was ist der Maßstab?  Das ergründet sich nicht einfach so. Je freier der Kopf beim Lesen ist, umso leichter fällt es, sich auf neues Denken einzulassen. Und umso leichter können daraus weitere Gedanken gedeihen. Davon hängt Verstehen ab. Vorgefasste Meinungen, ererbte und erworbene Ideen sind nicht einfach abzulegen. Dazu bedarf es Bereitschaft. Die ich ggf. nicht jedem Autor mehr entgegenbringen mag. Doch wenn sich der Leser bewusst auf Neues einlässt, wird sich sein Blickfeld weiten. Dazu braucht es Ruhe und ungestörte Zeit beim Lesen.

Die einzelnen empfohlenen Bücher haben wir direkt mit den Buchinformationen bei Amazon verknüpft. Die Ruhl Consulting AG nimmt am Partnerprogramm von Amazon EU teil. Wenn Sie dem Link folgen und das Buch dort bei Amazon bestellen, erhalten wir eine Erstattung von Amazon. Wir verfolgen damit keine kommerziellen Interessen. Alle Erstattungen spenden wir unsererseits seit Jahren an das SOS Kinderdorf in Swaziland

Viele Bücher sind heute übrigens auch als Hörbücher verfügbar…

 

 

Buchtipp zum Führen und Managen in Kliniken
Buchtipp - Impulse zum Führen und Managen in Kliniken
Zu weiteren Beiträgen

 

 

Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.