GKV-Versorgungstrukturgesetz - Koordination der Entlassung.

Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG) fordert von Krankenhäusern die Koordination von Entlassmanagement und Nachversorgung nach dem Klinikaufenthalt.

Durch die §§ 39 und 112 SGB V wird das Entlassungsmanagement ein fester Bestandteil der Krankenhausbehandlung. Es muss deshalb verbindlich von Krankenhäusern angeboten werden. Ein funktionierendes Entlassungsmanagement soll dazu beitragen, dass Probleme gelöst werden, die beim Übergang in die Versorgung nach der Krankenhausbehandlung entstehen. Organisation von Rehabilitation bzw. Anschlussheilbehandlungen, Hilfsmittelbereitstellung oder die Wahl eines ambulanten Pflegedienstes können als typische Handlungsfelder genannt werden. Das Gesetz als Vertreter der Patienteninteressen beschreibt Mindestanforderungen. Die Ausgestaltung ist dem einzelnen Haus überlassen.

Im DRG-Zeitalter wird eine konsequente Umsetzung der Prozessorganisation bis hin zum Entlassmanagement zunehmend wichtiger. Viele Krankenhäuser bieten ein Überleitungsmanagement (Case Management im engen Sinne) bereits an. Die Notwendigkeit der Kliniken, sich auf die aktuellen Herausforderungen einzustellen, hat in den letzten Jahren eine erweiterten Begriff vom Case Management, bzw. eingedeutsch "Fallmanager", zu einem vielbenutzten Begriff in der deutschen Kliniklandschaft werden lassen. Angebote des Sozialdienstes gehen z.T. im Casemanagement mit auf. Wie weit jede Klinik den Zuständigkeitsbogen des Casemanagements spannt, liegt im eigene Ermessen. Der Aufgabenbereich begrenzt sich nicht auf die Koordination der Entlassung, sondern kann ein Einweisungsmanagement schon vor dem eigentlichen Klinikaufenthalt, die Koordination von Behandlungspfaden und laufende Patientenkommunikation beinhalten bis hin zur Weiterbetreuung der Patienten im häuslichen Bereich z. B. in Anleitungssituationen. Die Schnittstellen zum Bettenmanagement und Verweildauermanagement mit dem Medizinicontrolling sind evident. Die Berufsgruppen innerhalb der Klinik profitieren von eine koordinierteren Zusammenarbeit.

Mit einem Zitat von Steve Jobs kann das Beschreiten neuer Wege in der Prozessorganisation der Kliniken auf den Punkt gebracht werden: “Lassen Sie sich nicht von Dogmen einengen. Dogmen sind das Ergebnis des Denkens anderer Menschen. Lassen Sie nicht zu, dass der Lärm fremder Meinungen Ihre eigene innere Stimme übertönt. Und vor allem haben Sie Mut, Ihrem Herzen und ihrer Intuition zu folgen.“

Wir stehen in unserem Selbstverständnis dafür, Kliniken in der Beratung keine Standardlösungen überzustülpen, sondern  indivduell zugeschnittene Problemlösungen mit Ihnen zu erarbeiten, die Ihren Prozessfluss wirksam verbessern.

Die “neue Welt” im Krankenhaus fordert den Wertewandel hin zu einer ganzheitlichen Patientenversorgung auf Augenhöhe. Ein zentraler Diskussionspunkt hierbei ist immer wieder der Entlassprozess. Die Verweildauer in deutschen Krankenhäusern hat sich in den letzten Jahren mehr als halbiert – und durch den medizinisch-technischen Fortschritt bedingt bei einer deutlich gestiegenen Qualität der Behandlung. Der Fokus der Behandlung liegt heute auf der gezielten Behandlung der Hauptdiagnose. Ziel ist die konkrete Verbesserung des Gesundheitszustandes in Bezug auf die Hauptdiagnose. Die Behandlung ist darauf ausgerichtet, den Patienten mit einem definierten (Behandlungs-)Ergebnis innerhalb einer definierten Zeit zu entlassen bzw. in weiterversorgende Einrichtungen zu verlegen. Aufnahme- und Entlasstag werden bestmöglich durchorganisiert.

Im Sinne einer ergebnisorientierten Behandlung strebt das Behandlungsteam mit allen Mitteln danach, vom – nach der gegenwärtigen Situation wahrscheinlichen – Ende des Behandlungsprozesses her zu denken und eine geplante Entlassung, einen effektiven Behandlungsabschluss, zu organisieren. Alle Risiken, die einer geplanten Entlassung entgegen stehen, werden in der Prozesskette so weit wie möglich nach vorne verlagert. Dazu gehört, dass der Bewertung der anamnestischen Daten mit dem Patienten Aufmerksamkeit gewidmet wird. Viel Sorgfalt wird auf Fokussierung und Informationstransparenz aller Beteiligten gelegt.

Wie geht es dem Patienten in diesem Systemwandel? Ist die Verweildauerreduktion überwiegend auf eine bessere Organisation der Behandlungskette zurückzuführen und die Konzentration auf das primäre Behandlungsziel, dann stellt unser heutiges stationär-medizinisches Versorgungssystem in Deutschland sicherlich ein hocheffektives dar. Durch Vermeidung von Verschwendung im System und der medizinischen Zuwendung genau in dem Umfang wie der Patient es bedarf, werden beschränkte Ressourcen des Gesundheitssystems bedarfsorientiert eingesetzt. Zuwendung wird zu einer Frage der Qualität nicht der Quantität.

Dem Gedanken entspricht es, die Prozesse und Routinen auf Station wohl zu ordnen: morgens die Patienten mit fertigem Arztbrief zu entlassen, die anwesenden Patienten zu versorgen und dann elektive Patienten einzubestellen bzw. die Patienten aus der Notfallaufnahme zu übernehmen. Doch wenn es um die Konkretisierung geht – das heißt, der Patient soll morgens sein Zimmer verlassen, damit es gereinigt werden kann und frühzeitig dem bedürftigen nachfolgenden Patienten wieder zur Verfügung stehen kann, wird die Diskussion für die Stationsmitarbeiter oft schwierig. Die Entlassung des Patienten um 9 Uhr, sodass sein Bett ab 10 Uhr wieder belegbar ist, ist ein entscheidender Einschnitt im Tagesablauf der Station. Dabei schafft das Festlegen einer Entlassuhrzeit die Planungsbasis für das Bettenmanagement und erleichtert allen Berufsgruppen auf Station das Arbeiten. Alleine dem Patienten und seinen Angehörigen ist die Entlassuhrzeit auf der überwiegenden Zahl der Pflegestationen in Deutschland heute noch fremd. Seien es die Angehörigen, denen das Abholen am Nachmittag besser in den Tag passt oder das Mittagessen, das der Patient gerne noch zu sich nehmen möchte. Die Mitarbeiter möchten diesen Service dem Patienten nicht vorenthalten. Dabei profitiert der Patient selbst am meisten vom Paradigmenwechsel: geringere Wartezeiten bei der Entlassung ebenso wie bei der Aufnahme, höhere Informationstransparenz zum eigenen Gesundheitszustand durch laufende enge Einbindung in den Behandlungsprozess sind nur zwei zentrale Argumente. Und dem, dem es am Ende der Behandlung noch tatsächlich noch um das Mittagessen geht, der bekommt im Sinne der Serviceorientierung gerne seinen Bon für ein Lunchpaket in der Cafeteria. Angehörige sind manchmal gar nicht so schlecht organisiert – wenn sie sich nur rechtzeitig auf den Entlasstermin einstellen können. Patient und/bzw. Angehöriger sind durch die laufende Entlassplanung auch organisatorisch in den Behandlungsprozess einbezogen. Möglicherweise ist dies der Anfang einer neuen Qualität im Arzt-Patienten-Verhältnis?

Wenn Sie sich weiter mit der systematischen Prozessorganisation auf Station auseinander setzen wollen, dann könnte unser Seminarangebot zum Stationsmanagement für Sie interessant sein. 

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.