Wahrnehmung auf Positives richten: Was ist Gutes an dem Krebs?

Positives | Wahrnehmung - Auch in sehr schwierigen Situationen haben wir immer wieder die Macht, unsere Wahrnehmung auch auf Positives und Gutes zu richten.

Bei unserer Arbeit in Kliniken begegnen uns immer wieder Schicksale, die uns berühren. Wir lernen über die Menschen, mit denen wir zusammen arbeiten, dabei neue Wege kennen, mit diesen Schicksalen auf professioneller Ebene umzugehen. Etwas, was unsere Arbeit bereichert und uns gleichzeitig auch für unseren Lebensalltag neue Impulse gibt. Einen solchen Impuls möchten wir gerne mit Ihnen teilen.

Max Frisch hat einmal gesagt: Man sollte dem Anderen die Wahrheit wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann, und sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren schlagen. Wie ein solcher Mantel aussehen kann, zeigt die folgende Begebenheit.

Ein Chefarzt, mit dem wir eng zusammen arbeiten, musste einer Patientin eine infauste Tumorprognose übermitteln. Eine schwere Aufgabe, selbst nach vielen Jahren Erfahrung. Im Anschluss an das Gespräch war der Chefarzt drei Tage außer Haus. Und so stellte er der Patientin am Ende des Gespräches die Aufgabe, sie solle sich, bis er wieder an der Klinik zurück wäre, überlegen, was denn auch das Gute an ihrem Krebs sei. Nach der Rückkehr kam er in der Visite zu der Frau und fragte sie, ob sie schon eine Antwort auf seine Frage gefunden hätte. Das hatte sie tatsächlich und bat ihn, ihm dies unter vier Augen erzählen zu können. So schickte er die Mitpatientin, den anwesenden Ehemann der Frau und alle Mitarbeiter kurz aus dem Zimmer und blieb mit ihr alleine zurück. Sie erzählte ihm dann, dass sie nach all den vielen Ehejahren überzeugt gewesen war, ihr Mann würde sie nicht mehr lieben. Als er diese Woche zu Besuch war, sagte ihr Mann ihr das erste Mal nach ewigen Jahren, wie sehr er sie lieben würde und die beiden waren so liebevoll miteinander wie schon seit längerer Zeit nicht mehr. Ohne den Krebs würde sie das nicht fühlen, und sie hätte diese tiefe Gewissheit nicht, sagte sie mit Tränen. Ein paar Tage später ist sie gestorben.

Für uns gibt diese Geschichte Anregung, auch darauf zu schauen, wie wir anderen die Mäntel unserer eigenen Wahrnehmung ausbreiten. Denn auch hier können wir unseren Blick immer wieder auf unterschiedliche Dinge lenken: auf das, was traurig macht, und auf das, was wir an stärkenden Dingen immer auch mitnehmen können.

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.