Strategieklausur als Zukunftswerkstatt.

Eine Möglichkeit der Ausgestaltung der Strategieklausur ist das Format der Zukunftswerkstatt. Dieses wurde in den sechziger Jahren von Jungk und Müllert geprägt.

Aufgrund der vergleichsweise einfachen Struktur sind Zukunftswerkstätten mit relativ wenig Aufwand in allen Bereichen einsetzbar, in denen es darum geht, sich ausgehend von einer kritischen Analyse des Ist-Zustandes über erstrebenswerte Zukünfte klar zu werden und Energie für Veränderung zu mobilisieren. Die Durchführung einer Zukunftswerkstatt eignet sich beispielsweise im Rahmen von Strategieklausuren, die einen entsprechenden Zeitrahmen vorsehen.

Bei der Zukunftswerkstatt handelt es sich um ein zieloffenes Verfahren, bei dem die Ergebnisse von der freigesetzten Kreativität der Gruppe abhängen. Entlang einer relativ einfach und leicht zu handhabenden Struktur gelangen die Beteiligten als gleichberechtigte Experten zur Lösung des Problems, indem bislang nicht abgefragtes, verdrängtes oder verschüttetes Wissen an die Oberfläche kommt und das eigene Denken reflektiert wird.

Eine Zukunftswerkstatt gliedert sich in drei Phasen.

Phase der Kritik/ Bestandsaufnahme

In der Kritikphase werden die für die Zukunftswerkstatt ausgewählten Themen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. So werden in kürzester Zeit zahlreiche Kritikpunkte und Probleme gesammelt, die aus Sicht der Teilnehmer zu Veränderungen führen müssen. Zur Abfrage der Punkte können verschiedene Methoden und Techniken herangezogen werden, wie beispielsweise das Metaplansystem, bei dem die Teilnehmer selbst ihre Kritikpunkte notieren, in der Gruppe nach Oberbegriffen sortieren und mit der Vergabe von bis zu fünf Klebepunkten nach Wichtigkeit priorisieren. Im Anschluss daran bilden sich Interessensgruppen, die selbstständig ggf. unter Einsatz eines Verfahrens zur Analyse der Problemebenen eine Problemanalyse vornehmen und in der Gesamtgruppe vorstellen.

Um Kritik als Chance zur Verbesserung nutzbar zu machen, bedarf es einem qualifizierten Moderator. Die Kritikphase erleben die Teilnehmer häufig als Befreiung, Kritik loszuwerden, aber auch als depressiven Tiefpunkt, an dem das Ausmaß der Probleme bewusst wird. Die Konfrontation mit den negativen Aspekten verstärkt den Wunsch nach einem Perspektivenwechsel und setzt Energie für Veränderung frei.

Phase der Utopie, Phantasie, Visionen

In dieser Phase entwickeln und gestalten die Teilnehmer mithilfe von Verfahren der Kreativitätsförderung utopische Phantasien und Visionen. Im Rahmen einer Zeitreise beispielsweise stellen sich die Teilnehmer vor, im Jahre x, in dem alles möglich ist, habe sich alles nach ihren Wünschen und Vorstellungen verändert. Mit visionärem Brainstorming und Tagträumen werden neuartige Lösungsperspektiven eröffnet, da man sich vom Trend löst, welcher sich aus der Fortschreibung der Vergangenheit und Gegenwart abzeichnet.

In der Phantasiephase empfinden die Teilnehmer häufig Euphorie als Reaktion auf die Befreiung von Sachzwängen und das Verlassen der eingefahrenen Denkmuster. Da die Zukunft in hohem Maße von den Zukunftserwartungen und -vorstellungen geprägt ist, beeinflusst ein Bewusstseinswandel die Entwicklungen entsprechend. Neben diesen Aspekten stärkt diese Phase die Gruppe und gibt Antrieb für den gewünschten Wandel, da die Teilnehmer entdecken, welche gemeinsamen Sehnsüchte und Wünsche sie verbinden.

Phase der Umsetzung

In der Verwirklichungs- und Praxisphase geht es darum, aus den Visionen diejenigen Ideen und Projekte herauszuarbeiten, an deren Umsetzung Interesse besteht und deren Durchsetzungschancen als gut eingeschätzt werden. Nach der Einigung auf konkrete Projekte bilden sich je nach Interesse Projektgruppen, die einen Umsetzungsplan für ihr ausgewähltes Projekt erarbeiten. Dabei werden Teilschritte, Meilensteine und Verantwortlichkeiten ausgehend von der Zukunftsvision zurück bis in die Gegenwart festgelegt. Je nach Komplexität des Projektes können Methoden und Hilfsmittel des Projektmanagements eingesetzt werden.

Die Aufgabe des Moderators ist in dieser Phase, die Interessen und Veränderungsbereitschaft der Teilnehmer genauer aufzudecken. So kann er engagierte Gruppen dabei unterstützen, die Aufbruchsstimmung in die Umsetzungsphase überzuleiten. Gruppen, die doch keine Veränderung wünschen, kann aufgezeigt werden, wie sie selbst dazu beitragen, den beklagten Zustand zu erhalten.

Die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt werden in einem Protokoll zusammengefasst und allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt. Es empfiehlt sich, einen Folgetermin zu vereinbaren, bei dem die besprochenen Themen und Projekte, deren Umsetzung und Ergebnisse besprochen und evaluiert werden.

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.