Cain, Susan

Still: Die Kraft der Introvertierten

Mit „Still: Die Kraft der Introvertierten“ wirft Susan Cain eine Blick auf ein Temperament, das in unsere Gesellschaft ihrer Ansicht nach oft unterbewertet wird. Genaue Erhebungen gibt es nicht, doch je nach dem welche Studie man zu Rate zieht, sind 30-50% der Menschen introvertiert. Trotzdem reihen sich viele Negativzuschreibungen um das Temperament der Introvertierten. Letztlich wird ihnen Temperament eigentlich abgesprochen, sie werden als schüchtern, gehemmt, zurückgezogen oder gar als nicht sozialfähig bezeichnet.Das Ideal unsere Gesellschaft heißt extravertiert – sich darzustellen, nach außen zu gehen, kontaktfreudig zu sein und präsentieren zu können sind Erfolgsfaktoren unserer Zeit. Susan Cain, ehemalige Wallstreet Anwältin, hat sich über 7 Jahre lang intensiv mit dem Phänomen der Intro- und Extraversion auseinander gesetzt und ihre Erkenntnisse in ihrem Buch zusammengefasst. Dabei bezieht sie neue Ergebnisse der Wissenschaft, u.a. der Hirnforschung, genauso ein wie zahlreiche Interviews, Beispiele oder auch „Selbstversuche“ z.B. im Rahmen von Persönlichkeitsseminaren.

Ihr Buch unterteilt sich in die drei Abschnitte „I. Das Ideal der Extraversion“, „II. Unsere Biologie, unser Selbst“ und „III. Formen der Liebe und Arbeit für Introvertierte“. Susan Cain zeigt, wie die Extraversion zum gesellschaftlichen Ideal wurde und sich insbesondere in den USA im Laufe des 20. Jahrhunderts diese Wandlung mehr und mehr vollzog. Sie verdeutlicht dabei den Wechsel von einer „Charakterkultur“, in der Werte wie Pflichtbewusstsein, Fleiß, Ehre und Moral wesentlich waren, zu einer „Persönlichkeitskultur“, die primär die eigene Vermarktung in den Vordergrund setzt. Sie beschreibt die heutige Persönlichkeitskultur, welche Auswirkungen sie auf introvertierte Menschen hat, welche extrovertierten „Webfehler“ sich z.B. im Mythos der charismatischen Führung befinden und welche introvertierte Potenziale in Teamarbeit, Großgruppenbüros und Co. nicht zur Entfaltung kommen. Sie geht näher auf die verschiedenen Persönlichkeitsmerkmale der Temperamente Introversion und Extraversion ein und zeigt auf, wie sie sich auf unser Leben, sei es in der Arbeit, bei unseren Hobbies oder in der Partnerschaft auswirken. Dabei wirbt sie insbesondere für eine Gleichberechtigung der unterschiedlichen Stärken und dafür, beide Temperamente in der Gestaltung von Erziehungs-, Schul-, und Arbeitswelten gleichwertig einzubeziehen.

Im vierten Teil, der sich „Ergänzung zur Taschenbuchausgabe“ nennt, gibt sie zudem konkrete Ratschläge und das, was man am ehesten Lebenshilfe für Introvertierte nennen könnte. Es ist eine Art Kurzzusammenfassung mit Anleitung zum Reden halten oder dazu introvertierte Kinder groß zu ziehen.

Susan Cain möchte mit ihrem Buch stille Menschen dazu ermutigen, das eigene Temperament zu erkennen und dessen Stärke zu nutzen. Gleichzeitig gibt sie extrovertierten Menschen eine interessante Perspektive auf das für sie oft schwer verständliche, stille Gegenüber. Gerade auch für extrovertierte Führungskräfte eine gute Lektüre, um stillere Mitarbeiter besser kennen zu lernen und einsetzen zu können.

„Still: Die Kraft der Introvertierten“ ist dabei kein wissenschaftliches Buch, sondern eines, das mit viel Humor, lustigen, nachdenklichen Anekdoten aus allen Lebensbereichen und vielen Beispielen einen leicht zu lesenden, vergnüglichen Blick auf den „Norden und Süden des Temperaments“ legt. Wer die Autorin etwas näher kennenlernen möchte, findet hier einen interessanten Vortrag von ihr, der zugleich einen Einblick in ihr Buch gewährt. Wir wünschen viel Spaß beim Zuhören.

 

Cain, S.: Still: Die Kraft der Introvertierten. 1. Auflage, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2013.

 

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