# 10. Das Spannungsfeld der Pole

Lernen von den alten Märchen: Bringen Sie die Gegensätze auf den Punkt. Wie Märchen ausgehen, wissen Sie ja: Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage…

 

Die böse Hexe, die gute Fee. Der hinterlistige Zauberer, der dienstbare Geist. In den alten Märchen - da ist die Welt in klarer Ordnung. Da gibt es Gut und Böse. Hell und Dunkel. Und nichts dazwischen. Ganz einfach, ganz klar.

Sie und wir wissen: das wahre Leben ist differenzierter. Licht und Schatten bedingen einander. Zwischen Schwarz und Weiß gibt es unzählige Farbtöne. Und doch hilft das Polarisieren gerade in das Chaos des Wandels Orientierung zu bringen. Modelle. Landkarten, Polaritäten sind nicht Realitäten, sondern Abgrenzungen. Unser Denken und Bewusstwerden kann nur in Begriffen funktionieren und Definitionen sind immer Abgrenzungen Sie heben durch die Reduktion der Realität einen Aspekt hervor und machen Dinge dadurch fassbar. Wer Veränderungen auslösen will, braucht auch Mut zum Reduzieren. Im Extrem der Pole entsteht Erkenntnis. Ein Weg lässt sich klarer vor sich sehen. Ist das nicht populistisch? Stammtisch Stil? Schubladendenken auf die Spitze getrieben? Das ist es! Und es orientiert ungemein. Nicht zuletzt ist das ja auch der Sinn von Märchen.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf der Waage mit 5 Kilo zuviel. Gründe sind schnell analysiert: zu wenig Bewegung, dafür immer ein bißchen zu viel Kalorien, und, und, und. Es gibt viele Gründen, warum die Situation so ist, wie sie ist. Solange wir aber nur analysieren, kommen wir nicht ins Handeln und es ändert sich nichts. Was wir jetzt brauchen, ist eine einfache klare Polarisierung, die uns emotional antriggert, und uns unbewusst zum Tun bringt. Z.B. auf der einen Seite ein Bild wie gut wir uns im trainierten Körper fühlen und bewegen. Da wollen wir hin! Das ist der Pol, der anzieht. Ein  "Schatten" Pol macht uns auf der anderen Seite darauf aufmerksam, wie wir unmerklich auf Übergewicht und Trägheit zusteuern - da wollen wir auf keinen Fall hin! Wenn die Pole klar und stark genug sind, treffen wir eine klare Wahl, die dem Unterbewusstsein den Weg ins Tun weist. Wir haben klar, was wir wollen und was nicht. Damit fangen wir an. Es geht dabei nicht um übergroße Schritte, nicht um 100%, nicht um die 5 Kilo, sondern um Entschiedenheit mit Konsequenz und Dauer. Darum, die Dualität deutlich vor Augen zu haben - und sie zugleich im Handeln zu überwinden, so kommen wir in ein rechtes Maß. So wie bei Yin und Yan, Schwarz und Weiß. Das Gutes kann ja erst durch sein Fehlen erkannt und relevant werden. Man könnte auch sagen: Das Gute wird durch das Böse als solches erst unterscheidbar. Beide Pole sind nur extreme Ausprägungen auf der gleichen Skala.

Wenn wir Neues schaffen wollen, müssen wir wissen, was wir an Zuviel loslassen. Nicht nur an Übergewicht. Durch das Bewusstsein wird es integriert. Es hatte ja bis gestern seine guten Gründe. Wenn Sie mit Ihrem Team ins Morgen starten möchten, dann dürfen Sie bewusst haben, was Sie vom Gestern hinter sich lassen. Eine Veränderung wird nur dann gelingen, wenn sie einen klaren Unterschied macht zwischen dem Start und dem Ziel. Nur dann lässt sich ein Weg aufzeigen. Es geht darum, sich auf den Weg zu den Dingen hin zu machen. Und für den Anstoß braucht es zum Bewusstmachen gelegentlich gekonnte Schwarz/ Weiß Malerei. Bringen Sie die Gegensätze auf den Punkt! Wie Märchen ausgehen, wissen Sie ja: Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage…

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