Gemeinsamer Anamnesebogen für Arzt und Pflege

Oft haben Pflegekräfte und ärztlicher Dienst eigene Anamnesebogen. Zur Prozessvereinfachung und Erhöhung der Patientenzufriedenheit empfiehlt sich eine Zusammenlegung.

Zielsetzung

Aufgabe einer pflegerischen und ärztlichen Anamnese ist nicht nur, viele Fragen zum gesundheitlichen, medizinischen und sozialen Zustand zu stellen, sondern auch, eine gute Beziehung zum Patienten aufzubauen. Ein vertrauensvolles Verhältnis des Arztes und der Pflege mit dem Patienten ist essenziell wichtig für Diagnostik, Behandlung und Therapie. Der erste Eindruck ist oftmals schon entscheidend, um eine vertrauensvolle, empathische Arzt-Patienten-Beziehung herzustellen. Bei dem Patienten entsteht das Vertrauen, dass er ernst genommen wird und sich Arzt und Pflege ausreichend Zeit für ihn nehmen.

Mit einem ärztlichen und pflegerischen Leitungsteam der Klinik für Innere Medizin an einer Universitätsklinik haben wir bewusst den Aufnahmeprozess aus der Sicht des Patienten analysiert. Dabei wurde festgestellt, dass Patienten von beiden Berufsgruppen nahezu gleiche Fragen an verschiedenen Stellen des Aufnahmeprozesses (z.B. Administrative Aufnahme, Ambulanz, Notfallambulanz, Aufnahmestation, Station) gestellt bekamen.

Vorgehen bei der Einführung

Der Hintergrund war relativ einfach zu analysieren: Die unterschiedlichen Bereiche und Berufsgruppen nutzten jeweils einen berufsgruppenspezifischen Bogen mit mehreren Seiten. In vielen inhaltlichen Themen waren nahezu gleiche Fragestellungen hinterlegt. In der Analyse wurde weiter deutlich, dass die Anamneseergebnisse der jeweiligen anderen Berufsgruppen nur teilweise berücksichtigt wurden, da diese auf einem eigenständigen Bogen dokumentiert wurden. Ein Teil der Problemstellung wurde im Rahmen von berufsgruppenübergreifenden Stationskonzepten, die in Zusammenarbeit mit Beratern der Ruhl Consulting AG erarbeitet wurden, gelöst. Im Organisationsentwicklungsprozess wurden in einer Arbeitsgruppe beide Bögen zusammenfasst und redundante Frage entfernt. Der neue Bogen enthält auf vier Seiten eine eindeutige Definition und Abgrenzung gemeinsamer, medizinischer und pflegerischer Anamneseinhalte.

Ergebnis

Die Vorteile dieses gemeinsamen Anamnesebogens sind vielfältig. Neben der Vereinheitlichung der Dokumentation verbessert er die Informationsweitergabe berufsgruppenübergreifend, schont hierdurch die Personalressourcen und fördert zudem die gegenseitige Unterstützung und Kontrolle zwischen den Berufsgruppen.

Mit der Etablierung des gemeinsamen Anamnesebogens konnte somit eine verbesserte Patientenorientierung erreicht werden, da der Patient nicht doppelt befragt wird und die Informationen nur einmal erfasst werden. Durch die zusätzliche digitale Erfassung des Anamnesebogens kann nun schneller auf Anamnesedaten vergangener Klinikaufenthalte zurückgegriffen werden.

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Patientenorientierung und Prozessvereinfachung durch gemeinsame Dokumentation
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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.