E-Health-Gesetz und elektronischer Arztbrief.

Das E-Health-Gesetz fordert den Anschluss an die Telematik. Doch in Sachen IT gestützte Prozesse ist in Kliniken noch ein weiter Weg zu gehen.

 

E-Health-Gesetz und elektronischer Arztbrief.

Das "Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen" (E-Health-Gesetz) wird 2016 in Kraft treten. Bis Mitte 2018 sollen Praxen, Kliniken, Apotheken, Kassen und Versicherte bundesweit an die Telematik angeschlossen sein. Das klingt nach einem Zeitsprung in das digitale Zeitalter. Und nach einer neuen Qualität der Zusammenarbeit über alle Sektoren. 

Patienten sollen in die Lage versetzt sein, ihre Behandler über die wichtigen Daten wie Arztbriefe und Medikationen aktuell und umfänglich zu informieren. So entstehen durch die Vernetzung etwa Optionen, riskante Wechselwirkungen von Medikamenten zu vermeiden. An der Technik wird zwar erst noch mit Hochdruck gearbeitet. Doch das Ziel ist edel: Durch elektronische Vernetzung der Akteure soll sich die medizinische Versorgung des Patienten verbessern.

Und doch: Die Praxis ist noch weit davon entfernt. Kliniken sollten Maßnahmen für die eigene Entwicklung nutzen können und die Versorgung damit verbessern können. Dann – und nur dann! - liegt hinter dem Beschluss der Bundesregierung eine echte Chance. Doch so lange Kliniken noch starr als hierarchische Systeme organisiert sind, bleibt fraglich, ob denn das nötige Umfeld besteht, um das Gesetz fruchtbar machen zu können:

  • Ob und wie kann es ohne massive zusätzliche finanzielle Mittel gelingen, insb. mit dem bestehenden Innovations- und Entwicklungsstau, die technischen Bedingungen zu schaffen?
  • Sind Kliniken heute für Prozessorganisationen offen, die ein hohes Maß an ärztlicher Verbindlichkeit, Transparenz und geteilter Verantwortung auf mehreren Schultern benötigen? Erfordert das nicht viel mehr Vernetzung und Augenhöhe in der Zusammenarbeit?
  • Inwieweit fühlen sich Kliniken angesichts der seit Jahren zunehmenden Leistungsdichte schlicht davon überfordert? Weil eben Unterstützer fehlen, auf deren Schultern sich die Last verteilt?

 

Die Chance: Umdenken in der Zusammenarbeit

Ein Ausweg kann darin liegen, das Gesetz als Schritt zur Zusammenarbeit der Berufsgruppen, Bereiche und Sektoren zu sehen und in kleinen Schritten auf den Weg zu gehen. Der Gesetzgeber setzt Impulse und Anreize, um die Entwicklung zu fördern. Und die Kliniken sind gefordert, dies mit Leben zu füllen. So müsste z.B. die elektronische Schnittstelle zum Arztbrief zur internen Verbesserung des Prozesses rund um die Dokumentation genutzt werden.[1]

In Zeiten der DRG müssen Patienten i. Allg. unmittelbar bei Erreichen des Hauptziels der Behandlung entlassen oder an weiter versorgende Einrichtungen übergeben werden. Ein fachärztlich endgültig freigegebener Entlassbrief, der gut für den Nachversorger strukturiert und für alle am Prozess Beteiligten verfügbar ist, hilft sehr. Wenn er in kurzer Frist, am besten zur Entlassung erfolgt. Realiter jedoch finden wir immer wieder Laufzeiten bei den Arztbriefen von 2-3 Wochen und sogar mehr vor. Dies einfach elektronisch umzustellen, ginge am Potenzial vorbei. Welchen Wert hat ein Brief, der so spät beim Einweiser eingeht? Das Ziel kann in der Tat nur sein, den Zeitverzug zu minimieren. Dazu braucht es Strukturen in den Kliniken. Es macht dabei viel Sinn, IT und Prozess gemeinsam zu betrachten. Würde es zudem gelingen, einen kollegialen Austausch von Arzt zu Arzt mit persönlicher „Übergabe“ des Patienten zu etablieren, kann eine neue Qualität im Verhältnis zwischen Arzt und Patient entstehen. Davon profitiert dann auch die Klinik.

Die IT sollte immer die definierten Prozesse unterstützen: So ist das Ziel klar, morgens die Patienten mit fertigem Arztbrief zu entlassen, die anwesenden Patienten zu versorgen und dann elektive Patienten  bzw. die Patienten aus der Notaufnahme aufzunehmen. Doch wenn es um das Konkretisieren geht – d.h. der Patient soll morgens sein Zimmer verlassen, damit es dem nächsten Patienten wieder zur Verfügung steht, werden immer wieder zahlreiche Hindernisse zitiert. Dabei schafft das Festlegen einer Entlasszeit die Basis für das Bettenmanagement und erleichtert allen auf Station das koordinierte (Zu-) Arbeiten. Der Patient selbst profitiert davon: kurze Wartezeiten bei der Entlassung ebenso wie bei der Aufnahme, mehr Transparenz zum eigenen Gesundheitszustand durch laufende enge Einbindung in die Behandlung sind zwei zentrale Argumente. Angehörige können sich organisieren – wenn sie sich nur rechtzeitig auf den Entlasstermin einstellen können. Patient und/ bzw. Angehöriger sind durch die laufende Entlassplanung auch organisatorisch in den Prozess einbezogen. Und die Übergabe des Arztbriefes etwa bis 9 Uhr am Entlasstag durch den Arzt schafft einen guten letzten Eindruck zur Qualität der Organisation. Dies stärkt das Arzt-Patienten-Vertrauen und im direkten Gespräch lösen sich Bedenken gegen die Entlassung bald in Luft auf...

 

 


[1] Mit unserem Partner Samedi decken wir hierzu auch die netzwerkseitige Erfahrung rund um den elektronischen Arztbrief ab.

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