Führungskräfteentwicklungsprogramm - Systematische Personalentwicklung

Die Qualifikation der Mitarbeiter in den Kliniken entscheidet maßgeblich über die Qualität der erbrachten Leistungen und damit über die Zukunftsfähigkeit der Einrichtung. Historisch bedingt, findet eine Personalentwicklung als Teil des Personalmanagements im Krankenhaus meist jedoch nur in Form von Weiterbildungsordnungen und Fortbildungsprogrammen statt.

Zielsetzung

In der Regel sind diese weder auf die Unternehmensziele abgestimmt, noch richten sie sich an alle Berufsgruppen. Dabei sind Krankenhäuser als Experten-Organisationen fachlich äußerst gut aufgestellt, es mangelt aber an einem Management-Verständnis. Die Mitarbeiter sind zwar Experten ihres Fachs, hinsichtlich einer systematischen Führungsarbeit haben sie jedoch häufig Qualifizierungsbedarf.

Wirksame Führung bedarf bestimmter Schlüsselkompetenzen, die den wenigsten Menschen in den Schoß fallen. Gemeinsam mit uns hat der ein Klinik-Konzern ein umfassendes Schulungsprogramm für seine 650 Führungskräfte entwickelt. Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit war die Entscheidung, seine Kliniken und Heimeinrichtungen unter das Dach einer Unternehmensholding zu fassen, um sie als modernen und zukunftsfähigen Gesundheitskonzern am Markt zu positionieren.

Mit der Etablierung der neuen Struktur galt es, eine Konzernstrategie zu entwickeln, diese in einer Balanced Scorecard abzubilden und die Ziele des Konzerns auf der Ebene der Tochtergesellschaften mit einem Zielvereinbarungssystem zu operationalisieren. Dieser Strategie- und Personalentwicklungsprozess wurde systematisch extern begleitet.

Vorgehen im Projekt und Inhalte der Qualifizierung

Ein wesentliches Anliegen war es, die Führungskräfte aller Tochtergesellschaften aktiv in den Strategieprozess einzubinden. Einerseits sollte deren fachliches Know-how genutzt werden, andererseits sollte dadurch das nötige Commitment gewährleistet werden, das für eine erfolgreiche Umsetzung der strategischen Ziele zwingend erforderlich ist. Auf einer Führungskräftekonferenz erarbeitete die rund 80 Personen starke Gruppe der obersten Führungsebene in drei Tagen die wichtigsten Strategiethemen.

Um die Basis für ein einheitliches Führungsverständnis zu schaffen, wurden auf der Konferenz Führungsgrundsätze kontrovers diskutiert und schließlich verabschiedet. Sie bilden die Grundlage für das ebenfalls beschlossene konzernweite Führungskräfteschulungsprogramm, im Rahmen dessen alle rund 650 Führungskräfte, von der Geschäftsführung bis zur Stationsleitung, geschult werden sollten.

Eine besonders positive Resonanz erfuhr die Entscheidung, alle Führungsebenen in das Programm einzubeziehen und die Schulungen berufsgruppenübergreifend abzuhalten. Damit betont und fördert das Führungskräftetraining bereits die in der psychiatrischen Behandlung eminent wichtige multiprofessionelle Zusammenarbeit der Berufsgruppen.

Aufgrund der Heterogenität der Schulungsteilnehmer war es zunächst wichtig, sie auf ihrem jeweiligen Kenntnisstand abzuholen und damit einen gemeinsamen Ausgangspunkt für die weiteren Schulungsmodule zu schaffen. Deshalb beinhaltet der erste Baustein der strategischen Personalentwicklung Einführungsworkshops, die zunächst alle Führungskräfte mit den wichtigsten Elementen der neuen Strategie, den Führungsgrundsätzen und Unternehmenswerten vertraut machen. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen nahmen in zehn Veranstaltungen jeweils 50 bis 70 Führungskräfte an den Auftaktveranstaltungen teil.

Die Schulungen, die sich an die Workshops anschließen, folgen einem modularen Aufbau mit mehreren Schulungstagen, das heißt, es sind für die Qualifizierung von 650 Führungskräften rund 45 Führungskräfteseminare mit jeweils 15 Teilnehmern notwendig. Der modulare Aufbau ermöglicht es, zusätzliche Themen künftig integrativ anzuschließen.

Ziel ist es, deren Inhalte möglichst praxisnah zu vermitteln und damit einen Transfer auf den (Führungs-) Alltag sicherzustellen. Schwerpunkt der Trainings bildet die Konkretisierung der vermittelten Inhalte mit zahlreichen Beispielen aus der Beratungspraxis, um sie für die Teilnehmer anhand abwechslungsreicher Übungen erfahrbar zu machen. Ergänzenden theoretischen Input liefern ausführliche Schulungsunterlagen, die den Teilnehmern zur besseren Vorbereitung bereits vor der Schulung zur Verfügung gestellt werden. Die bisherige Evaluation zeigt, dass insbesondere der hohe Praxisbezug und die im Vorfeld zur Verfügung gestellten, ausführlichen theoretischen Unterlagen von den Führungskräften positiv bewertet werden.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie hier: Schütz, J./ Plate, V./ Ruhl, S./ Ruck, B. (2010), Kompetenztraining für Führungskräfte, in: f&w 6/2010, 27. Jahrg.: 604-607.

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.