Zweifel und Trotz in der Veränderung

Zweifel | Trotz - Erfolg und Scheitern liegen nahe beieinander. Manchmal müssen wir durch eine harte Phase des Scheiterns, um auf unserem Weg erfolgreich zu werden.

Erfolg und Scheitern liegen nahe beieinander. Manchmal müssen wir durch eine harte Krise, bevor wir auf unserem Weg erfolgreich werden. Dazu braucht es eine große Portion Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Talente. Und auch eine gewisse Hartnäckigkeit, sich nicht von dem eigenen Vorhaben abbringen zu lassen. Zweifel und Trotz sind dabei wunderbare Ressourcen, um den eigenen Weg weiter zu verfolgen. In der Situation ist das nicht wirklich leicht. Doch die Welt wäre um einiges ärmer, gäbe es nicht immer wieder Menschen, die uns genau das vormachen.

Und zeigen, dass sich der Weg mit allen seinen Höhen und Tiefen am Ende gelohnt hat. Schauen Sie selbst*:

  1. Nach Fred Astaires ersten Probeaufnahmen hieß es in der Notiz des Aufnahmeleiters von MGM aus dem Jahre 1933 über die spätere Top5 der Filmlegenden mit den berühmten Stepptanzeinlagen: »Kann nicht singen, kann nicht schauspielern, hat eine leichte Stirnglatze, aber kann ein wenig tanzen.« Astaire bewahrte diese Notiz über seinem Kamin in seinem Haus in Beverly Hills auf.
  2. Die Eltern des berühmten Opernsängers Enrico Caruso wollten, dass er Ingenieur werden sollte. Sein Lehrer sagte, dass er überhaupt keine Stimme habe und nicht singen könne.
  3. Walter Elias „Walt“ Disney wurde wegen einem Mangel an kreativen Ideen von einem Zeitungsherausgeber gefeuert. Er ging mehrere Male bankrott, bevor er seinen Zeichentrickfilm-Imperium, Fernsehproduktionen und mit Disneyland mehrfacher Milliardär wurde.
  4. Top-Verkäufer Colonel Harland wurde mehrmals gefeuert, weil er aufmüpfig gegenüber Vorgesetzten gewesen sein und sich mit Kollegen sogar geprügelt haben soll. Als er sich selbstständig machte, ging er im Alter von 65 Jahren pleite. Danach reiste er durch das Land und verkaufte frittierte Hähnchenschenkel. Nicht einmal zehn Jahre hat es gedauert, da hatte Harland ein riesiges Imperium aus 600 KFC-Läden aufgebaut.
  5. Das Universalgenie Albert Einstein sprach nicht, bevor er vier war, und konnte nicht lesen, bis er sieben war. Seine Lehrer beschrieben ihn als »geistig langsam, ungesellig und immer in seine törichten Träume abschweifend.« Er wurde von der Schule gewiesen, und ihm wurde der Zugang zur Technischen Hochschule Zürich verweigert.
  6. Charles Darwin, Vater der Evolutionstheorie, schrieb in seiner Autobiographie: »Ich wurde von all meinen Meistern und von meinem Vater als ein sehr gewöhnlicher Junge angesehen, eher unterhalb der üblichen Norm des Intellekts.«
  7. Verdienste des Chemikers und Mikrobiologen Louis Pasteur sind u.a. entscheidende Beiträge zur Vorbeugung gegen Infektionskrankheiten durch Impfung, die Pasteurisierung, um Lebensmittel haltbar zu machen u.v.m. Dabei waren seine Anfänge gar nicht so vielversprechend: Sein Baccalauréat absolvierte er nur mit der Note „mittelmäßig“ in Chemie, mit seinem Rang 15. von 22 Kandidaten.

Typisch männliche Erfolgsgeschichten? Von wegen, die Frauenbeispiele sind mindestens genauso eindrücklich: 

  1. Nach dem College jobbte „The Queen of Pop“, Madonna, bei Dunkin' Donuts am Times Square in New York. Schon am ersten Tag bekam Sie vom Chef den Laufpass aufgrund ihrer Ungeschicktheit und ihres Umgangs mit Kunden.
  2. Bevor Star-Autorin Joanne K. Rowling den großen Durchbruch hatte, arbeitete sie bei Amnesty International in London als Sekretärin. Aber anstatt zu schuften, schrieb sie an einer Geschichte über einen jungen Zauberer namens Harry Potter. Ihre mangelnde Arbeitsmoral drang zum Chef durch, der sie vor die Tür setzte. Die arbeitslose Hausfrau blieb beim Schreiben. Sie gilt heute als eine der wohlhabendsten Schriftstellern der Weltgeschichte.
  3. A. Margarete Steiff bekam mit 18 Monaten Kinderlähmung. Während eines Kuraufenthalts besuchte sie gegen den Willen der Eltern eine Nähschule. Trotz ihrer Lähmung wurde sie bald eine gute Schneiderin und ihr liefen die Kunden zu. Mit 30 Jahren eröffnete sie ein Filzgeschäft mit fest angestellten Näherinnen. Ihre Stofftiere verkauften sich auf dem Heidenheimer Markt gut. Ab 1901 wurden sie auch in die USA exportiert, was ihr einen Jahresumsatz von über 180.000 Mark bescherte.
  4. Marie Curie konnte als Frau in Polen nicht studieren. Die finanzielle Situation ihrer Familie ließ ein Auslandsstudiums nicht zu. So arbeitete Marie zunächst als Privatlehrerin, bevor sie sich 1891 in ein Physikstudium in Paris einschrieb. Sprachprobleme und Wissensrückstände waren eine Herausforderung. Sie arbeitete hart, lernte an der Sorbonne ihren Mann und wissenschaftlichen Partner kennen. 1903 erhielten die beiden für ihre gemeinsame Forschung radioaktiver Strahlung den Nobelpreis für Physik. Nach seinem Tod übernahm sie seinen Lehrstuhl. Sie war damit die erste Frau, die an der Sorbonne lehrte und später die erste Professorin. 1911 wurde ihr der Nobelpreis für Chemie verliehen.
  5. Katharina die Große wurde als 14-Jährige mit dem russischen Thronfolger und späteren Kaiser Peter III. verlobt und verheiratet. Das Paar entwickelte keinen Bezug zueinander. Doch Katharina – als späteres Ehrenmitglied in der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften– behielt ihre Lebenslust, war vielseitig interessiert, las historische und politiktheoretische Werke wie Montesquieu und Voltaire. Nachdem sie mit der Politik ihres Gemahlen nach seiner Thronübernahme nicht einverstanden war, plante sie 1762 mit Vertrauten einen Staatsstreich, ließ den Zaren abdanken und sich zur Zarin und Alleinherrscherin Russlands ausrufen. Sie regierte das Land 34 Jahre lang. Sie ist die einzige Herrscherin, der in der Geschichtsschreibung der Beiname die Große verliehen wurde.
  6. Mary Ward machte es sich zu ihrer Berufung, Kloster und Tagesschulen zu gründen, um Mädchen aus einfachen Verhältnissen zu unterrichten und zu erziehen („Englische Fräulein“). Lebenslang kämpfte sie um die päpstliche Anerkennung ihrer Institution, wurde aber immer wieder verleumdet und der Rebellion gegen den die päpstliche Autorität bezichtigt. Sie bleibt ihrem Ziel allen Widerständen zum Trotz bis zum Tod 1645 treu. Der von ihr gegründeten Gemeinschaft wird 2003 approbiert und darf sich heute nach dem Wunsch der Gründerin „Congregatio Jesu“ nennen.
  7. Angela Merkel galt lange als „Kohls Mädchen“ bis sie mit ihrem Ziehvater brach und sich im Parteispendenskandal Ende 1999 offen gegen ihn stellte. Das hätte das Ende ihrer politischen Karriere bedeuten können. Sie schaffte es, sich auf ihre Weise durchzusetzen und ist seit 2005 amtierende erste Bundeskanzlerin.

 

Die Listen ließen sich beliebig verlängern. Sie zeigt eindrucksvoll, was Menschen leisten können, wenn sie den Bewertungen anderer trotzen und ihren Leidenschaften und Talenten folgen. Vielleicht ist es manchmal gerade der Trotz, sich selbst zu behaupten und es den Zweiflern zeigen zu wollen, der den unbedingten Ehrgeiz in der einen Sache noch weiter anschürt? 

Sollten Sie gerade in einer zähen Umsetzungsphase stecken und an ihrem Vorhaben zweifeln oder Gefahr laufen, sich von ewigen Zweiflern im Veränderungsprozess den Mut nehmen zu lassen, nehmen Sie die „Zwei“-fel dankbar an. Zweifel deuten uns Menschen darauf hin, dass wir eine für uns (lebens-) wichtige Entscheidung treffen bzw. getroffen haben bei der es mindestens „zwei“ alternative Weichenstellungen gibt. Es hängt für uns etwas an dieser Entscheidung, das über das Hier und Jetzt hinaus geht. Entweder fürchten wir uns vor der Zukunft oder wir hadern noch mit der Vergangenheit. Wenn wir die Zweifel (und die mit ihnen verbundenen Gefühle) in Ruhe ansehen, können wir uns fragen, wovor sie uns konkret schützen wollen. Aber auch, was wir zu gewinnen haben. Das beste Mittel, um sich von Zweifeln nicht blockieren zu lassen, ist die Haltung, dass all die Zweifel nur das Beste für uns wollen. Sie sind immer auch Begleiterscheinungen des Mutes.

Die obigen Listen sind reich an Protagonisten, die sich trotz äußerer Zweifel ihrem Schicksal stellten. Hätten sie mit dieser Intensität für ihr Ziel gelebt, wenn es keine Zweifel gegeben hätte? Zweifel geben immer wichtige Impulse und Warnhinweise und sorgen dafür, bedacht zu handeln. Doch sie dürfen nicht so viel Raum bekommen, dass sie uns das Ruder aus der Hand und damit die bewusste Entscheidung abnehmen. So unangenehm sie auch sind: Zweifel gehören zu den großen Entscheidungen im Leben dazu. 

Vielleicht führen genau diese Zweifel zur reflektierten Entscheidung, den eingeschlagenen Weg aller Widrigkeiten zum Trotz weiterzuverfolgen. Weil es sich stimmig anfühlt. Wenn Sie mal wieder Gefahr laufen, zu "verzweifeln" und sich am Widerstand Ihrer Umgebung gegen Ihre Veränderungspläne in Frust zu verlieren, dann denken Sie an all die prominenten Beispiele der obigen Listen. Und denken Sie wertschätzend an die Kraft, die Zweifel und Trotz in Bewegung setzen können.

 

 

* Die Beispielliste männlicher Vorbilder stammt aus Jack Canfield und Mark V. Hansen: Hühnersuppe für die Seele – Geschichten, die das Herz erwärmen, Verlagsgruppe Random House GmbH, München, 1996, S. 252. Danke an Fr. Dr. Rohte für den Hinweis darauf, auch weiblichen Vorbildern entsprechenden Raum zu geben.

Zu weiteren Beiträgen
Inspirierende Veränderungsimpulse für wertorientierte Führungskräfte
Veränderungsimpulse - Inspirierende Geschichten für wertorientierte Führungskräfte

 

 

Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.