Das Loch in der Straße: Fallen und Lernkurve des Lebens

Lernkurve | Veränderung - Um im Leben wirklich weiter zu kommen und über sich selbst hinaus zu wachsen, gilt es, nicht ewig in die gleichen Fallen zu tappen.

 

Für viele Menschen liegt zwischen den Jahren eine ruhigere Zeit der Reflexion. Kaum eine Zeit markiert in unserem Kulturkreis so klar das, was wir im Alltag oft missachten: die Pausen. Zwischenräume und -zeiten, die uns von einem zum anderen geleiten. Von dem was war, zu dem was kommt. Erst das Unterbrechen von Gewohnheiten und Innehalten führt uns zu Erkenntnis, Erfahrungen und zu neuen Impulsen im Leben.

Unser Verstand, hat vielleicht schon lange die Einsicht und weiß, was wir ändern sollten. Aber es dringt nicht zu uns durch. Das Unterbewusstsein folgt anderen Reizen. Und so hält uns die Gewohnheit auf den alten Spuren fest, die sich vertraut anfühlen. Uns gelingt es dann im Routine Modus nicht, den Blick auf einen neuen Weg hin zu wenden. Sich zu verändern, ist offenbar ein Prozess für uns Mensch, dem eine Intervention, ein Unterbrechen des Gewohnten, voraus geht. Dann beginnen wir die Erfahrungen zu verarbeiten und neu anzusetzen.

Auf unserer Lernspirale dauert es so manchmal recht lange, bis wir in unserem Routine Modus endlich nicht mehr in die alten Fallen tappen. Was hier passiert, beschreibt die Metapher vom Loch in der Straße anschaulich:*

  •   Ich gehe die Straße entlang.
      Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
      Ich falle hinein.
      Ich bin verzweifelt.
      Es ist nicht meine Schuld.
      Es dauert endlos, wieder herauszukommen.
  •   Ich gehe dieselbe Straße entlang.
      Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich tue so, als sähe ich es nicht.
      Ich falle wieder hinein.
      Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
      Aber es ist nicht meine Schuld.
      Immer noch dauert es sehr lange, wieder herauszukommen. 
  •   Ich gehe dieselbe Straße entlang.
      Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich sehe es.
      Ich falle noch einmal hinein… aus Gewohnheit.
      Meine Augen sind offen. Ich weiß, wo ich bin.
      Es ist meine eigene Schuld.
      Ich komme sofort heraus.
  •   Ich gehe dieselbe Straße entlang.
      Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
      Ich gehe darum herum.
  •   Ich gehe eine andere Straße.

Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen die anderen Straßen zu entdecken. Manchmal braucht es dazu einfach mal einen anderen Impuls jenseits der eigenen Betriebsblindheit.

Hierzu noch ein Beispiel in Anlehnung an eine wahre Begebenheit aus unserem Leben:

  • Unsere pubertierende Tochter kommt am Montag nach Hause und wir fragen sie, wie es in der Schule war. Sie sagt "Gut.". Punkt. Keine Bereitschaft, uns in ihre Erlebnisse einblicken zu lassen. Also fragen wir nochmal nach, da wir gerne an ihrem Leben teilhaben möchten. Die Quittung lautet: "Mama/ Papa. Ihr nervt." Ein Gespräch kommt nicht in Fluss.
  • Am Dienstag die gleiche Frage "Wie war es in der Schule", und  die gleiche Antwort "Gut". Jetzt fragen wir aber nicht nochmal nach, sondern stellen konkretere Fragen, z.B. nach dem Lateintest. Doch nach fünf Minuten gefühlter Ausfragerei, wieder die Bestätigung: "Mama/ Papa. Ihr nervt." So richtig inspirierend war das Gespräch nicht.
  • Am Mittwoch denken wir daran, nicht wieder in die "Wie war es in der Schule" Fall zu tappen. Also fragen wir nur kurz: "Und?". Die Antwort "Was, und?". "Was gab es in der Schule?". Mist. Die Falle schnappt schon wieder zu. Die Antwort: "Könnt ihr es mal lassen? Ich will jetzt meine Ruhe haben. Ihr nervt." Endlich reift die Erkenntnis, es macht  doch gar keinen Sinn, unsere Tochter direkt nach beim Betreten der Wohnung mit Fragen zu überfallen. Sie möchte erst einmal einen Augenblick Ruhe.
  • Am Donnerstag. Sie kommt strahlend nach Hause. Da rutscht sie uns schon wieder heraus - die Frage  "Und wie war's?". Wir merken es sofort und ärgern uns. Da hält sie uns einen Instagram Bilderspruch mit folgendem Wortwechsel unter die Nase: "Und wie war es?" - "Gut." - "Wahnsinn. Wenn Du erzählst habe ich immer das Gefühl, dabei gewesen zu sein." Wir lachen alle zusammen üher uns selbst.
  • Freitag. Sie kommt nach Hause. Wir sagen "Schön, dass du da bist." Sie strahlt.
  • In Wahrheit sind wir nie fünf Tage am Stück zu Hause und so hat sich das Lernen über einen erheblich längeren Zeitraum hingezogen. Auch von pubertierenden Kindern und der Gleichwertigkeit Ihrer Bedürfnisse lässt sich eben eine Menge lernen. Wenn zur Erkenntnis dann noch der passende impuls hinzukommt, dann lassen sich ab morgen neue Wege gehen.

     


    * Nach der „Autobiographie in fünf Kapiteln“ vom buddhistischen Mönch Nyoshul Khenpos, zitiert in Sogyal Rinpoche: Das tibetische Totenbuch vom Leben und Sterben: Ein Schlüssel zum tieferen Verständnis von Leben und Tod.

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