Bohm, David n(8. Auflage 2017)

Der Dialog. Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart.

Der Physiker David Bohm (1917-1992), von dem Einstein sagte, er sei der Einzige, der über die Quantentheorie hinauskommen könnte, hat in seinem Klassiker „Der Dialog“ eine neue Form der Gesprächskultur aufgezeigt. Der Dialog, wie Bohm ihn versteht, ist ein vielschichtiger Prozess, der über die typische Vorstellung von Gespräch und Gedankenaustausch weit hinausgeht. In diesem Prozess wird eine ungewöhnliche Bandbreite menschlicher Erfahrungen erkundet: u. a. unsere tiefsitzenden Wertvorstellungen, Wesen und Intensität der Emotionen, die Muster unserer Denkprozesse oder die Bedeutung tradierter kultureller Mythen.

Dialog bedeutet für Bohm, gemeinsam etwas Neues zu schaffen und nicht sich bereits Bekanntes mitzuteilen: „Und wenn wir in der Lage sind, alle Ansichten gleichermaßen zu betrachten, werden wir vielleicht fähig, uns auf kreative Weise in eine neue Richtung zu bewegen. Wir können einfach das Verständnis der verschiedenen Bedeutungen teilen. Und wenn wir das tun, zeigt sich vielleicht unangekündigt die Wahrheit – ohne dass wir sie gesucht hätten.“

Doch dafür müssten die Gesprächspartner in der Lage sein, einander uneingeschränkt und vorurteilsfrei zuzuhören, ohne zu versuchen, sich gegenseitig zu beeinflussen. Wenn zwei Menschen einander nur bestimmte Vorstellungen oder Ansichten mitteilen wollen, als handle es sich dabei um Informationen, werden sie kaum zusammen kommen. Denn ein jeder wird den anderen nur durch einen Schutzschild seiner eigenen Gedanken hören, an denen er festhält und die er verteidigt.“

Der Dialog fängt also dort an, wo die Diskussionen aufhören..

Etwas, das wir in unseren Besprechungen, Meetings oder Konferenzen ein Stück weit verlernt haben. Das Buch setzt sich aus Essays oder Seminarabschriften von Bohm zusammen. Es ist ein philosophisches Buch und als solches fordert es auf, tiefer über unsere Gesprächskultur nachzudenken und die Vision eines anderen Miteinanders zu teilen:

Der Dialog öffnet Horizonte und bildet einen 'Sinn-Fluss', der unter uns, durch uns hindurch und zwischen uns fließt..

 

David Bohm: Der Dialog. Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen. Klett-Cotta. 8 Auflage 2017.

 

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Lesen kann zum Gewinn für die persönliche Entwicklung werden. Manchmal genügt schon ein schnelles Drüberlesen, um sich neue Anregungen zu holen. Für Verstehen braucht es meist aber eine tiefere Auseinandersetzung mit den Texten. Das entspricht ganz praktisch dem Kern wissenschaftlichen Arbeitens. Von wem sind die Texte in welchem Kontext erstellt? Welche Lehren will der Autor/ die Autorin vermitteln? Welche Orientierung in der komplexen Welt will er/sie geben? Also welches Denkmodell steckt dahinter? Dabei gibt es auch viele Irrlehren. Irrlehren verstricken sich in Widerspruch zu sich selbst. Und so bieten auch solche Bücher im Zweifel zumindest ein gutes Trainingsfeld für einen wachen Geist.

Was ist als das Ziel des Autors zu erkennen? Welche Bewertung von "gut" und von "schlecht" ist damit verknüpft? Gutes denken, Gutes tun, Gutes bewirken? Was ist der Maßstab?  Das ergründet sich nicht einfach so. Je freier der Kopf beim Lesen ist, umso leichter fällt es, sich auf neues Denken einzulassen. Und umso leichter können daraus weitere Gedanken gedeihen. Davon hängt Verstehen ab. Vorgefasste Meinungen, ererbte und erworbene Ideen sind nicht einfach abzulegen. Dazu bedarf es Bereitschaft. Die ich ggf. nicht jedem Autor mehr entgegenbringen mag. Doch wenn sich der Leser bewusst auf Neues einlässt, wird sich sein Blickfeld weiten. Dazu braucht es Ruhe und ungestörte Zeit beim Lesen.

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