Alles in Ordnung? - Von Hausfrauen und Künstlern.

Haben Sie sich schon einmal Gedanken über die Ordnung in den Krankenhausfluren gemacht? Und was hat das alles mit der Arbeit von Hausfrauen und Künstlern zu tun hat?

 

Alles in Ordnung?

Fritz B. Simon stellt zwei Arten von Tätigkeit in einer arbeitsteiligen Welt einander gegenüber: Die Arbeit der Hausfrauen und die Arbeit der Künstler. Zugegeben - er bediente sich hier Klischées, um seine Botschaft zu inszenieren... [1]

Ein Mann kam von der Arbeit nach Hause und fand seine drei kleinen Kinder vergnügt draußen im Garten spielen. Sie waren noch in ihren Schlafanzügen und hatten Chips-Tüten in der Hand. Die Tür zum Haus stand offen. Vom Hund war weit und breit nichts zu sehen. Der Mann ging erst einmal durch die Tür ins Haus und fand drinnen eine Verwüstung vor. Eine Lampe war umgeworfen, der Fernseher lief laut auf dem Kinder-Kanal und im Wohnzimmer lagen überall Spielsachen und Kleider verstreut. In der Küche füllte dreckiges Geschirr das Becken, das Frühstück stand noch auf dem Esstisch. Schnell lief er die Treppe hinauf, um nach seiner Frau zu suchen. Es musste etwas Schlimmes vorgefallen sein...

Als er im Schlafzimmer ankam, fand er seine Frau noch im Schlafanzug. Dort lag sie einen Roman lesend im Bett. Sie blickte zu ihm auf, lächelte und fragte, wie sein Tag war. Er sah sie verwirrt an und fragte, was heute passiert sei? Sie antwortete, "Du fragst mich doch jeden Tag, wenn Du von der Arbeit nach Hause kommst, was in aller Welt ich den ganzen Tag getan habe." Er blickte sie noch immer verständnislos an. Da sprach sie weiter: "Naja, heute habe ich es das alles einfach einmal nicht getan...".

 

Die Arbeit von Hausfrauen und von Künstlern.

Fragen Sie sich, was diese Geschichte mit dem Thema Arbeit und Führung - und gar noch im Krankenhaus -zu tun hat? Vielleicht haben Sie schon eine erste Idee?

Fritz B. Simon stellt zwei klassische Typen von Tätigkeiten gegenüber:[1,2] 

  • die „Künstlerarbeit“, die kreativ ist, an Veränderungen und Überraschung orientiert ist, und
  • die „Hausfrauenarbeit“, die die bestehende Ordnung aufrechterhält,  Normalität und Routine sichert.

Alle Arbeiten sind mehr oder weniger aus beiden Anteilen zusammengesetzt. Die Anteile beider Typen unterscheidet sich von Job zu Job. Blickt man mit dieser Brille auf das Thema Führung, so ist ein großer Teil der Aufgabe im Management einfach wie „Hausfrauenarbeit“. Sie hat wie Hausfrauenarbeit zwei Charakteristika:

  • zum einen neigen andere dazu, sie erst zu bemerken, wenn sie nicht mehr stattfindet und der Arbeitsbereich im Chaos zu versinken beginnt und
  • zum anderen ist sie eine andauernde Aufgabe, die jeden Tag aufs Neue erledigt werden möchte. Führung hat dauernd mit der Pflege des Arbeitsraumes zu tun. Diese Seite der Führung findet jedoch wenig Beachtung und wird in der dafür benötigten Zeit stark unterschätzt. Darin teilt sie das Los der Hausfrauenarbeit.

Führungskräfte, die lieber auf die schillernde gestaltende "Künstlerarbeit" der Führung stehen, sollten sich also beizeiten nach einer guten Haushaltshilfe umsehen und all den Mitarbeitern, die für die nötigen Routineaufgaben zuständig sind und es darin zur Meisterschaft bringen, die nötige Dankbarkeit und Anerkennung zollen... Denn sie sind es, die Sorge tragen, dass der Alltag nicht nur aus Improvisation besteht. Sind die verbindlichen Routinen ist einer Grundordnung aufrechterhalten und wird dafür keine  unnötige Energie verschwendet, dann kann statt dessen kann die Kraft fokussiert in die Neues gesteckt werden.

 

Von der Ordnung im Krankenhaus - innen wie außen.

Nun aber zu den engen Krankenhausfluren. Was wenn Mülleimer, frische Betten, verschmutzte Betten, Getränkekisten, Hilfsmittel von Ständern über Bettpfannen bis hin zu Rollstühlen usw. die Flure belagern? Ist im eigenen Bereich in der Tat schon rein optisch nicht alles in Ordnung, dann ist es wohl an der Zeit, gründlich aufzuräumen. Bevor sich das Chaos weiter ausbreitet und die Führung des Alltags ganz verloren geht. Nur wenn Ballast systematisch ausrangiert und Durcheinander geordnet wird, muss keine unnötige Energie für das Beherrschen des Chaos aufgebracht werden. Dann kommt die Energie zurück und es kann Raum für Neues entstehen.

Doch leichter gesagt als getan? Schließlich stammt das Gros der Unordnung im eigenen Bereich ja von anderen, oder? Wahrscheinlich von Künstlern, die außerhalb des eigenen Autoritätsbereichs, aber in diesen hinein agieren? Soll mir das nicht egal sein? Muss ich da in die Verantwortung hüpfen? Spätestens wenn sich diese Frage zeigt, wird klar, in unsere Führungsteam ist tatsächlich etwas nicht in Ordnung (etwa im Geben und Nehmen). Wir sollten hier anfangen und für Hygiene und Brandschutz sorgen...

Es ist wie beim Aufräumen: Wenn ich erkenne, wie riesig die Aufgabe ist, wie viele Dinge zu tun sind, dann bin ich schnell frustriert. Ich weiß nicht, wo anfangen und woher die Zeit dafür nehmen. Schaue ich also lieber erst gar nicht hin? Natürlich nicht, wenn sich etwas ändern soll! Hier kann ich gut üben, alle Instrumente des Zeitmanagements einzusetzen (Zeitbudget festlegen, Teile sinnvoll, delegieren, kleine Schritte planen, priorisieren, planen von Quick Wins, kleine Erfolge feiern,...). Bald ein „Quick Win“ erreicht zu haben, das gibt mir und meinem Umfeld Mut und Motivation für den nächsten Schritt.

In der Tat ist ein Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Ordnung in einer Organisation zu beobachten. Dort wo alles sauber, ordentlich, frei von Gerümpel ist – da laufen auch Prozesse und verbindliche Regeln der Zusammenarbeit besser.[3] Da gibt es Mitglieder im Team, die hinschauen und nicht akzeptieren, dass etwa Dinge wahllos abgestellt werden statt an den rechten Aufbewahrungsort zurück gebracht zu werden. Oder dass die benutzten Kaffeetassen nicht abgeräumt werden. Ordnung kommt nicht von selbst, da stehen immer Menschen dahinter, die die  Verantwortung übernehmen und Unordnung im Team nicht akzeptieren. Und irgendwie scheint ohne das äußere Gerümpel auch die Arbeitsatmosphäre und das Füreinander leichter zu werden. Es dient also einem wichtigen Sinn: dem Miteinander. Also Schluss mit der Aufschieberitis – und ran an die gezielte Aufräumaktion. Auch wenn es im ersten Schritt nur der eigene Schreibtisch ist...

 


[1] Vgl. Simon, Fritz B. (1992): "Radikale" Marktwirtschaft. Grundlagen des systemischen Managements, Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg.

[2] Vgl. Seliger, Ruth (2008): Das Dschungelbuch der Führung – Ein Navigationssystem für Führungskräfte, Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg.

[3] Vgl. Kingston, Karen (2014): Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags: Richtig ausmisten. Gerümpelfrei bleiben. rororo Verlag, 2. Auflage.

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.