Prozessorganisation - die Notaufnahme.

Die Notaufnahme stellt ein kritischer Faktor in der Prozessorganisation einer Klinik. Vital gefährdete Notfälle treffen ebenso wie Bagatellfälle ein.

In der Notaufnahme findet häufig von Seiten der Patienten und deren Angehörigen der Erstkontakt mit der Klinik statt. Die Erfahrungen in der Notaufnahme werden von den Patienten den niedergelassenen Ärzten zugetragen und haben so einen wesentlichen imagebildenden Einfluss für das Krankenhaus – im Positiven wie im Negativen. Es gibt wenige Dinge, die bei Patienten einen derart nachhaltig negativen Eindruck zurücklassen, wie der Umstand, mit ihren Sorgen und Nöten in Krisensituationen nicht ausreichend abgeholt zu werden.Unerheblich ist dabei die tatsächliche Diskrepanz der Selbstwahrnehmung der eigenen Situation durch den Patienten sowie der Fremdwahrnehmung durch das entsprechende Fachpersonal. Die fachliche und soziale Kompetenz der Abteilung wird durch sofortige kompetente Ansprache, kontinuierliche und klare Information – insbesondere auch zu den zu erwartenden Wartezeiten – sowie durch empathische Kommunikation gegenüber der Krisensituation, die der Patient empfindet, transportiert. Ein Anspruch, der in der Realität tatsächlich viel zu oft vernachlässigt wird.

Aus unserer Sicht gibt es drei zentrale Ursachen, warum Patienten in ihren Sorgen und Nöten nicht ernster genommen werden: Fehlendes Belastungsspitzenmanagement, fehlende unmittelbare Refinanzierung des Personaleinsatzes in der Notaufnahme und Mangel an qualifiziertem Fachpersonal. Den Schlüssel für ein besseres Management von Notaufnahmen sehen wir in der Lösung dieser Engpass- und Stressfaktoren.

Um die Prozesse in der Notaufnahme zu strukturieren, Verantwortlichkeiten zu definieren und Verbindlichkeiten festzuschrieben, ist der erste Schritt, ein Organisationskonzept auszuarbeiten, welches die wichtigsten Prozesse und Regelungen beschreibt. Ein Handbuch organisiert die wichtigsten Prozesse, regelt Verantwortlichkeiten, fördert Verbindlichkeiten und ist zudem ein hilfreiches Dokument zum Einarbeiten neuer Mitarbeiter. Hierarchische Strukturen und deren uneingeschränkte Akzeptanz durch alle Beteiligten im Prozess sind gerade im „Krisenmanagement“ wichtig, um die Stressbelastung der Mitarbeiter zu reduzieren bzw. die Sicherheit zu erhöhen. Gleichzeitig ist eine Hierarchie „nach Befehl und Gehorsam“ gerade in zeitkritischen Prozessen ineffektiv, sollen doch die situativ besten Entscheidungen und Lösungen zeitnah herbeigeführt werden. Die Rollenübernahme im Team ist dementsprechend zu klären und bedingt eine Unterordnung unter ein gemeinsames Ziel, soll die Integration von Fachexperten in einem durch Sicherheit und Vertrauen geprägten Teamklima gelingen. Dafür muss das Handbuch auch nach seiner Einführung ein immer wieder diskutiertes Instrument bleiben.

Die Notaufnahme auf dem Weg zum Aushängeschild der klinischen Versorgung

Der Bedarf an akuter medizinischer Versorgung wird immer größer [1]. Notaufnahmen bilden die Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, in der fast alle medizinischen Fachdisziplinen zusammenarbeiten. Doch längst nicht überall tragen Notaufnahmen als eigenständige Organisationseinheiten professionell dem heutigen Ansturm und den Anforderungen seitens der Patienten Rechnung.

Der erste Eindruck prägt: Sorgen und Nöte der Patienten ernst nehmen

Die Notaufnahme ist das Aushängeschild der Klinik: Häufig findet hier von Seiten der Patienten und deren Angehörigen der Erstkontakt mit der Klinik statt. Die Erfahrungen in der Notaufnahme werden von den Patienten den niedergelassenen Ärzten zugetragen und haben so einen wesentlichen imagebildenden Einfluss – im Positiven wie im Negativen. Die fachliche und soziale Kompetenz der Abteilung wird durch sofortige kompetente Ansprache, kontinuierliche und klare Information – insbesondere auch zu den zu erwartenden Wartezeiten – sowie durch empathische Kommunikation gegenüber der Krisensituation, die der Patient empfindet, transportiert. Ein Anspruch, der in der Realität tatsächlich viel zu oft vernachlässigt wird. Dabei bergen gerade diese Punkte großes Potential, die Patientenzufriedenheit zu steigern – wenn sich der Patient mit seinen Ängsten und Sorgen und mit kleinen Gesten der Zuwendung gut umsorgt und sicher fühlt, erzeugt das eine Qualität, welche sogar einen Imagegewinn des Krankenhauses mit sich bringen kann.

Zentrale Stressfaktoren systematisch lösen

Aus unserer Sicht gibt es drei zentrale Ursachen, warum Patienten in ihren Sorgen und Nöten nicht ernster genommen werden. In deren Zentrum stehen Flexibilität, Quantität und Qualität der Personalbesetzung: fehlendes Belastungsspitzenmanagement, fehlende unmittelbare Refinanzierung des Personaleinsatzes in der Notaufnahme und Mangel an qualifiziertem Fachpersonal. Den Schlüssel für ein besseres Management von Notaufnahmen sehen wir in der Lösung dieser Engpass- und Stressfaktoren. Es ist immer wieder zu hören, dass das Patientenaufkommen in einer Notaufnahme nicht planbar ist. Deshalb kann es zur Überschreitung von Behandlungskapazitäten kommen, wodurch die Sicherheit von Patienten gefährdet werden kann.

Tatsächlich stellen wir fest, dass die Auswertungen der Uhrzeiten des Patienteneintreffens im Tagesverlauf in Notaufnahmen ähnelnde Muster aufweisen, wie die „ambulante Walflosse in der chirurgischen Notaufnahme“ zeigt. Wiederkehrende Muster ermöglichen es, mit flexibilisiertem Personaleinsatz ein systematisches Belastungsspitzenmanagement zu betreiben. Eine darauf abgestimmte Personaleinsatzplanung führt zu einer überproportionalen Stressreduktion.

In weniger auf die Notfallversorgung ausgelegten Kliniken wird der Aufnahmebereich gerne nur mit ärztlichen Springerdiensten besetzt, weil für die Vorhaltung eines Arztes in der Notaufnahme keine Vergütung stattfindet. Die Ambulanzpauschalen sind in aller Regel so gering, dass sie nicht einmal annähernd die direkt in dem Bereich anfallenden Kosten abdecken. Die Notaufnahme stellt jedoch auch einen Hauptzubringer ökonomisch wichtiger Krankenhausfälle dar. Ein organisierter Notfallbereich hat somit einen unmittelbaren, wesentlichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Gesamteinrichtung. Je höher das Zutrauen in die Einrichtung, desto höher wird auch der Zufluss an „angemessen“ vergüteten stationären Fällen sein.

Entscheidend ist es also, das richtige Fachpersonal in der Notaufnahme zu haben, das im akuten Bedarfsfall den vital gefährdeten Patienten sofort und medizinisch adäquat versorgt. Ideal ist folglich eine professionell, von einem disziplinarisch fachabteilungsungebundenen Facharzt zusammen mit einer korrespondierenden pflegerischen Leitung geführte, eigenständige Notfallaufnahmeeinheit. Ein funktionierendes Team, das fachlich und sozial hohen Kompetenzanforderungen standhält, unter Stress den Kopf behält und Hand-in-Hand arbeitet, ist gerade für den Notfallversorgungsbereich ein wichtiges Kapital der Klinik. Empathie, Freundlichkeit, Kommunikationsfähigkeit, Team-, Kritik- und Konfliktfähigkeit, Zuverlässigkeit bei gleichzeitiger professioneller Distanz und stressausgleichendem Humor sollten noch viel stärker vom Leitungsteam gefördert werden, als dies heute in der zumeist personell dürftig besetzten Notaufnahme üblich ist.

Verantwortlichkeiten klären und Verbindlichkeit für das Notfallaufnahmeteam herstellen

Um die Prozesse in der Notaufnahme zu strukturieren, Verantwortlichkeiten zu definieren und Verbindlichkeiten festzuschrieben, ist der erste Schritt, ein Organisationskonzept auszuarbeiten, welches die wichtigsten Prozesse und Regelungen beschreibt. Die Stichworte auf der Liste der ablauforganisatorischen Konzepte sind im Detail beliebig vielfältig. Gerade die pflegerische Triage leistet eine zuverlässige Erstsichtung der Patienten und filtert so Versorgungsrisiken heraus. Gleichzeitig wird das ärztliche Personal entlastet. So kann eine zügige und systematische Patientenbehandlung in der Notaufnahme besser gewährleisten werden. Das Triagierungssystem bietet den organisatorischen Rahmen, Notfallalgorithmen mit Schnittstellenpartnern der unterschiedlichen Kliniken abzubilden. Die Notfallbehandlungsabläufe können in Diagnostikprofile und Behandlungsalgorithmen weiter segmentiert werden und so Prozesse zur Diagnosefindung und Therapie abbilden. Die begleitende Einführung eines strukturierten Risikomanagements zur Erhöhung von Patienten- und Diagnosesicherheit kann die Sicherheitskultur und Behandlungsqualität der Organisationseinheit verbessern.

Organisation des administrativen Aufnahmeprozesses für die ambulante Versorgung in der Notaufnahme.

Die zahlreichen Patientenpfade in der interdisziplinären Ambulanz zu sortieren, ist vielschichtig: hier kreuzen sich ambulante und stationäre Versorgung, liegend und gehend eintreffende Patienten, Schockraum- und Behandlungskabinenversorgungen, Patienten der unterschiedlichen Fachdisziplinen, elektive und nicht-elektive Patienten.

Aufgrund der gesetzlichen Regelungen der Niedergelassenenstrukturen in Deutschland ist es dem allgemeinen Krankenhaus ohne Hochschulambulanz nur dann möglich ambulante Versorgung anzubieten, wenn es spezielle Ermächtigungen besitzt oder aber es sich bei den Patienten um eine akute Notfallversorgung handelt. Dementsprechend sind die Mitarbeiter in den administrativen Aufnahmen heute wahre Spezialisten. Die administrative Aufnahme in den Notfallprozess zu integrieren, ist eine separate Herausforderung, denn Patienten noch vor der Erstsichtung über die administrative Aufnahme zu leiten, wäre nicht verantwortlich. Wie sieht diesbezüglich ein sinnvoller Patientenpfad für die Versorgung nicht-akuter Behandlungsdringlichkeiten in der Notaufnahme aus?

Nachdem der Patient bereits erstgesichtet ist und nicht unmittelbar einer ärztlichen Versorgung zugeführt werden musste, kann er während seiner Wartezeit die erforderlichen Daten sowie Unterschriften abgeben, die für die ambulante Aufnahme nötig sind. Ein gängiger Ablauf ist es, dies in unmittelbarem Anschluss an die Ersteinschätzung direkt durch die Triagierungskraft zu erledigen. Wenn diese aber gerade die Erst- und Wiedereinschätzung anderer Patienten vornehmen muss, wird dieser Schritt hinten angestellt oder an administratives Personal übergeben. Gerade in den Stoßzeiten ist es entsprechend sinnvoll, für diesen Schritt Experten der administrativen Aufnahme fest einzubinden und die pflegerischen Experten auf ihre Kerntätigkeiten zu fokussieren.

Aufgrund der Vielzahl von unterschiedlichen verwaltungstechnischen Leistungen, die die Mitarbeiter der administrativen Aufnahme beherrschen, sollten sie die Teilprozesssverantwortung in den Händen behalten. Je besser dieser Schritt durchgeführt wird, desto weniger Probleme tauchen am Ende des Prozesses in der Fallabrechnung auf. Eine Einarbeitung in unterschiedliche Aufgabenbereiche benötigt jedoch Zeit und Routine, sodass die temporäre Delegation oft nur suboptimal erfüllt werden kann.

Ein für den Patienten wichtiger Punkt ist, wie die Notwendigkeit der Privatsphäre bei der Ersteinschätzung als auch bei der administrativen Aufnahme sichergestellt werden kann. Die Notaufnahmen vieler Krankenhäuser sind in Zeiten erbaut worden, in denen noch keine Vorstellung von den Dimensionen des heutigen Betriebs in einer zentralen Notaufnahme herrschte. Über die Jahre sind dann die steigenden Kapazitätsengpässe durch gewachsenes Umfunktionieren von Räumlichkeiten erweitert worden. In einem solchen Rahmen ist es kaum möglich, die Notfallversorgung an Ort und Stelle mit kurzen Wegen und guter Übersicht für das Personal herzustellen. Dann auch noch separate Kabinen für Triagierung und Aufnahme einzurichten, scheint oft das weniger drängende Problem zu sein. So fällt in einer Notaufnahme aus dem Blickwinkel des Patienten leider immer wieder auf, dass diese Bereiche nicht ausreichend akustisch abgeschirmt sind, sodass einerseits der Geräuschpegel beträchtlich und andererseits die Vertraulichkeit der Patientengespräche nicht sichergestellt ist.

Um diesen Kernablauf des Notaufnahmebetriebes reibungsloser zu gestalten, darf über derlei existierende Unzulänglichkeiten nicht hinweggesehen werden. So sollten Räumlichkeiten, sowohl funktional gestaltet werden, um einen besseren Patientenfluss zu ermöglichen, als auch gleichermaßen die Privatsphäre und das Wohlbefinden des Patienten sicherstellen.

Eine durchdachte und stets hinterfragte Konzeption der Abläufe schon zu Beginn der Patientenbehandlung sorgt dafür, dass Sie Ihre Kernaufgabe – die medizinische Versorgung Ihrer Patienten – effektiver und effizienter durchführen können. Schließlich sollten diese Abläufe nicht im Fokus der Mitarbeiter oder gar der Patienten stehen – im Gegenteil: sie sollten so reibungslos gestaltet sein, dass sie vollkommen in den Hintergrund treten und Platz machen für Ihre Kernkompetenz.

Ersteinschätzung über die Dringlichkeit der Patientenversorgung (Triage) und dem weiteren Umgang mit den Patienten.

Die Ersteinschätzung über die Dringlichkeit der Patientenversorgung ist ein weichenstellender Schritt im Prozess des Notaufnahmebetriebes. Die Person, die diese Einschätzung vornimmt, muss eine schnelle und präzise Entscheidung über das weitere Vorgehen mit dem Patienten treffen und dem Patienten vermitteln, dass er sich in kompetente Hände begibt. Unabhängig von der Dichte des Patientenaufkommens in der Notaufnahme gilt es dabei, nicht nur offensichtliche sondern auch potenziell vital gefährdete Patienten mit geschultem Auge zu erkennen und die sofortige ärztliche Versorgung einzuleiten.

Beunruhigend an dieser hochkritischen Stelle im Ablaufprozess sind die Mängel, die sich immer wieder in Notaufnahmen in diesem Zusammenhang feststellen lassen. Oft findet anstelle einer professionellen pflegerischen Triagierung ein unstrukturierter Erstkontakt mit einem administrativen Ambulanzmitarbeiter statt, der weder eine medizinische oder pflegerische Ausbildung noch eine Schulungen in der Thematik erhalten hat. Diese Ersteinschätzung der Dringlichkeit des Behandlungsbeginns keiner Fachkraft zu überlassen, ist aus rechtlichen Gründen äußerst bedenklich.

Der Umgang mit dem Patienten ist für die Situation, in denen sich der Mensch befindet, inadäquat. Der Patient muss sich in eine Warteschlange einreihen, ohne zu wissen, wann der Arzt kommt und wie es für ihn weitergeht. Die Aufsicht bzw. die Beobachtung der Notfallpatienten in den Wartebereichen wird schließlich oft von den Mitarbeitern unkoordiniert "nebenbei" übernommen.

Über die Ersteinschätzung zur Behandlungsdringlichkeit hinaus ist es bei Notfallpatienten wichtig, dass eine gute Kommunikation über die anstehende Wartezeit erfolgt und zwischenzeitliche Ansprachen der Patienten nicht vernachlässigt werden. Der Patient soll sich auch in Stoßzeiten und bei mehrstündigen Wartezeiten gut aufgehoben sowie angenommen fühlen.

Die medizinische Versorgung Ihrer Patienten steht auch in Ihrem Hause an erster Stelle. Oft klafft aber zwischen der subjektiven Wahrnehmung eines Patienten über den Umgang mit ihm sowie seinen Bedürfnissen und der durch den Alltag in der Notaufnahme bestimmten Realität eine große Lücke. Ungeduld bis hin zu Aggressivität stauen sich beim Wartenden auf. Patienten und Mitarbeiter erleben unschöne Situationen. Wenn Sie also nicht nur für eine gute Ersteinschätzung, sondern auch darüber hinaus für deren Zufriedenheit garantieren wollen, lohnt es sich, die betrieblichen Abläufe rund um die Ersteinschätzung über die Dringlichkeit der Patientenversorgung genau unter die Lupe zu nehmen. Ihre Patienten und Mitarbeiter werden es Ihnen danken.

Wartezeit und den Warteräumlichkeiten der Notaufnahme.

Nachdem ein Patient die Notaufnahme eines Krankenhauses betreten hat, verbringt er in der Regel eine nicht unerhebliche Zeit mit Warten. Dies trifft auf Patienten zu, die große Schmerzen ertragen müssen, als auch auf solche, die ihre kleine Verletzung „zur Sicherheit“ von einem Arzt untersuchen lassen wollen. Aufgrund der schweren Planbarkeit des Patientenaufkommens wäre jedoch eine vollständige Vermeidung von Wartezeit nur unter hoher ineffizienter Personalvorhaltung zu erreichen. Die massive Unterfinanzierung der Notfallambulanz im aktuellen Finanzierungssystem trägt zusätzlich nicht gerade zur Verbesserung dieser Problematik bei. Wenn also ein Patient nicht in Lebensgefahr schwebt oder unter sehr großen Schmerzen leidet, kann eine gewisse Wartezeit nicht komplett vermieden werden.

Für die Notaufnahme ist es vor diesem Hintergrund relevant, anfallende Wartezeiten so kurz und angenehm wie möglich zu gestalten. So sollten Krankenhäuser Zeit und Aufwand in die Konzeption der Räumlichkeiten als auch des gesamten Ablaufes investieren. Denn auch die Wartezeit beeinflusst den ersten Eindruck des Patienten von der Klinik. Und für diesen gibt es bekanntlich keine zweite Chance – er prägt und ist nur mit viel Aufwand zu revidieren.

Erfahrungsgemäß bilden der frühe Vormittag von 08:00 bis 11:00 Uhr und der späte Nachmittag nach dem Schließen der Arztpraxen von 16:00 bis 19:00 Uhr die Stoßzeiten in Notaufnahmen. Unnötige Belastungsspitzen ergeben sich daraus, wenn das Management der Notufnahme nicht an diese Zeiten angepasst ist. Trotz des wiederkehrenden Musters stehen auch in diesen Zeitfenstern nicht mehr Ärzte als zu anderen Zeiten zur Verfügung. Zu allem Überfluss finden dann in diesen Stoßzeiten auch noch die täglichen Flächenreinigung oder anfallende Reparaturarbeiten statt. Besonders unangenehm für die wartenden Patienten wird es dann, wenn diese auch noch mit einer Lärmbelästigung einhergehen. Insbesondere in offen gestalteten Räumlichkeiten finden Patienten und Personal sich so zusätzlichen Stressfaktoren ausgesetzt.

Außerdem gibt es noch viele Häuser mit gemischten Warteräumen für Notfälle und Elektivpatienten. Zuweilen kommt es vor, dass Elektiv- und Nicht-Elektivbetrieb überhaupt nicht voneinander getrennt sind. Dies führt dazu, dass selbst elektive Patienten lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, obwohl sie zu einem bestimmten Termin einbestellt worden sind und der Termin damit auch eine entsprechende Relevanz haben sollte.

Hier schaffen getrennte Wartebereiche Abhilfe: Erfolgt eine Trennung der Patienten nicht nur nach Notfall- und Elektivpatienten, sondern auch nach behandelndem Fachbereich, schafft dies mehr Verständnis für unterschiedliche Wartezeiten und reduziert den Stress der wartenden Patienten. Bereits behandelte Patienten sollten zudem nicht wieder in dieselben Warteräume zurückkehren müssen, sondern in einem abgetrennten Bereich auf Befunde, weitere Behandlungen oder administrative Prozesse warten können.

Unterstützt durch ein elektronisches Kalender- oder Patientenmanagementsystem ist für das Ambulanzpersonal mehr Transparenz möglich. Durch ein solches System lässt sich der Bearbeitungsprozess besser unterstützen und auch beschleunigen, z. B. durch flexible Personaldisposition je nach Bedarf und gezieltes Eingehen auf die unterschiedlichen Anliegen der einzelnen Patienten. Eine regelmäßige Erhebung von Wartezeiten zur Identifikation von Schwachstellen und Verbesserungspotenzialen sorgt dafür, den qualitativen und quantitativen Personalbedarf genauer zu beziffern.

Mit einem Überblick über die gesamte Wartezeiterfahrung des individuellen Patienten können Sie dafür sorgen, dass der Prozess effizienter gestaltet und so das Wohlbefinden Ihrer Patienten gesteigert wird. Denn das Letzte, was ein behandlungsbedürftiger Patient möchte, ist in einen Ablaufprozess zu geraten, der selbst eine Generalüberholung dringend nötig hat.

Elektronische Datenverarbeitung in der Notaufnahme

Ein Manko von Notaufnahmen ist die Datenverarbeitung und die medizinische Dokumentation. Eine zeitnahe und eindeutige Verfügbarkeit von Patienteninformationen, aber auch von diesbezüglichen Prozessbeschreibungen ist essenziell für jeden medizinischen Betrieb – dies gilt in besonderem Maße für die Notaufnahme. Diese ist aufgrund ihrer permanenten Konfrontation mit potentiell vitalkritischen Situationen drauf angewiesen, dass eine Konzentration auf den Patienten erfolgen kann und alle Beteiligten ihre Verantwortungsbereiche kennen.

Die Realität in vielen Notaufnahmen ist leider häufig durch ärztliche Rotation geprägt. In Deutschland gibt es, anders als im Ausland, nicht den Facharzt für Notfallmedizin, unter dem Emblem sich begnadete Diagnostiker wohl fühlen. Dementsprechend gibt es für Ärzte kaum Anreize, sich voll und ganz in der Dienst den Notfallambulanz zu stellen. Vielmehr ist dies ein Bereich, der „nebenbei“ auch noch mitabgedeckt werden muss. Und so gestaltet es sich: Die Notfallambulanz ist einen – zumindest gefühlt - großen Teil ihrer Zeit damit beschäftigt, Ärzte von den Stationen und anderen Einsatzgebieten abzurufen. Bei einer derartigen Organisation erklärt sich aber fast schon von selbst, warum die elektronische Dokumentation nur rudimentär funktioniert.

Auch gibt es mehrere Medienbrüche und Dokumentationsvarianten in den unterschiedlichen Fachdisziplinen, in denen häufig noch mit Karteikartensystemen gearbeitet wird. So ist eine kontinuierliche und konsistente Verarbeitung von Patientendaten interpersonell mit ihrer medizinischen Historie unmöglich. Jede nicht digitale Dokumentation ist in der heutigen Zeit ein nicht akzeptables Handicap im interpersonellen Informationsaustausch. Sie erschwert anderen Personen einen jederzeitigen Zugang zu relevanten Informationen, führt zu zusätzlichem Verwaltungsaufwand, fragmentierten Informationen und erschwert die zeitnahe Abrechnung von Leistungen und die Auswertung im Rahmen des Berichtswesens.

Die Einführung einer durchgängigen digitalen Dokumentation ist die einzige Möglichkeit, effizientes vernetztes Arbeiten in der Realität zu gewährleisten. Handschriftliche Arztbriefe oder lediglich rudimentär handskizzierte Notfallscheine sind schließlich keine angemessene Visitenkarte Ihres Hauses nach außen.

Eine entsprechende Umstellung in der Praxis durchzusetzen, ist ein langer Weg, benötigt Zeit und vor allem Disziplin. Fangen Sie damit an, sich selbst und Ihrer Notaufnahme strikte Regeln für die Datenpflege zu verordnen – denn sie sind ein erster Schritt zu abgestimmten Abläufen über die Grenzen des eigenen Bereichs hinweg.

[1] Zwischen 2005 und 2010 wurde eine Steigerung um 16,6 %, d. h. um 2,5 Millionen Behandlungsfälle, auf nunmehr 16 Millionen Menschen verzeichnet, die in Deutschland in einer Notaufnahme behandelt wurden. Das entspricht fast einem Viertel der Gesamtbevölkerung. Gründe sind vielfältig: Veränderung der Altersstruktur in der Gesellschaft, Wegfall von Arztpraxen in ländlichen Regionen, steigendes Gesundheitsbewusstsein und Aufklärung. Vgl. etwa Pressemitteilung des Universitätsklinikums Aachen.

Weiterführende Informationen über die Notaufnahme finden Sie in unserem Artikel "Die Notaufnahme - Aushängeschild der klinischen Versorgung?"

 

 

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.