Rollenklärung in der Teamentwicklung.

In der Teamentwicklung in Organisationen geht es nicht um private, sondern um Rollen-Beziehungen. Rollenklärung und Erwartungsabgleiche vermeiden Konflikte.

Machen wir eine kleine Zeitreise. Setzten die Unternehmen in der Nachkriegszeit noch auf Massenproduktion, um die hohe Nachfrage zu befriedigen, fand in den 60er Jahren ein gesellschaftlicher Umbruch statt. Eine zunehmende Individualisierung setzte ein. War die Fließbandfertigung auf die Massennachfrage die richtige Antwort, so brauchte es in Zeiten der Individualisierung neue Produktionsmodelle. Volvo war eines der ersten Unternehmen, das die „teilautonomen Arbeitsgruppen“ einsetzte. Die damit einhergehende Dezentralisierung war die Geburtsstunde von „Teams“.

Die neuen teamorientieren Arbeitsmodelle brachten zwei Effekte mit sich. Zum einen wurde Mitarbeiterwissen wichtig, und die Führungskräfte waren nicht mehr die, die über das meiste Wissen verfügten. Verantwortung wurde in die Teams verlagert. Es bildeten sich kleine Organisationseinheiten mit eigener Steuerungslogik. Zum anderen führte die neue Arbeitsweise dazu, dass die zwischenmenschliche Ebene stärker in den Vordergrund rückte. Was zwischen den Teammitgliedern auf dieser Ebene passierte, hatte Auswirkungen auf die Performance. Das war ein neues Phänomen in der Unternehmensführung.

In Ermangelung dieser Modelle griff man auf humanistische Konzepte aus den großen psychologischen Schulen der Gestalt- oder Systemtheoretiker zurück. Doch diese Konzepte hatten in ihrer Anwendung auf den Unternehmenskontext einen kleinen Webfehler, der zwar zwischenzeitlich entdeckt wurde, aber immer noch in der Teamentwicklung mitschwingt: In Organisationen geht es nicht um Privatbeziehungen, sondern um Beziehungen zwischen Rollen.

Gelingende Teamentwicklung bedarf der gelingenden Gestaltung von Rollenbeziehungen. Beziehungen zwischen Rollen sind anders als Beziehungen zwischen Personen. In dem Moment, in dem man glaubt, persönliche Beziehungsebenen sind wichtig für ein Team, wird ein Team "schwierig". Die Rolle wird definiert durch die Anforderungen der Organisation und sie wird ausgefüllt durch das Verhalten der Person. Die Rolle ist jedoch nicht die Person! Und dies ist eine wichtige Unterscheidung.

Gerade in sozialen Berufen, die als „Berufung" empfunden werden - wie etwa im Krankenhaus - liegt oftmals eine hohe Identifikation des Einzelnen mit seiner Rolle vor. Viele Konflikte rühren dann auch daher, dass die Rollenbeziehungen und die dafür notwendigen Strukturen nicht geklärt sind. Ausgetragen werden die Konflikte jedoch auf einer persönlichen Beziehungsebene. Mit einem Bedürfnis nach Harmonie  werden Lösungsansätze für die persönlichen Beziehungsprobleme gesucht, anstatt die organisatorischen Prozess- und Strukturthemen zur besseren Rollenklärung zu lösen. Hier hilft ein Blick auf die Rollenanforderungen aus Sicht der Organisation und eine „Entpersonifizierung“ der jeweiligen Rollen.

Quelle: nach Bernd Kessel, www.kesselundkessel.de

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