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Entlassmanagement - den Prozess vom Ende her denken.

Das Bundesschiedsamt hat am 17.10.16 per Schiedsspruch im Konflikt von GKV und DKG zum Entlassmanagement entschieden. Es gilt: Den Prozess vom Ende her denken.

 

Ausgestaltung Entlassmanagement

Als Teil des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes soll das Entlassmanagement insbesondere den Übergang der Patienten von der Klinik in den ambulanten Sektor verbessern. Zur Verbesserung der medizinischen Versorgung sollen Versorgungslücken und baldige Wiedereinweisungen ins Krankenhaus vermieden werden. So sollte ursprünglich ab 2016 jeder Patient zum Abschluss seines stationären Aufenthaltes eine Entlassplan bekommen. In den Details der Ausgestaltung konnten sich GKV (Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen) und DKG (Deutsche Krankenhausgesellschaft) jedoch nicht einigen.

Schiedsspruch im Konflikt zwischen GKV und DKG

Nun hat der Schiedsspruch u.a. folgende strittigen Punkte entschieden, die alle Kliniken nunmehr ab dem 1.7.2017 umzusetzen haben:

  • Patienten haben einen Anspruch auf einen verbindlichen Entlassbrief und einen Medikationsplan.
  • Krankenhausärzte können bei Bedarf Arzneimittel, Verband-, Heil- und Hilfsmittel, häusliche Krankenpflege und Soziotherapie für einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen verordnen.  
  • Für diesen begrenzten Zeitraum können Krankenhausärzte eine Arbeitsunfähigkeit feststellen.
  • Kliniken sind verpflichtet, auf allen Verordnungen die lebenslange Arztnummer (LANR) – dafür müssen sich viele Ärzte erst noch registrieren – sowie die Betriebsstättennummer (BSNR) anzugeben.

Externer Eingriff in den internen Prozess der Organisation

Der DKG kritisierte scharf, dass das formale Entlassmanagement unabhängig vom faktischen Bedarf für jeden Patienten durchzuführen ist. Das bedeutet, dass zumindest ein Aufklärungsgespräch zur Weiterversorgung und das Ausfüllen von zwei Formblättern zusätzlich erforderlich werden. Für den DKG ist dies ein „bürokratisches Monster“. Die GKV begrüßt die Stärkung der Patienten, einen klaren Rechtsanspruch durchzusetzen.

Es zeigt sich an dieser Stelle, dass Gesetzgebung und Rechtsprechung als externe Instanzen und "Anwälte" des Patienten durch Formulierung von Mindeststandards weiterhin in die interne Prozessgestaltung der Krankenhäuser eingreifen, den Prozess vom Ende her denken zu sollen. Dabei werden Kliniken, die bereits ein strukturiertes Entlassmanagement haben, genauso in die Haft genommen wie "Chaosorganisationen", denen berufsgruppen- und sektorenübergreifendes Management noch eher ein Fremdwort ist. Insbesondere fließt in die Diskussion nicht ein, dass bereits heute Kliniken den Expertenstandard für Entlassmanagement in der Pflege (entwickelt vom DNQP) strukturiert nutzen. Unabhängig vom bestehenden Organisationsgrad ihres Entlassmangements haben in der Konsequenz die Häuser jetzt Hausaufgaben bis zum 1.7.2017 zu erledigen. Ab dann wird der Patient seinen Anspruch einfordern können.

Anstatt sich über die Mehrbelastung der Kliniken im Hinblick auf den faktischen Nutzen zu ärgern, bleibt den Kliniken v.a., den Schiedsspruch als Impuls für eine Weiterentwicklung des eigenen Entlassprozesses zu nutzen. In der sauberen Planung des Entlassprozesses stecken in jedem Fall erhebliche Effizienzressourcen. Dabei ist entscheidend, die Behandlung als Prozess vom Ende her zu denken und das Zusammenwirken aller Beteiligten in der Kürze der Verweildauer gut zu koordinieren. Nur so wird systematisch für alle an der Versorgung Beteiligten ein fallabschließendes Arbeiten möglich. Ohne die eigene Tätigkeit immer wieder unterbrechen und neu aufgreifen zu müssen..In Bezug auf den Arztdienst wird die systematische Delegation von Managementprozessen ein zentraler Punkt, will man den Arzt nicht mit zusätzlichem bürokratischen Aufwand überhäufen. Entscheidend für eine gelingende Prozessorganisation ist es dann, das Denken in Berufsgruppen in ein Denken als Behandlungsteam aufzulösen. Jenseits aller extern forderbaren Rahmenbedingungen ist die Weiterentwicklung dieses kulturellen Selbstverständnisses entscheidend für das Gelingen einer Prozessorganisation. Damit ist es auch die Herausforderung für die Führung des Krankenhauses in den nächsten Jahren.

Koordiniertes Entlassmanagement

Ein koordiniertes Entlassmanagement sorgt bei Patienten, Klinikmitarbeitern und nachgelagerten Versorgungsträgern gleichermaßen für Entspannung in der täglichen Routine. Mit unserem Beraterpool und externen Kooperationspartnern unterstützen wir Sie gerne bei der strategischen Neuaufstellung und Umsetzung auf dem Weg zur Prozessorganisation. Fassen Sie es an!

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Verantwortlich für Redaktion und Inhalt: Dr. Elke Eberts und Stefan Ruhl.